Eine ganz besondere Stimmung lag über dem Konzert des ökumenischen Frauen-Chores "Sing mit!" unter der Leitung der Liedermacherin Eva-Maria Klöhr in der Kreuzberger Klosterkirche. Vielleicht trug die direkt vorgeschaltete Fastenandacht mit Predigt des Guardians Pater Stanislaus Wentowski unter dem Thema "Beichte - ist sie noch zeitgemäß?" dazu bei. Obwohl weder der Guardian noch Eva-Maria Klöhr gebeten hatten, zwischen den Liedvorträgen nicht zu applaudieren, blieb es nach dem ersten Lied "Jedes Wort von Dir" in der Kirche mucksmäuschenstill.


Ehrfurchtsvolle Stille

Diese Ehrfurcht vor den innigen und zu Herzen gehenden Texten, die allesamt von der Chorleiterin stammten, zog sich durch das ganze einstündige Konzert. Manchmal traute man sich nicht zu atmen, geschweige denn zu husten. Lebenssituationen wie Trauer, Hoffnungslosigkeit oder Ausweglosigkeit fanden ihren Widerhall in den schlichten Texten. "Zeige mir den Weg, der mich wieder leben lässt - oh Herr" oder "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir - erhöre mein flehendes Gebet! Gib mir die Kraft, diesen Weg zu geh'n" - wie viele derartige Gebete werden von verzweifelten Menschen wohl täglich weinend gesprochen oder gar geschrien?


Ein Mann und seine Gitarre

Wenn solche Worte dann zart und flehend gesungen werden, gehen sie unter die Haut der Zuhörer, die sich in den Worten wiederfinden. Sie nicken leicht mit dem Kopf - soll heißen: ja, so war es bei mir. Aber es waren auch frohe Texte zu vernehmen. "Deine Trauer wandelt sich in Freude...". Hierbei wurden die zarten Frauenstimmen durch Peter Wendels tiefen Bass unauffällig, aber deutlich vernehmbar, begleitet. Er war auch der Mann an der Gitarre. Gänsehaut-Feeling kam auf bei dem Lied "Heute Nacht schick ich Dir einen Engel...". Es stimmte hoffnungsfroh, enthielt solistische Passagen und war abwechslungsreich arrangiert.


Leise und kräftige Tönen

Alle Akteure agierten mit leisen und kräftigen Tönen, mit Piano und Forte, mit Körpersprache und Mimik. Alles war Harmonie - niemand "spielte" sich in den Vordergrund, auch die Solisten nicht.


Tipps für die Zuhörer

Das vorgetragene Gedicht "Du bist ein Segen" enthielt für jeden einen Tipp: "Manchmal genügt ein Lächeln!" Für Pessimisten hieß es: "Streck' Deine Flügel weit aus - Du bist es, den Gott will. Und Du bist strahlend schön..." Auch "Herr, mach mich stark, damit ich wachsen kann..., schenk meiner Seele Flügel" deutete in die gleiche Mut machende Richtung. Die Begeisterung in der voll besetzten Kirche wollte kein Ende nehmen - Pater Stanislaus forderte in seinem Dankeswort Zugaben.


Eingängig und schlicht

So endete ein unvergessliches Konzert in der Fastenzeit mit "Friede sei mit Dir" und mit "Amen" - beide Kompositionen konnten von allen mitgesungen werden, weil ihre Melodien eingängig und schlicht sind. Eva-Maria Klöhr hatte einen ganz wertvollen Tipp an alle: "Tragen Sie Ihre Sorgen und Nöte auf den Kreuzberg!"