Dem Staatlichen Bauamt gehen die Großprojekte in Bad Kissingen in nächster Zeit nicht aus - vor allem auf den Straßen. Gerade auf dem Stadtring steht in Zukunft einiges an Arbeit, Dreck, Baulärm und Behinderungen für Autofahrer an. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den westlich und südlich der Stadt gelegenen Ringabschnitten. Da ist zum einen der Garitzer Kreisel: Nach langem politischen Streit und jahrelanger Planung soll die Ampelkreuzung ab diesem Herbst nun endlich zum Kreisverkehr umgebaut werden. Parallel dazu wird der Westring ab der Garitzer Kreuzung bis zur Kreuzung Seehofstraße auf einem Kilometer Länge saniert und erhält in diesem Bereich einen straßenbegleitenden Radweg.

Sind diese Arbeiten abgeschlossen steht das nächste Millionen-Projekt an: Der Neubau der Südbrücke inklusive Erneuerung der Schlachthofkreuzung. Die Südbrücke wurde vor 67 Jahren errichtet und geht baulich auf ihr Lebensende zu. Rund 16 900 Fahrzeuge rollen täglich auf ihr auf der B 287 über die Saale (Wert von 2015). Das Staatliche Bauamt will sie durch ein neues Brückenbauwerk ersetzen.

Planer für Südbrücke beauftragt

Die Planungen für den Ersatzneubau sind angelaufen. Das Vorhaben sei sehr umfangreich und komplex. Eine europaweite Ausschreibung werde dafür benötigt. Anfang diesen Jahres hat das Staatliche Bauamt das Ingenieurbüro Konstruktionsgruppe Bauen AG aus Kempten beauftragt, die Planung zu erstellen. Derzeit erheben die Fachleute die Daten, die sie für die Vorplanung brauchen. "Es müssen die Planungsrandbedingungen erfasst und die an der Planung fachlich zu beteiligenden Dritten ermittelt werden", berichtet Nina Löhner, Pressesprecherin des Staatlichen Bauamts. Außerdem muss ein sogenannter Leitungsbestandsplan erstellt werden, der zeigt, wo sich Wasser-, Gas-, Strom- und Telekommunikationsleitungen befinden. "Dafür werden sämtliche Sparten bei den jeweiligen Spartenträgern abgefragt", erklärt sie.

Ergebnisse der letzten Prüfung liegen vor

Noch ist der Zustand der Südbrücke aber soweit in Ordnung, dass sich keine großen Einschränkungen für den Verkehr ergeben. Vergangenen Oktober hatten Statiker das Bauwerk unter die Lupe genommen, inzwischen liegen die Ergebnisse dieser Prüfung vor. "Das Bauwerk hat, wie auch schon bei der letzten Brückenhauptprüfung im Jahr 2017, die Zustandsnote 2,9 erhalten", teilt Löhner mit. Damit gilt ihr Zustand als noch ausreichend. In eine niedrigere Brückenklasse wurde sie bereits in den 1990er Jahren herabgestuft: Fahrzeuge bis 44 Tonnen Gewicht dürfen die Südbrücke befahren. Genehmigungspflichtige Schwertransporte müssen, bis der Ersatzneubau steht, jedoch Umwege in Kauf nehmen. Fahrzeuge zwischen 30 und 44 Tonnen Gewicht müssen beim Befahren Mindestabstände von 100 Metern einhalten.

Weiter Ampelkreuzung am Schlachthof?

Die Schlachthofkreuzung ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Großen Kreisstadt. Der Verkehr, der von Süden in die Stadt kommt - etwa von der A71 oder aus Richtung Schweinfurt - erreicht hier die Stadt und hat Anschluss auf den Stadtring beziehungsweise auf die B 286 Richtung Bad Brückenau, auf die B 287 Richtung Hammelburg sowie auf die B 287 nach Münnerstadt. "Die Kreuzung wird mit der Südbrücke erneuert", sagt Löhner. Noch ist nicht entschieden, wie die Schlachthofkreuzung geplant wird. Derzeit stimme sich das Staatliche Bauamt zur Planung mit der Stadt Bad Kissingen ab. In einer Stadtratssitzung 2018 hatten die Experten des Bauamtes sich allerdings schon recht deutlich gegen einen Kreisverkehr an der Stelle ausgesprochen. Aus Platzgründen sei das dort nicht möglich - auch wenn einige Stadträte einen Kreisel forderten. Sollte die Schlachthofkreuzung weiterhin eine Ampelkreuzung bleiben, so müsste die Kreuzungsgeometrie geändert und die Ampelsteuerung angepasst werden, erläuterten die Planer damals.

Zubringer zur A 71

Die "B 286 neu" steht zwar nicht im Zusammenhang mit dem Kissinger Stadtring, ist aber ein weiteres Mammutprojekt, welches das Staatliche Bauamt auf Kissinger Boden plant. Die B 286 neu soll sowohl als Autobahnzubringer Bad Kissingen besser an die A 71 anbinden, als auch Arnshausen und Eltingshausen vom Durchgangsverkehr entlasten und den Verkehr aus dem Arnshäuser Wasserschutzgebiet herausholen. Die Trasse für die B 286 neu soll nach der Bahnunterführung Arnshausen von der bisherigen Bundesstraße nach links abzweigen. Sie führt über eine 260 Meter lange und 20 Meter hohe Brücke das Lollbachtal zwischen Arnshausen und Reiterswiesen. Von dort geht es zum Umspannwerk Eltingshausen und nördlich um den Ort herum. An der Rottershäuser Kreuzung trifft sie auf die ehemalige B19 und führt zur Autobahnauffahrt Oerlenbach auf die A 71. Der Vorentwurf soll dieses Frühjahr beim Bundesverkehrsministerium zur Genehmigung eingereicht werden. Ein Baustart ist frühestens 2024 möglich.

Kreuzung Seehofstraße: Hier ist noch nicht entschieden, ob der Bereich zu einem Kreisverkehr umgebaut wird oder ob er eine Kreuzung bleibt. Das Staatliche Bauamt stimmt sich dazu aktuell noch mit der Stadt Bad Kissingen ab. Ziel des Staatlichen Bauamtes ist, "eine für alle Seiten zufriedenstellende und leistungsfähige Variante zu ermitteln". Die Entscheidung hat es jedoch nicht eilig. Die Priorität liegt laut Pressesprecherin Nina Löhner zu allererst auf dem Umbau der Garitzer Kreuzung und auf der Erneuerung des Westrings. Im Bereich Seehof wird der neue Radweg an den bestehenden Radweg Richtung Albertshausen angebunden.

Kreuzung Raiffeisenstraße: Hier ist kein Kreisel geplant, der Bereich bleibt auch nach der Sanierung eine Straßenkreuzung. Allerdings soll sie größer ausfallen. Das Staatliche Bauamt plant den Bau einer Linksabbiegespur mit ein. Zudem ist ein Fahrbahnteiler vorgesehen, damit Fußgänger an der Stelle sicher die Bundesstraße überqueren können.

Mit dem Schild "Unesco Stadt der Schlaglöcher" hatte ein Unbekannter schon im Jahr 2015 auf den schlechten Zustand des Westrings aufmerksam gemacht. Jetzt steht seine Sanierung endlich in den Startlöchern. Das betrifft den Abschnitt zwischen der Garitzer Kreuzung und dem Ortsausgang Garitz in Richtung Oberthulba. Der Straßenoberbau wird von Grund auf erneuert, außerdem entsteht parallel zum Ring der neue Radweg.

Garitzer Kreuzung: Die Garitzer Kreuzung wird zu einem Kreisel umgebaut. Erste vorbereitende Arbeiten am benachbarten Bolz- und Spielplatz haben bereits stattgefunden. In den kommenden Monaten wird im Kreuzungsbereich zudem noch ein altes Wohnhaus abgerissen. Die Arbeiten sollen diesen Herbst starten und - wenn alles nach Plan läuft - 2022 fertig sein. Im Bereich des Bolzplatzes liegen Hauptversorgungsleitungen für die Stadt in der Erde. Erste Aufgabe ist, diese zu verlegen, erst dann können die eigentlichen Straßenarbeiten losgehen. Neben dem Kreisverkehr errichtet das Staatliche Bauamt auch ein unterirdisches Regenrückhaltebecken und lässt ab dem Kreisel den Radweg entlang des Westrings beginnen. Die vorhandene Brücke an der Steinmauer wird ebenfalls saniert und für den Radweg verbreitert. Des Weiteren sind Stützkonstruktionen auf einer Länge von 200 Metern und einer Höhe von einem halben Meter bis eineinhalb Metern vorgesehen.

Der Zustand der Südbrücke ist zwar noch ausreichend, aber nicht mehr gut. Sie soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Die Schlachthofkreuzung muss in den nächsten Jahren ebenfalls saniert werden. Wie die Kreuzung einmal aussehen soll, steht noch nicht fest.

Kreuzung Erhardstraße: Als die Stadt die Sanierung der Erhardstraße plante, war auch einmal im Gespräch, die Kreuzung mit dem Ostring zum Kreisel umzubauen. Die Idee wurde jedoch nicht weiterverfolgt. Inzwischen sind die Arbeiten beendet und sowohl Erhardstraße als auch Kreuzung sind seit gut einem Jahr wieder vollständig für den Verkehr frei.