Kämpferisch gab sich Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) während des Neujahrsempfangs der Stadt. Bad Kissingen habe 2014 zwar ein Jahr des Abschieds erlebt - vom abgerissenen Kurhaushotel bis zum verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeister Georg Straus. Trotzdem befinde sich die Stadt im Aufbruch: Die Stadtbevölkerung schrumpft nicht, sondern wächst, es gibt ausreichend Kita-Plätze, die Unesco-Weltkulturerbe-Bewerbung läuft und der Freistaat investiert
insgesamt 70 Millionen Euro in die Zukunft des Staatsbades. Bad Kissingen gehe nach vorn. Blankenburg: "Ich bin für die Bagger und die Kräne. Ich will sie in der Stadt sehen und zwar möglichst viel."

Die angespannte Finanzlage wurde auch angesprochen: "Wir müssen den Mangel verwalten und können nur absolut notwendige Dinge tun", sagte Blankenburg. Dazu gehörten leider auch schmerzhafte Entscheidungen, wie den Alten Reitersteg abzureißen. Trotzdem sei Bad Kissingen in der Lage, sich "einen bunten Strauß" zu leisten. Vom Kissinger Sommer über die Kuranlagen, bis zum Freibad. "Welche 21 000 Einwohner-Stadt hat das schon?"

Der zweite Teil des Abends stand unter dem Thema Chronobiologie. Professor Till Roenneberg vom Institut für medizinische Psychologie der Uni München erklärte den rund 400 Gästen, wie deren innere Uhr tickt. Er erklärte, dass es biologische Gründe gibt, eine Nachteule oder ein Frühaufsteher zu sein. Weil die Menschen je nach Typus zu unterschiedlichen Tageszeiten bessere oder schlechtere Leistungen bringen, müssten die Arbeitszeiten in unserer Gesellschaft flexibler gehandhabt und etwa beim Schichtdienst berücksichtigt werden.

Für eine Kurstadt wie Bad Kissingen ergeben sich Anknüpfungspunkte an die chronobiologische Forschung. Es sei wichtig "die innere Uhr in medizinische Maßnahmen mit einzubeziehen", sagte Roenneberg auf Nachfrage. Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf und auch Medikamente müssten unterschiedlich dosiert werden, weil die Wirkung leicht variiert.

Der Vortrag des Chronobiologen kam beim Publikum überwiegend gut an. "Ich fand das sehr interessant, weil wir auch im Schichtdienst arbeiten", sagte etwa der Bad Kissinger Polizeichef Stefan Haschke und überlegt, wie er die Diensteinteilung verbessern könnte.


Thomas Heinrich, Kidro

Wie geht die Kidro das Jahr 2015 an? "Wir sind auf jeden Fall optimistisch, sonst könnten wir unsere Arbeit gar nicht schaffen", sagt Geschäftsführer Thomas Heinrich. "Wir gehen jeden Tag neu an." Zu tun hat der Sozialverein genug. "Wir bringen uns im Moment stark für die Asylbewerber ein."

Ludwig Büchner, König Ludwig III

"Ich finde, es war eine angenehme Atmosphäre und ein sehr kurzweiliger Abend", sagt der Rakoczy-Darsteller von König Ludwig III. "Die Rede von Professor Roenneberg hat zum Denken angeregt, um unseren Tagesablauf aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen."

Ana Maria Benevides Werner, Integrationsbeirat

"Den Vortrag des Professors fand ich sehr gut. Man versteht besser, wie der Körper funktioniert", sagt die Vorsitzende des Integrationsbeirates. Die Stimmung auf dem Neujahrsempfang war okay, dennoch hat ein Thema gefehlt. "Ich finde es schade, dass nichts zu den Asylbewerbern gesagt wurde."

Thomas Keßler, Dekan

Der Dekan stimmt der engagierten Ansprache des Oberbürgermeisters zu. "Ich finde den Gedanken von OB Blankenburg gut. Man darf nicht alles kaputt reden", sagt er. "Das ist nicht nur ein städtisches Problem, das gibt es leider in vielen Bereichen oft genug."