"Abstand halten" ist das Gebot der Stunde. Doch was ist, wenn man sich nicht in die eigenen vier Wände zurückziehen kann, sondern mit anderen Menschen eine Unterkunft teilen muss? Knapp 70 Geflüchtete leben aktuell in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Bad Brückenau-Volkers. Dilshod aus Tadschikistan ist einer von ihnen. Der 38-Jährige steht auf der Terrasse vor der Tür zu seinem Zimmer. Ein kurzer Blick durch den Türrahmen ins Innere zeigt ein schmales Bett, einen Kühlschrank, Tisch und Stühle. Auf dem Nachtkästchen liegt eine Mund-Nase-Maske.

Dilshod hat ein Einzelzimmer. Sein Landsmann Ayub, den er schnell zum Übersetzen gerufen hat, teilt sich in der GU ein Zimmer mit einem Kumpel. "Mit Corona ist es natürlich schwer", sagt Ayub. Es gebe für die GU eine Hausordnung, an die man sich halten müsse. In der Küche zum Beispiel sei es aber auch ohne Corona schon schwer, etwa mit den verschiedenen Essensgerüchen. "Jetzt ist Maskenpflicht, wenn mehr als drei Personen da sind", berichtet der 18-Jährige weiter. Es gefalle ihm zwar nicht, aber man komme klar.

Deutschunterricht findet nicht statt

"Und man muss warten, es verschiebt sich alles", sagt er. So seien Behörden und Ämter aktuell nur telefonisch erreichbar. Auch der Deutschunterricht finde nicht statt. "Wer will, kann Onlinekurse machen", fügt er an. Das Internet in der Unterkunft sei aber oft ziemlich schlecht, berichtet Ayub. Der 18-Jährige besucht aktuell noch die Berufsschule. Nächstes Jahr fängt er dann eine Ausbildung zum Elektriker an, wie er berichtet.

Lesen Sie auch: Corona-Schutz aus Silikon: Mottener Firma Psilkon produziert Masken mit austauschbarem Filter

Dass das Internet in der GU aktuell noch nicht zur vollsten Zufriedenheit läuft, bestätigt auch Lothar Menzel. Er ist bei der Regierung von Unterfranken für die Verwaltung der Unterkünfte zuständig. Die Regierung sei jedoch dabei, wo immer möglich, die Internetanbindung zu verbessern.

Mehr als zehn verschiedene Nationen leben in der GU in Volkers. Was die Unterkunft betrifft, profitiere man angesichts der Corona-Pandemie davon, dass diese im ehemaligen Hotel Berghof eingerichtet wurde, so Menzel. Dort stünden einige wenige Einzelzimmer zur Verfügung. Darüber hinaus Doppel- und Drei-Bett-Zimmer. Es gebe eigene Nasszellen und mehrere Gemeinschaftsküchen, berichtet Menzel. Das Hygienekonzept werde von den Bewohnern sehr gut beachtet.

Quarantäne-Station in Geldersheim

"Eine Isolation ist bei einer gemeinsamen Nutzung schwer beziehungsweise gar nicht möglich", erklärt Menzel mit Blick auf die Unterkünfte der Geflüchteten. Die Regierung habe daher vorgesehen, dass Corona-Positive aus der jeweiligen Unterkunft in die Ankereinrichtung nach Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) gebracht werden.

Auch interessant: Mitgliederversammlungen online: Mit diesen 10 Tipps sichern Sie Ihren Verein rechtlich ab

Dort sei eine Quarantäne-Station eingerichtet worden. Für Kontaktpersonen der Kategorie 1 habe man in Kitzingen ein Gebäude angemietet. "Mit oft mehreren positiven Fällen unterfrankenweit, herrschte mitunter ein reger Fahrverkehr. Aber das System funktioniert bisher ganz gut", bilanziert Menzel.

Den Angehörigen einer Risikogruppe in den Unterkünften habe man indes angeboten, sie separat unterzubringen. "Das ist aber natürlich kein ,Wünsch dir was‘, sondern mit einem Ortswechsel verbunden", so Menzel. Zwischen 50 und 80 durch Corona besonders gefährdete Geflüchtete habe man auf deren Wunsch umverteilt und etwa in dezentralen Unterkünften im Landkreis Miltenberg untergebracht.

In der GU Bad Brückenau-Volkers gab es bislang keinen Corona-Ausbruch, wie Menzel berichtet. "In Bad Brückenau haben wir Glück gehabt. Die GU in Volkers ist eine der wenigen Unterkünfte, in der wir noch keinen Corona-Fall hatten."

Konstante Belegung, viele Nationalitäten

Die Gemeinschaftsunterkunft (GU) Bad Brückenau-Volkers wurde im Jahr 2013 von der Regierung von Unterfranken angemietet und anschließend hergerichtet. Im Sommer 2014 zogen erstmals Geflüchtete in dem ehemaligen Hotel ein, wie Lothar Menzel, bei der unterfränkischen Regierung zuständig für die Verwaltung der Unterkünfte, berichtet.

In den Folgejahren war die Belegung der GU relativ konstant. Jeweils Ende Dezember wurde in der GU Bad Brückenau-Volkers nach Angaben der Regierung von Unterfranken folgende Anzahl an geflüchteten Menschen registriert:

2019: 68 Personen,

2018: 64 Personen,

2017: 62 Personen,

2016: 67 Personen,

2015: 86 Personen.

Ende Dezember 2020 waren es 67 Personen unter anderem aus den folgenden Nationen: Äthiopien, Somalia, Syrien, Irak, Nigeria, Bosnien-Herzegowina, Ukraine, Afghanistan, Tadschikistan, Elfenbeinküste und Gambia; außerdem in der GU registriert: ein "ungeklärter" und ein "staatenloser" Bewohner.

Während im Sommer 2015 die GUs den Zustrom an Geflüchteten nicht mehr bewältigen konnten und zahlreiche dezentrale Unterkünfte geschaffen wurden, werden neuankommende Geflüchtete derzeit wieder ausschließlich in GUs untergebracht, wie Menzel berichtet. Daher sei die Belegung recht konstant. Die meisten dezentralen Unterkünfte hingegen seien inzwischen wieder abgebaut.