Erst ein Verdachtsfall, dann die erste Infektion: Vor rund einem Jahr versetzt das Coronavirus auch die Region in den Krisenmodus. Ein Hausarzt meldet am Abend des 12. März in der Franz-von-Prümmer-Klinik einen Patienten zur stationären Aufnahme an. Der Patient zeige die typischen Symptome einer Corona-Infektion. Unter dem Titel "Der Ernstfall hat begonnen" berichtet die Redaktion damals über die Vorgänge rund um den ersten Corona-Verdachtsfall im Altlandkreis.

Wenig später besteht dann in einem anderen Fall Gewissheit, der öffentlich bekannt wird: Ein Mann aus Unterleichterbach ist mit dem Coronavirus infiziert. Am 20. März berichtet die Redaktion über den Infektionsfall. Angesteckt hat sich der Betroffene offenbar auf einer Reise mit dem Skiclub Unterleichtersbach. Diese hatte die Ausflügler ins österreichische Ischgl geführt. Der Ski-Ort wird in den Märzwochen als Ausgangspunkt zahlreicher Corona-Infektionen bekannt.

Familie und Reisegruppe nach Ischgl-Besuch in Quarantäne

Die betroffene Familie aus Unterleichtersbach bestätigt damals gegenüber der Redaktion den Corona-Fall. Am Tag nach der Rückkehr seien bei ihrem Mann die ersten Symptome aufgetreten, berichtet die Ehefrau. Der Test folgte einen Tag später. Die Familie lobt damals die Betreuung durch das Gesundheitsamt. "Wir sind nicht allein gelassen." Neben der Familie ist auch die Reisegruppe in Quarantäne.

In der Franz-von-Prümmer-Klinik indes ist man vorbereitet. Bereits seit Anfang Februar wurde an einem Notfallplan gearbeitet. In diesem geht es um die allgemeinen Verhaltensweisen im Klinik-Alltag ebenso wie um den schlimmsten anzunehmenden Fall. "Wir haben sechs Intensivbetten, davon vier Beatmungsplätze für die Patienten, denen das Virus auf die Lunge geht", berichtet Chefarzt Dr. Hans-Joachim Müller damals. Auf zehn Betten könne notfalls aufgestockt werden.

Auch in der Franz-von-Prümmer-Klinik sagt man im März 2020 - so wie in allen anderen Krankenhäusern in Deutschland - alle nicht notwendigen Operationen ab und schickt Patienten, die entlassen werden können, nach Hause. Auf dem Parkplatz vor der Klinik wird ein Zelt eingerichtet, um dort die Corona-Verdachtsfälle in Empfang zu nehmen und so die übrigen Patienten zu schützen. Aufgrund der Altersstruktur wird von einer erhöhten Gefahr für die hiesige Bevölkerung ausgegangen.

Öffentliches Leben steht still, Veranstaltungen fallen ins Wasser

"Ansonsten sieht es in der Stadt aus wie überall in Bayern", berichtet die Redaktion. Die Therme Sinnflut ist geschlossen, ebenso das Fahrradmuseum, die Musikschule, die Galerie, die Tafel und auch das Rathaus, die Tourist-Info sowie die Stadtbibliothek. Im Staatsbad sperrt man alle öffentlich zugänglichen Gebäude ab. Kindergärten, Schulen, Einzelhandel und Restaurants sind ebenfalls geschlossen.

Veranstaltungen, wie etwa der für den 29. März geplante Frühlingsmarkt, fallen allesamt ins Wasser. Ein paar Schlagzeilen aus den damaligen Ausgaben: "Kommersabend findet nicht statt", "Flying Birds spielen nicht", "Aufführung verschoben", "Gottesdienste fallen aus, und Pfarrbüro bleibt zu", "Geänderte Schulanmeldung", "Keine Wanderungen beim Rhönklub", "Georgi-Sprudel geschlossen". Auch das für Ende Juni geplante Stadtfest reiht sich in die lange Liste der Veranstaltungen ein, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden müssen.

Ein Blick auf den März 2021 zeigt: Die Corona-Mutationen breiten sich aus, die Infektionszahlen steigen erneut. Normalität ist auch über ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie noch nicht wieder eingekehrt.

519 Corona-Fälle registrierte das Landratsamt für den Altlandkreis Bad Brückenau von Mitte März 2020 bis Mitte März 2021 (siehe auch Grafik oben).

9 Menschen aus dem Altlandkreis Bad Brückenau starben nach Angaben des Landratsamts bisher mit oder an Corona (Stand: 16. März 2021).

217 Corona-Fälle wurden im Dezember 2020 im Altlandkreis Bad Brückenau festgestellt - bislang im Vergleich der monatliche Höchstwert (siehe auch Grafik oben).