Und da geht dann Martin Luther selbst auch schon einmal auf eine interessante Zeitreise.
"Man stelle sich vor, Luther kommt in eine Faschingsgesellschaft der heutigen Zeit". Allein schon dieser Satz des evangelischen Pfarrers Gerd Kirchner verspricht Spannung und macht neugierig. "Von sehr heiter bis sehr lebensnah" soll es nach den Worten des Geistlichen am Karsamstag, 15. April, ab 20 Uhr in der Friedenskirche zugehen. Dann wird das Gotteshaus im Georgi-Kurpark zum Theater, der Altarraum zur Bühne.
Es ist schon liebgewonnene Tradition, dass Kirchner in jedem Jahr ein neues Stück verfasst, das dann in Bad Brückenau einem breiten Publikum präsentiert wird. Die Thematik gestaltet sich dabei ganz unterschiedlich und reicht von historisch über zeitgenössisch bis brandaktuell. "Diesmal hat sich natürlich zwangsläufig Luther regelrecht aufgedrängt", erinnert sich der Pfarrer an die Anfänge seines Konzepts. Und so erlebt der Reformator eine Zeitreise ins 21. Jahrhundert, die natürlich allein schon von der Idee her viele Überraschungen in sich birgt.


Sonderschichten beim Proben

Die Proben für das Mysterienspiel laufen momentan auf Hochtouren, damit am Aufführungstag auch alles wie geplant klappt. Rund 20 Mitwirkende agieren auf der Bühne sowie hinter den Kulissen. Dazu kommen etliche Konfirmanden, die sich gern als Statisten zur Verfügung gestellt haben.
Die Hauptrollen sind mit Martin Hentschel als Martin Luther und Nicole Fläschner als zeitgenössische Karnevalistin besetzt. Den "modernen Menschen in all seinen Zwängen" spielt Marisa Hahn. Das Trio legt momentan beim Üben sogar "Sonderschichten" ein. Schließlich soll am Ende nicht nur der Text sitzen, auch auf Mimik und Gestik legen die Laiendarsteller großen Wert. Und es geht um die richtige Handhabung der Requisiten. Denn schon lange ist Pfarrer Kirchner dafür bekannt, dass er nicht nur in seinen lebhaften Predigten, sondern auch bei etlichen anderen Gelegenheiten allerlei symbolträchtige Utensilien benutzt.
Da müssen dann während der umfangreichen Proben auch schon einmal wiederholt meterweise bunte Kordeln entwirrt werden. "Mit den verknoteten Leinen wollen wir plakativ die Verstrickungen des Lebens darstellen", klärt Kirchner über die entsprechenden Spielszenen auf.
Den Besuchern am Ostersamstag verspricht der Geistliche, der natürlich auch Regie führt, jedenfalls etliche Überraschungen. Man wolle unter anderem heiter und anschaulich zeigen, "wie der Mensch in die Tiefe seines Glaubens geführt wird". Dabei werde nicht nur der Kopf, sondern auch das Herz jedes einzelnen Zuschauers angesprochen.