Gut 400 Rhönklub-Freunde und Wanderer waren am vergangenen Sonntag zum Ehrenmal gekommen und knüpften nahtlos an die Tradition an. Es war die 98. Heidelsteinfeier. Die Gedenkrede hielt Peter Kirchner, der Bürgermeister der Gemeinde Ehrenberg. Kein Thema hätte in diesem Jahr besser passen können als das Thema "Freiheit". Die Pandemie-bedingten Einschränkungen haben viele Menschen über Freiheit sprechen und für Freiheit demonstrieren lassen. "Masken, Quarantäne, Testpflicht, 2G, 3G. Die getroffenen Maßnahmen sorgen bei so manchem für Unmut. Es handelt sich ganz klar um die größten Einschränkungen der persönlichen Freiheit seit dem Zweiten Weltkrieg": Ob die Freiheitseinschränkungen gerechtfertigt waren oder nicht, beantwortete Kirchner mit einen Zitat des deutschen Philosophen Immanuel Kant: "Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Den Verantwortlichen in Politik und Medizin ginge es darum, die Menschen zu schützen. Der Staat habe die Aufgabe, die Freiheit aller zu schützen. Eine Gratwanderung während der Pandemie. Dabei müsse klar sein, dass Freiheit nicht absolut sei. Übersetzt auf Kant: "Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Gesundheit des Anderen gefährdet wird."

Enormes Spannungsfeld

Es sei ein enormes Spannungsfeld zwischen Sicherheit beziehungsweise Gesundheit und Freiheit. "Niemand hat das Recht, eigene Freiheit auf Kosten der Gesundheit anderer Menschen zu genießen.  Aber im Gegenzug müssen die ausnahmsweise notwendigen Eingriffe in die persönliche Freiheit so schnell, wie es möglich ist, auslaufen. Die Maßnahmen dürfen nicht unverhältnismäßig sein", so Kirchner. Die aktuelle Diskussion "Mehr Freiheit für Geimpfte - aber nicht für Ungeimpfte?",  habe das Potenzial, die Gesellschaft zu spalten. In manchen Einrichtungen gebe es Zutritt nur noch für 2G. Kein Zutritt mehr für Getestete? "Das fundamentale Grundbedürfnis des Menschen, in Gemeinschaft zu leben und am öffentlichen Leben teilzunehmen, ist hier gefährdet. Jeder verdient Achtung und Respekt", betont Kirchner. Die Spaltung der Verlust grundlegender Werte, wie der Freiheit, sei ein hoher Preis. "Es darf keine Zweiklassengesellschaft entstehen, sondern das Miteinander muss in den Fokus gerückt werden. Wir sollten uns einander unterhaken. Nur so kann die Pandemie erfolgreich überwunden werden", so der Redner. Dieser gemeinsame Geist fehle - zumindest zum Teil - in der aktuellen Diskussion.

Aber nicht nur die Corona-Pandemie hatte Kirchner zum Thema, sondern die anstehende Bundestageswahl und den Klimawandel: "Wer das Klima schützt, schützt die Freiheit". Klimaschutz müsse so umgesetzt werden, dass auch die nachkommenden Generationen ihre freiheitlichen Grundrechte in der Zukunft ausüben können: "Beim Klimaschutz geht es also nicht um Verbote, sondern um Freiheit und Freiheitsrechte." Die Klimakrise dürfe kein Streit zwischen Parteien bleiben. Eingebunden in diese Überlegungen ist der Rhönklub mit seinem hochaktuellem Angebot, dem Wandern, das für Kirchner ein Stück Freiheit und Gemeinschaft ist.

Freiheit im Rhönlied

Eine Gebrauchsanleitung zur Freiheit in Wanderschuhen hat schon 1912 Andreas Fack in seinem Rhönlied aufgeschrieben: "Zieh an die Wanderschuh und nimm den Rucksack auf und wirf die Sorgen ab, marschier zur Rhön hinauf." Der Musikverein 1887 Simmershausen-Batten, unter Leitung von Jürgen Weyer, spielte das Rhönlied, in das die Besucher der Heidelsteinfeier gerne einstimmten.

351 Mitglieder "auf letzter Wanderung"

Getragener wurde es mit "Ich hatt' einen Kameraden", denn die Totenehrung, das Herzstück der Heidelsteinfeier mit Kranzniederlegung durch den Rhönklub-Präsidenten Jürgen Reinhardt und Vizepräsident Bernd Günder durfte nicht fehlen. In diesem Jahr haben 351 Rhönklub-Mitglieder "ihre letzte Wanderung" angetreten. Stellvertretend nannte der Präsident einige Namen, unter ihnen Paul Bohl, den langjährigen Hauptkulturwart und Vizepräsident des Rhönklubs, sowie Eva Gründl, langjährige Schriftführerin im Zweigverein Oberelsbach, in dessen Zuständigkeitsbereich das Ehrenmal liegt, und das von Alois Weber aus Oberelsbach jährlich pünktlich zur Feier gemäht wird.