Im März 2016 übernahm Dr. Rainer Matejka die Aufgabe als ärztlicher Leiter an der Malteser Klinik von Weckbecker. Der 60-Jährige ist Facharzt für Allgemeinmedizin und führt seit 23 Jahren eine naturheilkundliche Tagesklinik in Kassel. Zudem ist er seit vielen Jahren in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung tätig, er lehrt unter anderem an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder und ist Chefredakteur der Zeitschrift "Naturarzt".

Herr Matejka, Sie sind ärztlicher Leiter der Weckbecker Klinik und haben eine Tagesklinik in Kassel. Wie machen Sie das?
Rainer Matejka: Beides unter einen Hut zu bekommen, ist in der Tat nicht ganz einfach. Zwei bis drei Tage in der Woche bin ich hier, die übrige Zeit verbringe ich in Kassel. Dort ist auch mein Lebensmittelpunkt.

Von 1990 bis 1993 waren sie als junger Arzt in der Klinik aktiv. Wie erlebten Sie den Gründer, Dr. Erich von Weckbecker?
Er war ein Mensch, der für seine Ideen gebrannt hat. Seine Behandlungsmethoden hat er mit großer Konsequenz gelebt, auch den Patienten gegenüber. Trotzdem hat er uns Ärzten viel Freiheit gelassen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen der Behandlung damals und heute?
Heute sind die Patienten in der Regel gut diagnostiziert, das war früher nicht unbedingt so. Das Kernkonzept der Behandlung ist aber gleich geblieben. Das ist ja auch die Stärke von Naturheilkundeverfahren. Die Erfahrung geht auf Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte zurück. Etliche Erkenntnisse, etwa auf dem Gebiet des Heilfastens, werden heute durch wissenschaftliche Studien untermauert.

Welche Schwerpunkte setzten Sie im vergangenen Jahr in der Klinik?
Wir haben unser Konzept deutlicher justiert. Heilfasten und Ernährung bleibt die Kerntherapie. Dazu kommen noch drei weitere Säulen, Physiotherapie, spezielle Massagen und Bewegung, Wasseranwendungen nach Kneipp und der spirituelle Aspekt, der Dr. Weckbecker von jeher sehr wichtig war. In der Kombination dieser Elemente liegt das Besondere der Behandlungsmethoden unserer Klinik. Wir haben Patientengruppen präziser definiert. Dazu gehörte auch, klarzustellen, welche Krankheiten wir nicht behandeln können.

Und die wären?
Psychiatrische Erkrankungen wie Angstpsychosen oder Schizophrenie zum Beispiel oder fortgeschrittene Demenz. Ich empfinde es als sinnvoll, möglichst trennscharf klarzumachen, wofür wir stehen und was wir nicht bieten können. Hauptindikationen bleiben Befindlichkeitsstörungen, Herz-Risikofaktoren, orthopädische und Magen-Darm-Erkrankungen.

Die Stadt Bad Brückenau befindet sich gerade in einem ähnlichem Prozess der Profilbildung. Wie stehen Sie zum Heilquellenkonzept?
Viele Kurorte haben über Jahrzehnte den Fehler gemacht, dass sie alle bedienen wollten. Ich halte viel davon, auf die ortsüblichen Heilmittel zu setzen. In Bad Brückenau ist das natürlich das Heilwasser, aber auch das milde Reizklima und die besondere Landschaft der Rhön. Man muss bedenken, vor hundert Jahren war die Hälfte aller Heilmittel Heilwässer. Es ist vollkommen richtig, dass man versucht, dieses Thema zu vertiefen.

Wie bringt sich die Malteser Klinik in die Konzeptfindung ein?
Wir haben an den Workshops teilgenommen und Anregungen für die Entwicklung von Angeboten für Kurzkuren gegeben. Ein Schwerpunkt liegt ja auch darin, das gastronomische Angebot in der Stadt zu verbessern. Hier geben wir gern unser Wissen weiter und zeigen, wie man Gerichte gesund und schmackhaft aus regionalen Zutaten zubereiten kann.

Warum machen Sie das? Ihre eigenen Gäste haben nichts davon, sie dürfen ja nichts essen...
Nun, das stimmt nur indirekt. Natürlich ist das Heilfasten die Grundlage unserer Behandlung. Dr. Weckbecker pflegte zu sagen, es sei der Einstieg in den Umstieg. Vielen Beschwerden liegt ein ungesunder Lebensstil zugrunde. Unsere Therapie zielt darauf ab, Unnötiges zu reduzieren, Mangel auszugleichen und eine gesunde Balance zu finden. Dazu wiederum passt eine Stadt sehr gut, die für Erholung, Ausgleich und Nachhaltigkeit steht.

Das hat nur noch wenig mit der "Hungerburg" zu tun, als die die Klinik im Volksmund bekannt ist.
Das möchte ich hoffen. Das Heilfasten ist ein zeitloses Konzept. Verzicht hat auch viel mit Genuss zu tun. Wir sind keine humorlosen Asketen.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.