Der Bad Kissinger Orgelzyklus ist seit 28 Jahren eine Erfolgsgeschichte und bei der Zuhörerschaft sehr beliebt. Aus kleinen Anfängen entstanden, ist der Orgelzyklus aus dem kulturellen Angebot der Kurstadt nicht mehr wegzudenken. Mit rund zwölf Orgelkonzerten entführt er die Zuhörer in bekannte und unbekannte Klangwelten der Königin der Instrumente.


Zuhörer nicht überfordern

Von Stadtkantor Burkhard
Ascherl und seiner Ehefrau Brigitte organisiert und mit wechselnden hochgradigen Organisten durchgeführt, sind die Konzerte stets ein Garant für feinste Orgelmusik. So auch beim Eröffnungskonzert des 28. Kissinger Orgelzyklus in der Bad Kissinger Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche - mit dem Organisator selbst am Manual der Schuke-Orgel. Burkhard Ascherl ist ein Ass unter den Organisten. Das fängt an bei der Auswahl der Konzertliteratur, bei der er darauf achtet, dass der Organist qualitativ gefordert wird, die Zuhörer aber nicht überfordert werden. Dann erkannte man es auch an der brillanten Registrierung, nicht zu verschweigen bei seinem virtuosen Spiel, bei dem er mit ungeahnter Fingerfertigkeit über drei Ebenen (rechte Hand, linke Hand und Füße), teils mit gegenläufigen Melodien, die Orgel zum Jubilieren bringt. Das merkte man schon beim Entree mit Johann Sebastian Bachs freudigem "Praeludium und Fuge C-Dur BWV 547". Brillant intoniert bezauberte dieses Werk durch seine Vielfältigkeit genauso wie Wolfgang Amadeus Mozarts "Kirchensonate C-Dur KV 336". Ascherl zog dabei alle Register seines Könnens.

Lag im ersten Teil des Konzertes der Schwerpunkt auf Barock und Klassik, so war der zweite Teil der Romantik gewidmet. Hauptwerk des Abends war die virtuose "Grande pièce symphonique" von César Franck. Der Anfang wirkt im Wechsel von tiefer und hoher Lage recht plastisch gegensätzlich.


Besondere Betonung

Das erste Achtelmotiv bekommt eine besondere Betonung durch Begleitakkorde, die synkopisch in Viertel gehalten sind. Eine melodiöse Floskel beendet den Einleitungsteil und führt zu einem verminderten Akkord, der das allegro non troppo e maestoso eröffnet, mit dem anschließend intonierten Hauptthema.


Verschiedene Stimmen

Dieses markante Zitat wirkt kräftig verarbeitet, erscheint in den verschiedensten Stimmen und besonders die Intervallspannung der ersten drei Töne wird gesondert zur motivischen Arbeit verwendet. Doch auch dieser Satz lässt einen melodiösen Gegensatz zum Thema erklingen und sogar das bei der Einleitung zitierte Motiv kehrt wieder. Andante, ein ruhiger Satz, der ins Allegro überleitet.

Zu erregten Begleitfiguren treten kleine Motive, bis sich, erst im Bass, dann als Antwort im Sopran, ein Thema cantando heraushebt. Der Schlussteil vereinigt, fast rezitativisch, in seiner Einleitung die Mehrzahl der bisher verwendeten Themen und Motive, vor allem aus dem Eingangsteil, dem Allegro non troppo und aus dem Andante. Dann erklingt das Hauptthema krönend in den Oberstimmen, in vollgriffige Akkorde gesetzt, über Skalenfiguren des Basses.


Ascherl brilliert

Der so gewonnene Impetus wird gehemmt durch ein etwas profil-armes Fugato, das überflüssigerweise noch eingesetzt und mit einigen Längen zum Schluss führt. Burkhard Ascherl zeigte auch hier die von ihm gewohnte Raffinesse, Spielfreudigkeit und Brillanz.


Sahnehäubchen

Ein äußerst gelungener Auftakt zum diesjährigen Kissinger Orgelzyklus, den die Zuhörer mit begeistertem Applaus belohnten. Mit der weltberühmten und überaus anspruchsvollen "Toccata" aus der Orgelsinfonie Nr. 5 F-Moll op. 42, 1 von Charles-Marie Widor setzte Burkhard Ascherl dem Konzert mehr als nur ein "Sahnehäubchen" auf. Allein für die Zugabe hätte sich der Besuch des beeindruckenden Konzertes schon gelohnt.