Zum Abschluss der Postkutschensaison haben sich die Repräsentanten des vor 15 Jahren gegründeten Fördervereins getroffen. Trotz massiver Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie war man mit dem Ergebnis zufrieden: In der um zwei Monate verkürzten Saison wurde die gewohnte Auslastung von 95 Prozent erreicht. An den fast 70 Verkehrstagen wurden etwa 550 Passagiere zwischen Bad Kissingen und Bad Bocklet oder Schloss Aschach befördert.

Normalerweise beginnt die Postkutschen-Saison gegen Ende April. Heuer war dies wegen Corona unmöglich. "Es war ein turbulentes Jahr, Corona hat uns sehr beschäftigt", meinte deshalb Bad Kissingens dritter Bürgermeister Thomas Leiner (CSU) in seiner neuen Funktion als Vorsitzender des Vereins "Freunde der Postkutsche" im Rückblick auf den verzögerten Saisonbeginn.

Dem Verein gehören neben Bad Kissingen der Bezirk Unterfranken, der Landkreis, der Markt Bad Bocklet sowie die Staatsbad und Touristik Bad Bocklet GmbH und die Staatsbad Bad Kissingen GmbH an. Die Deutsche Post hatte ihre Mitgliedschaft zum Dezember 2018 gekündigt. "Auf der Kutsche steht zwar noch Post drauf, aber die Post ist seit zwei Jahren nicht mehr drin", erlaubte sich der stellvertretende Landrat Thomas Müller einen augenzwinkernden Seitenhieb. "Wir tragen das Posthorn eben allein weiter." Die sechs verbliebenen Mitglieder übernahmen den Förderanteil der Post jeweils prozentual, um den Erhalt der Postkutsche als entschleunigendes Verkehrsmittel und eines der bei Touristen begehrtesten Fotomotive der Region zu sichern.

Erst mit zweimonatiger Verspätung konnte die Kutsche endlich am 2. Juli ihren regelmäßigen Dienst aufnehmen. Wie immer durften maximal neun Personen mitfahren, aber alle mussten während der Fahrt Gesichtsmasken tragen. "Es hat niemals Ärger deshalb gegeben", versicherte Postkutscher Hans Körner auf Nachfrage. Waren die Fahrgäste aus demselben Haushalt, durften sie auf Masken verzichten. Jeweils donnerstags und samstags ging es von Bad Kissingen zum Schloss Aschach, freitags und sonntags nach Bad Bocklet.

Wie in früheren Jahren waren fast alle Fahrten ausgebucht, so dass der finanzielle Verlust sich in überschaubaren Grenzen hielt. In den ausgefallenen Monaten Mai und Juni liefen allerdings die Fixkosten trotz fehlender Einnahmen weiter. "Die Pferde mussten versorgt und bewegt werden", nannte der neue Vereinsgeschäftsführer Thomas Beck ein Beispiel. Auch die Miete für das als Pferdestall im Hof der Unteren Saline aufgestellte Zelt der Stadt Bad Kissingen war zu zahlen.

Außergewöhnlich für den Verein war in diesem Jahr der personelle Wechsel an der Spitze. Nach über 30 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit für die Postkutsche und seit 15 Jahren im 2005 gegründeten Förderverein übergaben Werner Scheller als Vorsitzender und Wolfgang Wimmel als Geschäftsführer ihre Ämter an ihre Nachfolger. Neuer Vorsitzender wurde Thomas Leiner, dritter Bürgermeister der Stadt Bad Kissingen. Die Geschäftsführung wurde mit den beiden Geschäftsleitern der Stadt Bad Kissingen und des Marktes Bad Bocklet, Gerhard Schneider und Thomas Beck, gleichberechtigt besetzt.

Die neue Vereinsführung hat nicht nur die Fortführung dieses traditionsreichen und beliebten Verkehrsmittels beibehalten. "Wir wollen auch Neues versuchen", kündigte der Vorsitzende an und nannte zwei Beispiele: Fahrten nach Bad Bocklet und Aschach will man ab kommenden Jahr alternativ auch einschließlich Museumseintritt als Paket verkaufen. Leiner: "Wir wollen damit den Bezirk und das generalsanierte Schlossmuseum unterstützen." Außerdem will der Verein die Postkutsche an dienstfreien Tagen verstärkt Firmen oder Vereinen, privaten Gruppen oder Familien für individuell zu gestaltende Charterfahrten anbieten.