Ein Hauch von Mystik durchweht das vollbesetzte Gotteshaus im Staatsbad, als die in traditionelle Mönchskutten gekleideten Sänger gemäßigten Schrittes den nur mit ein paar Kerzen beleuchteten Altarraum betreten. Mit großer Geste setzen die acht Künstler ihre Kapuzen ab und schalten kleine Lämpchen an ihren Notenpulten ein. Ein stimmungsvoller Abend nimmt seinen Anfang.
Der erste Teil der beeindruckenden Darbietungen ist ganz gregorianischen Chorälen, orthodoxen Kirchengesängen, polyphonen Liedern sowie Madrigalen der Renaissance und des Barock vorbehalten. Schon bald erscheinen bei der Interpretation der Stücke verschiedener Komponisten vor dem inneren Auge des Zuhörers dunkle Klostergänge, Erinnerungen an den weltbekannten Film "Der Name der Rose" werden wach.


Klassische Ausbildung

Die acht außergewöhnlichen Gesangssolisten verstehen es immer wieder, das Publikum mit jeder Passage des Auftritts in ihren Bann zu ziehen. Man muss kein Experte sein, um gleich zu erkennen, dass alle Akteure über eine klassische Gesangsausbildung verfügen, die diese perfekte Intonation frühmittelalterlicher Choräle erst möglich macht. Seit Frühjahr 2011 touren "The Gregorian Voices" durch Europa. Bevorzugte Auftrittsorte sind natürlich Kirchen unterschiedlicher Größen, in denen die Stimmgewalt des bulgarischen Oktetts am besten zur Geltung kommt. So konnten sich die zahlreichen Zuhörer bei dem Auftritt unter dem Motto "Gregorianik meets Pop" glücklich schätzen, dass das international bekannte Ensemble im Rahmen seiner Gastspielreise auch einen Abstecher in die Rhön unternommen hatte.
Lauschte das Publikum den Darbietungen anfangs noch in andächtiger Stille, man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können, so wurde es nach der Pause richtig temperamentvoll. Denn jetzt standen diverse Klassiker der Popmusik auf dem Programm, die von den Akteuren auf ihre ganz eigene Art und Weise arrangiert und interpretiert wurden.
Ob "Hallelujah" von Leonard Cohen, "Yesterday" von den Beatles, "Knockin' on heaven's door" von Bob Dylan oder "Sound of Silence" von Simon and Garfunkel, der Chor unterstrich mit seiner ausgeprägten Vokalität, dass diese Stücke auch ohne Begleitung durch ein Instrument hervorragend funktionieren. Diese Beobachtung traf auch bei den eher ruhigen Versionen von "Imagine" (John Lennon) und "Sailing" (Rod Stewart) zu. Kein besserer Titel als der ABBA-Song "Thank you for the music" hätte diesen eindruckvollen Abend besser beschließen können.