Zu sehen ist er eher selten, doch wer in den Abend- oder Nachtstunden am Waldrand unterwegs ist, kann jetzt seine sagenumwobenen Rufe hören: der Waldkauz, häufigste Eulenart in der Rhön. Der Nachtvogel und seine Verwandten, die wesentlich selteneren Rauhfuß- und Sperlingskauze, brauchen für ihren Lebensraum sogenannte Biotopbäume. "Das sind lebende Bäume mit Aushöhlungen, in denen die Zersetzung alle Phasen ständig durchläuft", erklärt Joachim Urban von den Bayerischen Staatsforsten.


Alte Bäume stehen lassen

In seinem Revier rund um Oberbach und Bad Brückenau werde sehr darauf geachtet, trotz des wirtschaftlichen Aspektes auch Lebensräume für Tiere zu erhalten. "Natürlich ist das ein Spagat", bestätigt Urban den Zwiespalt. Denn der Wald hier um Oberbach ist ein ausgewiesenes Vogelschutzgebiet (SPA) mit besonders vielen und schützenswerten Arten. Das SPA-Schutzgebiet hat das Ziel, heimische Vogelarten durch Schutzmaßnahmen und Wiederherstellung ihres Lebensraumes in ausreichender Größe und Vielfalt zu erhalten, schreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt auf seiner Homepage. Und die Staatsforsten sind diesen Richtlinien verpflichtet.

"Deshalb ist es wichtig, dass alte Bäume im Wald stehenbleiben, die sowieso keinen messbaren Ertrag geben würden", ergänzt Dieter Fünfstück vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Die Forstverwaltung gehe mittlerweile sehr sensibel mit dem Thema um und unterstütze den Vogelschutz, bestätigt Vogelkenner Fünfstück Urban. Die letzten Jahre haben sich dahingehend viel verändert. Gefährdet sei der Nachtjäger zwar nicht, doch die zunehmende Kultivierung engt seinen Lebensraum ein.


Schleiereule selten zu sehen

"Deshalb ist es auch für private Waldbesitzer wichtig zu wissen, dass Altholz durchaus seinen Nutzen hat und vielen Tierarten einen Lebensraum bietet", sagt Fünfstück. Eben darauf möchten Naturschutzbund (NABU) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2017 aufmerksam machen. Denn neben Waldkauz gibt es noch einige weitere Eulenvögel in der Region, die weitaus gefährdeter sind (siehe unten). "Die Schleiereule beispielsweise, deren Bestand ziemlich zusammengebrochen ist", sagt Daniel Scheffler, LBV Kreisgruppenvorsitzender Rhön-Grabfeld.

"Die Bayerische Rhön gehört zu den drei Vogelschutzgebieten mit den meisten Schutzgütern", sagt Urban, 26 gemeldete Arten seien hier heimisch, davon auch der seltene Grauspecht, der ein Urwaldzeiger ist. "Aber wenn man den Waldkauz betrachtet, dann dreht sich alles um die Population des Schwarzspechtes", beginnt Urban seine Erklärung. Die Spechte bauen Höhlen, die sie irgendwann verlassen. Diese Höhlen werden von den kleineren Eulenarten als Nistplatz genutzt und schließlich vom größeren Waldkauz. "Alles hängt zusammen", schließt Urban.


Hohe Standorttreue

"Der Waldkauz hat eine hohe Standorttreue, die ihm eine genaue Ortskenntnis ermöglicht. Dadurch kennen sie sämtliche Verstecke und Nahrungsquellen sehr gut", sagt Scheffler. Auch harte Wintermonaten wie der letzte könne er daher gut überstehen. nJetzt hat die Balz der Eulenvögel begonnen. Deshalb und zur Revierabgrenzung rufen sie mit ihren - manchmal schaurig klingenden - Rufen durch die Nacht. Schon bald werden die Käuze ihre Eier ablegen, je nach Witterung im Februar oder März. "Doch bei widerkehrender Kälte gehen seine Aktivitäten zurück", sagt Fünfstück. Die Bevölkerung und die Privatwaldbesitzer für den Erhalt der Biotopbäume zu sensibilisieren, das sei das Wichtigste.


Hintergrund: Eulen in der Rhön

Arten Neben Waldkauz leben sechs weitere Eulenarten in der Rhön: Uhu, Waldohreule, Rauhfußkauz, Steinkauz, Sperlingskauz, Schleiereule sind hier - je nach Landschaftsbild - vertreten. Der Uhu lebt beispielsweise in Steinbrüchen. Der Waldkauz ist vor allem in Laub- und Mischwäldern mit angrenzenden Waldrändern, Lichtungen und Feldern zuhause. Der Bestand der Schleiereule ist allerdings stark zurückgegangen.

Waldkauz Nach 29 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen des Waldkauzes - bis zu vier Eier legt ein Weibchen, und nur etwa die Hälfte überlebt das erste Lebensjahr. Etwa im Mai verlassen die Jungen dann das Nest und werden den ganzen Sommer über von ihren Eltern gepflegt, bis sie zur Balzzeit im Herbst aus dem heimischen Nest vertrieben werden.

Quelle: Landesbund für Vogelschutz