Der Waldzustandsbericht (siehe Info unten) zeichnet ein eher düsteres Bild für die Wälder in Deutschland. Die Redaktion wollte daher wissen: Wie ist die Situation in der Region? Wie geht es den Wäldern um Bad Brückenau? Michael Kutscher, Leiter des Staatsforstbetriebs Bad Brückenau, erklärt, dass man hierbei nach den einzelnen Baumarten unterscheiden müsse. Auch die jeweiligen Witterungsverhältnisse spielten eine entscheidende Rolle. "Es war ein guter Winter", berichtet Kutscher. "Die Wasservorräte im Boden konnten sich aufgrund des Schnees und der Niederschläge etwas erholen."

Die vergangenen drei, sehr trockenen Jahre hätten vorwiegend den Nadelbäumen, und dabei insbesondere den Fichten, stark zugesetzt - und dem Borkenkäfer als Schädling das Spiel leicht gemacht. "Die Fichte reagiert sehr sensibel", sagt Kutscher. Auch die Kiefern wiesen Trockenschäden auf. In Richtung Bad Königshofen und Schweinfurt sehe es bei dieser Baumart aber noch schlechter aus als hier.

Buchenschäden entlang der Bundesstraße nach Burkardroth

"Bei der Buche, die als Hauptbaumart von vielen die Mutter des Waldes genannt wird, sind insgesamt leichte bis mittlere Kronenschäden zu beobachten", erklärt Kutscher. Auch hier seien andere Regionen stärker betroffen als die Bad Brückenauer Gegend. Der Forstbetriebsleiter verweist etwa auf Arnstein (Lkr. Main-Spessart). "Hier im Landkreis mussten wir Richtung Bad Kissingen, insbesondere entlang der Bundesstraße nach Burkard­roth, deutliche Eingriffe bei den zum Teil geschädigten Buchenbeständen vornehmen."

Kutscher rechnet damit, dass Wetterextreme in Zukunft häufiger und mit stärkerem Ausmaß auftreten werden. Um den Wald hierfür widerstandsfähig aufzustellen, bediene man sich unter anderem der Forschung an den Universitäten. "Der Wald ist, anders als zum Beispiel die Landwirtschaft, ein eher träges Ökosystem. Das heißt, dass man mit Verjüngungstätigkeiten frühzeitig einsteigen muss." Man setze dabei auf ein Vier-Baumarten-Konzept.

Der Idealfall sehe einen guten Mix aus verschiedenen, möglichst heimischen Baumarten vor. "Quasi nach dem Motto: ,Wer streut, rutscht nicht‘", erklärt Kutscher. Entstehe bei der einen Baumart eine Lücke, könnten die anderen diese füllen beziehungsweise den Verlust auffangen. Als Arten, die man stärker am Waldaufbau beteiligen könnte, nennt der Forstexperte unter anderem den Speierling und Wildobstbäume. Diese kämen mit weniger Niederschlägen zurecht.

Die Eiche als Gewinner unter den klassischen Bäumen

Was die klassischen Baumarten betrifft, "scheint die Eiche der Gewinner zu sein", sagt Kutscher. Die Verlichtungen in den Kronen der Eichen seien deutschlandweit und auch in Bayern gesunken. Eine Eiche könne locker 600 bis 800 Jahre alt werden. Auch um als Kohlenstoffspeicher, Nistraum und wertiges Nutzholz zu dienen, brauche eine Eiche bis zu 200 Jahre. "Das ist eine für den Menschen kaum vorstellbare Zeitspanne."

Der Bad Brückenauer Betrieb der Bayerischen Staatsforsten umfasst eine Gesamtfläche von rund 16 500 Hektar. Etwa zehn Prozent der Fläche seien ausgewiesene Naturschutzgebiete. "Darunter sind echte Juwelen und Trittsteine zu finden", sagt Kutscher. Der überwiegende Teil des Waldes werde wirtschaftlich genutzt, mit vielen ökologischen Nischen. Der Wald erfülle durch diesen Mix sowohl seine Schutz- und Nutz- als auch seine Erholungsfunktion.

Aktuell sei man in den Staatsforsten mit der sogenannten Forsteinrichtung beschäftigt. "Das ist ein Planungswerk, mit dem in größeren Wäldern die Verteilung der Baumarten sowie der Zuwachs und Abfluss an Holz erfasst werden", erklärt Kutscher. Mit den so erhobenen Daten könne dann auf verlässlicher Basis entschieden werden, was man mit dem Wald machen müsse. Planungszeitraum seien jeweils zehn Jahre. Bis Mitte 2022 solle die aktuelle Forsteinrichtung abgeschlossen sein.

> 50 % Laubholz zeichnen die Waldstücke des Staatsforstbetriebs Bad Brückenau aus. Rund 33 Prozent der Bäume sind Buchen und rund 15 Prozent Eichen.

Waldzustandsbericht Ende Februar stellte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Waldzustandserhebung 2020 vor. "Die vergangenen drei Dürrejahre, der massive Borkenkäferbefall, Stürme und vermehrte Waldbrände haben in den Wäldern langfristig massive Schäden angerichtet", hieß es dazu in einer Mitteilung. Die Ergebnisse zählten zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Die meisten Bäume wiesen lichte Kronen auf.

"Der Kronenzustand ist wie ein Fieberthermometer - er zeigt an, wie es den Bäumen geht", sagte Bundesministerin Julia Klöckner (CDU). "Die Waldzustandserhebung zeigt: Unsere Wälder sind krank."