Mohammad Al Rebdawi steht in der Küche: Aktuell macht er ein Praktikum im Dorint. Seine Frau kümmert sich um das jüngste der vier Kinder, es ist im April zur Welt gekommen. Viel Leben tobt in der Wohnung im Würzburger Hof, in dem die Familie seit Februar lebt. Noch zwei weitere Familie aus Syrien und eine alleinerziehende Mutter aus Afghanistan wohnen im Haus. Die Wirtsleute Werner und Evelyn Kirchner kümmern sich um sie, als seien es die eigenen Kinder.


Im Würzburger Hof seit 1992

Den Würzburger Hof hat das Ehepaar im Jahr 1992 übernommen. Im Jahr 2010 übernahm ihr Sohn Sascha das Gasthaus, doch die beiden helfen nach ihren gesundheitlichen Möglichkeiten. Die Aufnahme von Flüchtlingen hatten sich die Kirchners gut überlegt. "In den letzten zwei Jahren haben im Umkreis von 20 Kilometern mindestens 18 Gaststätten zugemacht", berichtet Werner Kirchner. Die Vermietung der Wohnung an den Landkreis Bad Kissingen ist so zum zweiten Standbein geworden. Die Gaststube bleibt weiterhin geöffnet: wochentags zwar nur nach Anmeldung, am Wochenende aber nach wie vor zu den regulären Zeiten.

Die Kirchners haben Helfer - für den Deutschunterricht, Fahrten, die Betreuung der Schul- und Kindergartenkinder. Auch einige Ausflüge haben die inzwischen als subsidiär schutzbedürftig anerkannten Asylbewerberschon unternommen. Dennoch bleibt für die Kirchners viel zu tun: Sie begleiten den ersten Tag im Kindergarten genauso wie Termine bei Behörden.

Aktuell halten die Wirtsleute nach Wohnungen Ausschau. "Sie wollen alle in Wildflecken bleiben, wenn sie eine Arbeit finden", sagt Werner Kirchner. Mohammed Al Rebdawi würde gern ein kleines Häuschen mieten, die Familie hat vier Kinder. Doch das ist gar nicht so leicht.


Landratsamt reagiert flexibel

Die Wohnungssuche für anerkannte Asylbewerber ist nicht nur in Wildflecken ein Thema. Viele Vermieter haben Sorge, sich auf Asylbewerber einzulassen, berichtet Stefan Seufert. Der Asylkoordinator am Landratsamt Bad Kissingen hat bei der Suche nach Unterkünften vermittelt und auch in Wildflecken viele Fragen beantwortet. "Wir kriegen aktuell keine Neuzuweisungen im Landkreis", schildert er die Situation.

Ob die Unterkunft in Wildflecken im Februar, ein Jahr nach der Ankunft der ersten Familie, schließen wird, kann er noch nicht sagen. Für anerkannte Asylbewerber gilt Residenzpflicht. Das heißt, dass sie in Bayern bleiben müssen. Bis Wohnraum gefunden wird, können die Familien noch im Würzburger Hof bleiben. Auch in anderen Unterkünften im Landkreis wird das so gehandhabt. Wie es langfristig mit dem Gasthaus weitergeht, ist noch nicht klar: Über eine Verlängerung der Mietzeit entscheidet das Landratsamt monatlich, erklärt Seufert.

Dass die zusätzlichen Einnahmen durch die Vermietung an den Landkreis nun einen neuen Anstrich möglich machen, freut sie. Wie es mit dem Gasthaus und seinen Bewohnern weitergeht, bleibt offen. Werner Kirchner jedenfalls ist froh, dass alle drei Familienväter eine Praktikumsstelle gefunden haben: Mohammed im Dorint, Senan bei einem Malerbetrieb in Bischofsheim und Machmoud im Bauhof des Markts Wildflecken.

Der Artikel wurde am 15. September nachträglich geändert.