"St. Kilian und St. Jakobus", gerade neu gebaut, weihte in Oberwildflecken 1966 der damalige Weihbischof Alfons Kempf. Da konnte niemand ahnen, dass das schmucke Gotteshaus noch vor seinem 50. Geburtstag abgerissen werden würde. Die beauftragte Firma Kerscher (Hunderdorf) hat ihren Auftrag nahezu erfüllt. Nur noch ein Berg von Bauschutt und Sandsteine der Grundmauer sind von der Kirche übrig.
Sechs Jahre hatte der damalige Pfarrer und Ehrenbürger von Wildflecken, Otto Denk, um eine Kirche in Oberwildflecken kämpfen müssen. "Viele Gespräche waren unter anderem mit der Standortverwaltung und der Wehrbereichsverwaltung notwendig", berichtete er bei der Einweihung. Nach einer zweijährigen Bauzeit konnte die Kirchweihe erfolgen.

Ein Neubau war dringend notwendig, da die Gottesdienste jahrelang in einem zur Notkirche umgestalteten Raum gefeiert wurden. Der Neubau der Kirche wurde auf den Fundamenten und Mauerresten eines Gebäudes der ehemaligen Munitionsanstalt durch die Firma Edwin Abert (Oberweißenbrunn) errichtet. Die Pläne stammten von dem Schweinfurter Architekten Emil Mai. Von ihm wurden auch die Entwürfe für die Eichenholz-Kirchenbänke gefertigt. Eine Besonderheit war das spitze Kirchenschiff ohne Zwischendecke mit einer Höhe von zirka 15 Metern. Eine interessante Lösung fand der Architekt für die Konstruktion der Empore als Standort der Orgel. Altar, Ambo und Sakramentshaus wurden aus fränkischem Muschelkalk gefertigt. Dass die Kirche für 500 Besuchern dimensioniert war, lag auch daran, dass sie auch von der damals in der Rhönkaserne Oberwildflecken stationierten Bundeswehr bei ihren Vereidigungsfeiern der Rekruten und sonstigen Veranstaltungen als Militärkirche den Raum bieten sollte. Wie Pfarrer Florian Judmann bei der Profanierung (Entweihung) der Kirche 2013 mitteilte, wurde bewusst auf einen großen Festgottesdienst für dieses Ritual verzichtet, da das Betreten der Kirche nur noch auf eigene Gefahr möglich war.

Kapelle mit 50 Sitzplätzen

Die Reliquien, die aus dem Altar entnommen wurden, sind zunächst im Bischofshaus in Würzburg aufbewahrt. Ob sie oder neue Reliquien in einer neuen Kapelle eine neue Heimat finden, ist offen. Anstelle des zurückgebauten Gotteshauses ist der Neubau einer kleineren Kapelle mit etwa 50 Sitzplätzen geplant. Die Planung, Kostenschätzung und Finanzierung werden von der Diözese in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Architekten Michael Kirchner (Oberbach) erstellt. Sobald die Entwurfsplanung, die sich in Bearbeitung befindet, fertig gestellt ist, werden diese der Öffentlichkeit vorgestellt sowie der Kirchenverwaltung und Gemeinde zur abschließenden Beratung übergeben. Es ist der Wunsch von Pfarrer und Kirchenverwaltung, dass mit dem Neubau zeitnah begonnen wird.

Gegenstände aus der ehemaligen Kirche, die in der künftigen Kapelle nicht benötigt werden bzw. nicht passend sind, werden an andere Kirchen weitergegeben. Die Orgel soll gegen eine kleinere getauscht werden. Die vorhandenen Glocken, die St. Kilian, St. Jakobus, St. Josef und der Jungfrau Maria geweiht sind, werden wahrscheinlich in Zukunft wieder die Gläubigen zum Gottesdienstbesuch in die neue Kapelle rufen. Die von Regina Neisser gestiftete Mutter-Gottes-Statue und die im Eingangsbereich stehende Pieta werden ebenfalls in der neuen Kirche wieder ihren Platz finden. Ob der große Taufstein in die Kapelle integriert werden kann, ist noch offen. Nicht "gerettet" werden konnte das über die gesamte Giebelwand reichende Altargemälde, das Jesus und die zwölf Apostel beim Abendmahl zeigte. Das Gemälde stammte von dem 1993 gestorbenen Kunstmaler Willi Götz aus Rimbach. Vom Altargemälde und allen weiteren sakralen Gegenständen wurden aber professionelle Fotos für das Gemeindearchiv erstellt.

Nicht finanzierbar

Trotz aller Bemühungen waren die Unterhaltskosten der Kirche und die notwendigen finanziellen Mittel für eine dringend notwendige Renovierung von der Kirchengemeinde nicht mehr aufzubringen. Nach langen Beratungen und Überlegungen haben sich Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat 2011 schweren Herzens auch aus bautechnischen Gründen dafür entschieden, das Gotteshaus zu schließen. Die immensen Heizkosten waren der Hauptgrund, dass die Kirche seit 2005 im Winter geschlossen wurde. Seit dieser Zeit werden die Gottesdienste im ehemaligen Schulungsraum der "Euroschulen" gefeiert. Auf diese schwierigen, nicht länger zumutbaren, Umstände wurde Bischof Friedhelm Hofmann 2008 bei seinem Besuch der "Pfarreiengemeinschaft Oberer Sinngrund" sowie 2011 bei seiner offiziellen Gemeindebesichtigung eingehend informiert. Alle meinten, dass hier dringend Änderungen notwendig seien.

Viel zu groß

Nach dem Bundeswehr-Abzug 1995 aus der Rhönkaserne war das Gotteshaus für die kleine Oberwildfleckener Gemeinde mit zirka 450 Einwohnern viel zu groß. Vom Pfarrgemeinderat wurde immer wieder versucht, die Kirche auch für andere Projekte zu nutzen. So war sie ökumenischer Versammlungsraum, Anlaufpunkt in den Zeiten der Aussiedleransiedlung und ein Ort für große Anlässe wie Erstkommunion, Konfirmation, Firmung, Hochzeiten, Christmetten und Primizfeiern.

Anfangs der Mittelpunkt

In der ersten Phase der "Pfarreiengemeinschaft Oberer Sinngrund" war sie als größtes Kirchengebäude der Mittelpunkt. Auch zu kulturellen Veranstaltungen wurde die Kirche genutzt. Es gab Überlegungen, neben anderweitigen Nutzungsmöglichkeiten in ihr eine Urnenbegräbnisstätte einzurichten, um das Fortbestehen des Gebäudes zu sichern. Dazu dienten auch die Umgestaltungen der letzten Jahre im Innenbereich, die liturgische Feiern mit unterschiedlichen Gemeinden ermöglicht hatten. Das freie Kirchen- und Kindergartengrundstück wurden der Gemeinde überlassen, um ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Pläne zur Schaffung eines Ortsmittelpunktes verwirklichen zu können.