"Corona hat uns ausgebremst, aber ich spüre einen neuen Flow im Verein", sagte 1. Schützenmeister Michael Wimmer bei der Einweihung der 16 elektronischen Schießstände im Vereinsheim der Schützengilde 1962 Poppenroth. Beweis dafür sind die 350 Stunden an Eigenleistung, die der 180 Mitglieder starke Verein in die Modernisierung der Schießstände und die Renovierung des Schützenheims investiert hat.

Mit einem Festgottesdienst begann der Jubiläumstag im Vereinsheim der Poppenröther Vereine. Pfarrvikar Karl Feser zelebrierte die Deutsche Messe von Franz Schubert - unterstützt von den Poppenröther Musikanten - und thematisierte im Gottesdienst das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

"Der Verein besteht seit 60 Jahren", sagte 1. Schützenmeister Michael Wimmel, "und eigentlich war ein großes Fest geplant". Da man aber zu Beginn 2022 etliche Unsicherheiten in Bezug auf Helfer, Musik und Zelt hatte, wurde kurzfristig nur die Standeinweihung geplant und langfristig das Festwochenende zum 60-jährigen Jubiläum auf das Jahr 2023 verschoben.

Die elektronischen Schießstände seien seit 2019 Thema im Vorstand gewesen, so der 1. Schützenmeister, "auch wenn es Vorbehalte gab". In der Mitgliederbefragung im darauffolgenden Frühjahr gab es überwiegend positive Rückmeldungen. So stand dem Austausch der fast 20 Jahre alten Schießstände in der Luftgewehrhalle und der sinnvollen Nutzung des Corona-Stillstandes nichts im Wege.

Gute Angebote und eine positive Situation bei der Sportförderung hätten die Entscheidung, die mit einer Gesamtinvestition von 45.000 Euro verbunden war, begünstigt, erklärte Michael Wimmel. Der Bayerische Sportschützen-Bund habe sich mit 15.000 Euro beteiligt, die Stadt Bad Kissingen habe 10.000 Euro über den Vereinsbeirat beigesteuert. Wimmels Dank galt den zahlreichen Helfern, deren Arbeitsleistung mit 5000 Euro beziffert wurde. Die restlichen 15.000 Euro seien zu Lasten der Vereinskasse gegangen, doch mittlerweile seien "Standpatenschaften" in Höhe von 7000 Euro übernommen worden "und wir hoffen auf mehr", sagte Wimmel. Mittlerweile hätten sich die elektronischen Stände schon bewährt, unter anderem bei den Übungsabenden und bei Wettkämpfen.

Oberbürgermeister Dirk Vogel würdigte die Leistungsfähigkeit der Poppenröther Schützen und Applaus bekräftigte seine Aussage: "Jede Mannschaft braucht einen Kapitän, und das ist Michael Wimmel." Mit persönlichen Anekdoten blickte er zurück auf die Geschichte des Vereins, die im Gasthaus "Zur Traube" ihren Anfang nahm. Der Zusammenhalt in Poppenroth, die Jugendförderung und der Wille zur Erneuerung seien drei ineinandergreifende Bausteine, sagte Dirk Vogel.

Die elektronischen Schießstände seien mit ihren vielfältigen Programmiermöglichkeiten attraktiv für Jugendliche, erklärte 2. Bezirksschützenmeister Uli Schmitt . Als Zuschussreferent vom Schützenbezirk Unterfranken sei er frühzeitig eingebunden gewesen. Ein weiteres Grußwort kam von 1. Schützenmeister Felix Purretat, der den Patenverein aus Zahlbach vertrat und die "schießsportlichen Rahmenbedingungen" lobte, die auf dem neuesten Stand und sicherlich ein Anreiz für jüngere Sportschützen seien. Gleichzeitig bedauerte er jedoch die Entwicklung, dass das gesellige Vereinsleben für Jugendliche allgemein offenbar nicht mehr so attraktiv sei.

Im Anschluss wurden die 16 elektronischen Stände im Kellergeschoß des Schützenheims durch Pfarrvikar Karl Feser ihrer Bestimmung übergeben. Dazu gab es ein Fest mit sportlichem Rahmenprogramm.

Die Schützengilde 1962 Poppenroth hat 180 Mitglieder, davon sind über die Hälfte aktive Sportschützen. Insgesamt sind acht Mannschaften für die Rundenwettkämpfe mit dem Luftgewehr und der Luftpistole gemeldet. Weitere vier Mannschaften nehmen an der sogenannten "Alters-Freundschaftsrunde" teil und außerdem verfügt die Schützengilde noch über zwei Bogenschützen-Teams. Der Kellerbereich unter dem Schützenheim beherbergt neben den neuen Schießstand auch einen Kleinkaliber-Stand und im Freien einen Bereich für den Bogensport.

Im neuen elektronischen Schießstand werden keine Zielscheiben aus Pappe verwendet, die nach jedem Schuss eingeholt, begutachtet und danach ausgewertet werde müssen. Auf die zehn Meter entfernten Ziele in einem "Lichtkasten" wird wie bisher mit Bleikugeln geschossen, jedoch wird der Treffer in den Kästen mittels Ultraschall von "Fahrkarte" (Fehlschuss) bis zum zentralen Treffer (10) ermittelt.

Insgesamt werden im Wettkampf 40 Schüsse in vier Runden abgegeben. Das Ergebnis eines jeden Schusses wird zeitnah auf einem Display am Standort des Schützen angezeigt und zudem im Auswertungsraum ausgewertet. Außerdem können im Gastraum die Ergebnisse verfolgt werden. Jeweils sechs Schützen nehmen an einem Wettkampf teil, wovon aber nur die vier besten Gesamtergebnisse gewertet werden.