"Der Einfallsreichtum der kriminellen Bastler und Tüftler ist nahezu unbegrenzt", sagt Polizeioberkommissar Eberhard Fries mit Blick auf zwei Schaukästen, die in den Fluren des Inspektionsgebäudes an der Hammelburger Straße hängen. "Der Q von James Bond hätte hier seine helle Freude", ergänzt Dienststellenleiter Herbert Markert. Denn die beiden Vitrinen beinhalten nicht nur Drogenutensilien jeglicher Art, sondern auch etliche andere Dinge, die entgegen ihrer ursprünglichen Bestimmung zu im schlimmsten Falle tödlichen Waffen umgebaut wurden.

Die Palette der im Laufe der Jahre von der Polizei sichergestellten Gegenstände ist umfangreich. "Das reicht vom Schießkugelschreiber über das in der Gürtelschnalle versteckte Messer bis hin zu der an einer Kette und einem Holzstiel befestigten Rasensichel", umreißt Markert das Spektrum der Exponate. Das Gewehr mit abgesägtem Lauf findet ebenso seinen Platz wie verbotene Wurfsterne oder Schlagringe.


Auf dem neuesten Stand

Die Idee für die Schaukästen mit wechselnden Inhalten stammt aus dem 1998, als im damals neuen Polizeidomizil ein "Tag der offenen Tür" stattfand. Jetzt wurde die Präsentation der Asservate wieder einmal überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Diese Aufgabe hatten Polizeihauptmeister Florian Leimbach und Polizeioberwachtmeister Christian Mehler übernommen. Der 23-jährige Praktikant kommt aus dem hessischen Eichenzell und bildet sich in Bad Brückenau fort. "Sichergestellte Gegenstände dürfen nach Absprache mit der Staatsanwaltschaft zu Schau- und Ausbildungszwecken bei der örtlichen Polizei verbleiben", klärt Fries über das Prozedere auf. In Kisten und Schatullen hat sich bei dem 57-jährigen im Laufe der Zeit so Einiges angesammelt.


Funde bei Routinekontrollen

Entdeckt werden derlei Dinge von den Ordnungshütern entweder bei routinemäßigen Fahrzeugkontrollen oder bei gezielten Hausdurchsuchungen. "Oft liegt das Zeug kaum versteckt im Auto herum oder sogar griffbereit in der Türablage oder auf der Mittelkonsole", so die Erfahrung von Herbert Markert. Manche Leute würden die gefährlichen Gegenstände zwar nur zur Angabe und Drohung mit sich herumtragen, andere schreckten aber auch vor ihrem handgreiflichen Einsatz nicht zurück. "Die kaufen das Zeug nicht im Tante-Emma-Laden und wissen schon von dem hohen Gefahrenpotenzial der Waffen", erläutert Fries. Daher würden auch besonders die jungen Kollegen im Hinblick auf die Fahrzeugkontrollen gezielt geschult. "Man weiß ja vorher nie, wer im Auto sitzt", so der Polizeioberkommissar.

Natürlich verläuft eine Überprüfung bei einer Familie, die mit ihren Kindern unterwegs ist, anders als bei einer Person, die schon im Vorfeld der Drogenszene zuzurechnen ist. So sollten sich die Verkehrsteilnehmer auch nicht wundern, wenn eine Kontrolle relativ schablonenhaft über die Bühne geht. Aber gewisse Standards müssten aus Sicherheitsgründen eingehalten werden. Vorsicht sei in jedem Fall geboten, "denn Gewalt gegen Polizisten passiert ständig, auch in unserem Zuständigkeitsbereich", ist Markert über die allgemeine Entwicklung besorgt. Vermehrt fehle den Leuten das Bewusstsein, "dass sie etwas machen, was nicht in Ordnung oder sogar strafbar ist". Die Hemmschwelle bei den Verdächtigen sei rapide gesunken, "deshalb fahren wir beispielsweise zu Hausdurchsuchungen gleich mit zwei Streifen vor, um bei eventuellen Zwischenfällen besser gewappnet zu sein". Neben Waffen und gefährlichen Gegenständen geht es bei derlei Einsätzen häufig um Rauschmittel jeglicher Art. Das Bild vom jugendlichen langhaarigen Konsumenten in verwaschener Jeans und abgetragenem Parka gehöre dabei längst der Vergangenheit hat. "Das Alter spielt bei Drogendelikten keine Rolle", weiß Fries. So ist ihm auch schon einmal ein 58-Jähriger im modischen Anzug ins Netz gegangen.