Der Neubau der Henneberg-Grundschule beschäftigt die Verantwortlichen in der Schule und im Rathaus schon eine ganze Weile. Die drei Schulhäuser in Garitz, Reiterswiesen und Arnshausen sind in die Jahre gekommen, der Investitionsbedarf ist entsprechend groß. Vor allem bedeutet der Unterrichtsalltag einer Schule, die sich auf drei Standorte verteilt, für Schulleitung, Lehrer und Schüler einen großen Aufwand. Die Stadt plant deshalb, die Schule neu zu bauen und die drei Standorte in Garitz in einem Schulhaus zusammenzuführen.

Rektor Bernd Czelustek betont: "Aus pädagogischer Sicht ist der Neubau höchst notwendig." Aktuell ist die Schule gezwungen, ihre Ressourcen aufzuteilen. Das führt dazu, dass manches zu kurz kommt. Als Beispiel nennt Czelustek Förderunterricht etwa für Kinder, die in Deutsch zusätzliche Hilfe brauchen. Dieser Förderunterricht findet in allen Schulhäusern statt, vieles von den Stundenkapazitäten der Lehrkraft bleibt dabei auf der Straße liegen. In einem zentralen Neubau würden die Stunden hingegen vollständig für den Unterricht verwendet.

11,5 Millionen Euro Zuschüsse eingeplant

Inzwischen laufen die Planungen für den Neubau. 2019 hat der Stadtrat bereits den Schulsprengel mit Blick darauf geändert, er hat den künftigen Standort für die Henneberg-Grundschule im Bereich Riedgraben und Seestraße beschlossen und hat auch die Frage diskutiert, was mit den alten Schulhäusern passieren soll.

Dabei steht noch nicht endgültig fest, ob der Neubau überhaupt realisiert wird. Um das Projekt zu finanzieren, ist die Stadt dringend auf staatliche Zuschüsse angewiesen. Im aktuellen Haushalt plant die Verwaltung mit 18,6 Millionen Euro Gesamtkosten, wobei rund 11,5 Millionen Euro Fördermittel einberechnet sind. Wie Bauamtsleiterin Christine Schwind berichtet, muss die Stadt der Regierung von Unterfranken erst noch eine plausible Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen.

Was ist Besser: Sanierung oder Neubau?

"Wir müssen uns eine Generalsanierung für alle drei Standorte anschauen. Die Generalsanierung muss 80 Prozent der Kosten oder teurer sein, im Vergleich zu dem Neubau", erklärt sie. Das wären bei den genannten Summen rund 14,9 Millionen Euro und mehr. Sprich: Kostet die Sanierung der drei Schulhäuser mehr, wird sie bezuschusst, ist sie günstiger, gibt es keine Gelder. Schwind geht jedoch davon aus, dass der Neubau die wirtschaftlich sinnvollere Lösung sein wird. "Das wird wahrscheinlich so sein, aber wir müssen es genau rechnen. War hatten bereits im Vorfeld eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gemacht. Da lagen wir schon in dem Bereich um 80 Prozent", sagt sie. Diese erste Berechnung reicht für das Förderverfahren jedoch nicht aus.

Um zu beurteilen, ob ein Neubau oder eine Generalsanierung wirtschaftlicher sind, müssen die Kosten exakt gegenübergestellt werden, erklärt Johannes Hardenacke, Sprecher der Regierung von Unterfranken. Das gilt allgemein bei kommunalen Bauvorhaben. Eine Generalsanierung muss das Gebäude auf einen Zustand bringen wie ihn auch ein Neubau hätte und muss es so herrichten, dass es den künftigen Anforderungen gerecht wird. Um eine Entscheidung zu treffen, verlangt die Regierung einen "aussagekräftigen Erläuterungsbericht", der die Mängel und Schäden auflistet und der erklärt, welche Sanierungsmaßnahmen nötig sind. Es braucht entsprechende Planunterlagen wie Grundrisse und Ansichten sowie eine nachvollziehbare Kostenzusammenstellung.

Berechnung für jedes Schulhaus nötig

Bad Kissingens Bauamtschefin fasst den Zustand der drei Schulhäuser zusammen: "Im Prinzip müsste man die Gebäude entkernen und den Innenausbau neu machen." Haustechnik und Leitungen gehören erneuert, ebenso bräuchte es neue Fenster und Wärmedämmung.

Die Stadt muss einen enormen Aufwand für eine Planung betreiben, die sie aus ihrer Sicht hoffentlich nie braucht. Aktuell sucht das Bauamt ein Architekturbüro, das die Sanierung für jedes der drei alten Schulhäuser durchrechnet. Zeitgleich legt das Bauamt die Grundlagen für die neue Schule. "Wir sind bei der Planung noch am Anfang, in der Grundlagenermittlung. Das kann aber parallel laufen. Wir versuchen so, nicht zu viel Zeit zu verlieren", erläutert Schwind. Für den Neubau muss ein Raumprogramm ermittelt werden, es braucht ein pädagogisches Konzept, außerdem muss die Stadt noch baurechtliche Änderungen für den geplanten Standort vorbereiten. Das geschieht derzeit.

Gibt die Regierung ihr Okay, kann die Stadt den Schulneubau ausschreiben und sich einen Architekten suchen, der die konkrete Planung übernimmt.

Bis die Bagger rollen, müssen sich Bernd Czelustek, die Lehrer und Schüler noch gedulden. Dabei hat der Rektor schon konkrete Vorstellungen, was das neue Schulhaus angeht. "Wir wollen kein Traumschloss, sondern eine praktische Schule, in der es sich gut arbeiten lässt", sagt er. Durch die Änderung des Schulsprengels ab dem kommenden Schuljahr wird der Einzugsbereich der Henneberg-Grundschule vergrößert. 16 Klassen, jeweils vier pro Jahrgangsstufe, müssen in dem Neubau unterkommen, plus entsprechende Fachräume und Ganztagesbereich.

Ein offenes Unterrichtskonzept findet Czelustek wenig ansprechend, er tendiert eher zu sogenannten Clustern. Das heißt, dass die Klassenverbände erst einmal für sich bleiben, wobei jede Jahrgangsstufe im Schulhaus einen eigenen Bereich erhält Zudem könnte es einen Bereich als offene Lernlandschaft geben, in dem sich die Klassenverbände auch mischen. "Wir möchten ein möglichst flexibles Konzept", sagt Czelustek.

Des Weiteren hat der Stadtrat bereits beschlossen, dass es an dem Neubau eine Doppelturnhalle geben soll, die die Schule und Vereine nutzen können.

Die Aufteilung auf drei Schulhäuser bisher hatte den Vorteil, dass der Schulalltag familiär gestaltet war. Größere Schulen bedeuten dagegen mehr sozialen Stress für die Kinder. "Eine Herausforderung bei der neuen Schule wird sein, sie so zu planen, dass der soziale Stress nicht zu groß wird", sagt der Rektor. Auch er geht davon aus, dass es der Neubau finanziell die bessere Lösung ist. Er freue sich darauf, die Schule erst mitzuplanen und später mit Leben zu füllen.