Haus BetrO in Wildflecken möchte erweitern, und zwar nach Bad Brückenau. "Wir sind eigentlich die Sozialstation für psychisch Kranke, machen aber keine Pflege im herkömmlichen Sinne", skizziert Firmenchef Hilmar Ott die Arbeit seines 25-köpfigen Teams. BetrO biete den betroffenen Menschen fachkundige Unterstützung und fördere eine individuelle Hilfestellung in selbstbestimmter Wohnform, um trotz Handicap ein normales Leben zu ermöglichen. "Das kann sowohl im privaten Haushalt als auch in einer von uns geführten intensiv betreuten Wohngemeinschaft mit fast täglichem Kontakt stattfinden", konkretisiert der 57-jährige seine Aufgaben.


Standort platzt aus allen Nähten

Und dieses System funktioniert im Haus in der Wildfleckener Fleischhauerstraße seit nunmehr fast acht Jahren sehr gut. Die dortige Tagestätte, ehemals für 22 Leute konzipiert und dann kontinuierlich erweitert, platze mittlerweile aus allen Nähten. Rund 60 Personen zwischen 22 und 76 Jahren werden derzeit vom Standort in der Marktgemeinde aus betreut, teils in der Tagesstätte und teils auch daheim.

Die Besucher, wie sie bei BetrO heißen, kommen aus der Umgebung und auch aus anderen Regionen, da die Rhön laut Ott früher in dieser Art von Betreuung "völlig unterversorgt war". Auch Leute aus dem Raum Bad Brückenau nehmen die Dienstleistungen in Anspruch. Die müssten in absehbarer Zeit nun nicht mehr nach Wildflecken fahren, wenn es mit der neuen Einrichtung in der Buchwaldstrasse 9 wie geplant klappt. Als Zieltermin für die Eröffnung hat man den Mai dieses Jahres im Auge.


"Drehtür Psychatrie" vermeiden

"Wir sind auf einem guten Weg", sagt der gelernte Fachkrankenpfleger Psychiatrie. Der Mietvertrag soll in Kürze unterzeichnet, eine Nutzungsänderung der ehemaligen Arztpraxis beantragt werden. Mit rund 180 Quadratmetern Fläche wird die Einrichtung dann etwa halb so groß sein wie das Haus in Wildflecken.

Die Gründe, warum Menschen die Dienste von BetrO in Anspruch nehmen, sind ganz unterschiedlicher Natur. Viele kommen einfach mit dem alltäglichen Leben nicht mehr klar, sind entweder vereinsamt oder entwurzelt, von Problemen gebeutelt oder haben sogar Angst, die eigenen Wände zu verlassen. Meistens ist diesen Personen nach einem längeren Aufenthalt in einem Fachkrankenhaus schon ein Berufsbetreuer zur Seite gestellt, der aber natürlich nicht täglich die manchmal dringende Hilfestellung geben kann.

"Diese Lücke versuchen wir mit der Tagesstätte oder der ambulanten Betreuung zu schießen", so Ott. Man wolle bei den Betroffenen auf jeden Fall die "Drehtür Psychiatrie" verhindern und ihnen ein Leben in Gemeinschaft auf Augenhöhe ermöglichen. Dabei seien Begriffe wie Menschlichkeit und Wertschätzung keine leeren Floskeln, sondern ganz wichtige Faktoren für den Erfolg.


Bezirk ist Kostenträger

Außer den Angestellten verschiedener Fachrichtungen, von denen etliche in Teilzeit arbeiten, wirken auch mehrere Familienmitglieder mit. An erster Stelle steht da natürlich Ehefrau Doris Biedermann-Ott, die allein schon vor dem Hintergrund ihrer 24-jährigen Tätigkeit als Krankenschwester in Werneck eine große Portion Wissen aus Theorie und Praxis mitbringt. Sie ist auch meistens dabei, wenn die sogenannten Zielvereinbarungsgespräche mit dem Bezirk Unterfranken, der zu 90 Prozent Kostenträger ist, anstehen. "Dabei geht es dann unter anderem um ganz individuelle Maßnahmen für die einzelnen Besucher", so die 49-Jährige.

Gut funktioniere auch die Zusammenarbeit mit einer niedergelassenen Nervenärztin aus Würzburg, die sich um die speziellen medizinischen Belange kümmert. Bewährt hat sich das "Medikamententraining", bei dem die Betroffenen den richtigen Umgang mit den verschriebenen Präparaten lernen. Denn leider, so Hilmar Ott, würden die Besucher immer wieder einmal ihre Pillen selbständig absetzen, was fatale Folgen haben könnte. Auch wenn man nach dem Motto " So viele Medikamente wie nötig, so wenige Medikamente wie möglich" verfahre, gehe es vor dem Hintergrund schizophrener Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen nicht völlig ohne pharmakologische Produkte.

Öffnungszeiten Die Tagesstätte BetrO in Wildflecken ist montags bis freitags jeweils von 8 bis 16 Uhr geöffnet. An Wochenenden und Feiertagen bleibt die Einrichtung geschlossen. Da der Aufenthalt auf freiwilliger Basis erfolgt, bestimmen die Besucher selbst, wie lange sie im BetrO-Haus bleiben.

Kontakt Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit zum "Wohnen auf Probe". Kontaktaufnahme unter Tel. 09745/ 930368 oder per E-Mail an: info@betro.de.