Viele Schondraer treffen die Menschen aus Osteuropa und dem Irak auf der Straße oder beim Einkauf beim Bäcker. Dabei bleiben viele Fragen: Was wollen diese Menschen hier? Woher kommen die überhaupt? Warum haben sie ihre Heimat verlassen? Grund genug um im Rahmen eines Seniorennachmittags der Pfarrei St. Anna Schondra diesen Fragen nachzugehen.

Diakon Horst Conze informierte die interessierten Senioren aus Schondra, Singenrain und Schönderling zunächst über die rechtlichen Hintergründe des Asylrechts. Demnach hat jeder, der wegen seiner politischen oder religiösen Ansichten in seiner Heimat verfolgt wird, ein Recht auf Asyl. In einem Asylverfahren über mehrere Monate müsse geklärt werden, ob die Flüchtlinge wirklich Anspruch auf Asyl haben. Derzeit, erkärt Diakon Conze, werde der überwiegende Teil der Asylanträge abgelehnt. Daneben nehme die Bundesrepublik - gerade während des Krieges in Syrien - auch Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention auf.

Zukunft ist völlig ungewiss

Besonders interessant war für die Zuhörer, als eine Familie aus dem Kosovo ihren Weg nach Deutschland schilderte. Der Mann war zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren Ende November nach Deutschland eingereist. Sie kommen aus Priština, der Hauptstadt des Landes. Der Vater arbeitete dort als Busfahrer und hatte auch einen kleinen Vertrieb für Autoreifen.

Kämpfer der islamischen Terrorgruppe ISIS würden zunehmend in den Kosovo eindringen um Gelder für ihre Organisation zu erpressen, erzählte er. Er selbst sei mehrmals aufgefordert worden als Muslim hohe Geldbeträge an ISIS zu spenden. Dann habe man versucht, seine älteste Tochter zu entführen. Aus Angst um seine Familie habe er das Land verlassen und sei über die zentrale Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Zirndorf nach Schondra vermittelt worden. Ob sein Antrag auf Asyl oder auf Schutz als Flüchtling vor der ISIS anerkannt wird, sei aber völlig ungewiss, sagte der Familienvater.

Christen in Mossul gebrandmarkt

Schwieriger ist die Situation einer anderen Familie aus Mossul im Irak. Ende Oktober traf diese Familie - zwei Brüder zusammen mit ihrer Mutter - in Schondra ein. Als syrisch-katholische Christen wurden sie durch die Terrormilizen der ISIS schikaniert und bedroht.

"Die ISIS hat auf unsere Häuser mit gelber Farbe den arabischen Buchstaben N für Nazarener geschrieben", berichtet einer der Brüder. Die Araber bezeichnen Christen als Nazarener. Die ISIS habe dann systematisch alle Christen aus Mossul verjagt. Ihre Angehörigen leben in einem Flüchtlingslager im Süden des Irak. Eine Rückkehr sei derzeit nicht möglich, deshalb bestehe auch die Möglichkeit, dass die Bundesrepublik die Familie als Flüchtling aufnehme, bis die Situation im Irak sich gebessert habe.

Ehrenamtliche gibt Deutschkurs

Die Schondraer versuchen die Asylbewerber und Flüchtlinge zu unterstützen, betonte Diakon Horst Conze. So habe er in den Wintermonaten warme Kleidung und Schuhe von Spendern erhalten, die er an die Menschen aus Osteuropa und dem Irak weitergegeben habe. Wichtigster Baustein in der Unterstützung sei aber der Deutschkurs, der seit drei Monaten von Monika Beck zweimal in der Woche in der Schondratalschule angeboten wird.

"Das Interesse am Deutschkurs ist sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die sind sehr interessiert und machen mit - andere kommen gar nicht!" Allerdings spüre sie auch, wie einige immer besser mit der deutschen Sprache im Alltag zurechtkommen. "Das freut mich, denn die Sprache ist der Schlüssel zur Integration!"