Auf regen Zuspruch stieß die dritte Bad Brückenauer Bürgerversammlung in "Nach-Corona-Zeiten" - diesmal im Stadtteil Römershag. Gut 30 Interessierte hatten den Weg ins Gasthaus "Breitenbach" gefunden, darunter als Zuhörer auch der Zeitlofser Amtskollege des Brückenauer Rathauschefs, Matthias Hauke.

"Der Bürger hat das Wort", so Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), nachdem er per Power-Point-Präsentation einen Rückblick auf abgeschlossene, den Sachstand aktueller und einen Ausblick auf anstehende Baumaßnahmen (wir berichteten ausführlich) gegeben hatte. Das Wort ergriff als Erster Josef Dieser, der die Kosten für den "Antrag auf Genehmigung einer Urnenplatte" für das Grab seiner kürzlich verstorbenen Frau Gertrud in Höhe von 60 Euro als "dreist und hirnrissig" kritisierte. "Sterben in Bad Brückenau ist Beutelschneiderei. Wenn das so bleibt, strenge ich eine Popularklage an", so der sichtlich (und auch hörbar) verärgerte Witwer.

"Bürger dritter Klasse"

Dieser und weitere Betreiber der landwirtschaftlichen Anwesen rund um den Stockhof fühlen sich zudem - "und das mindestens seit jeder Bürgerversammlung der vergangenen 30 Jahre" - als "Bürger dritter Klasse behandelt", die der Stadt hinsichtlich der Straßenunterhaltung und des winterlichen Schneeräumens maximal in Schaufelbreite "am A... vorbeigehen". Das könne nicht nur an den neuen Fahrern der Räumfahrzeuge liegen. Vogel sicherte einen zeitnahen Ortstermin bei den Aussiedlerhöfen zu.

Unkraut, Unkraut und nochmals Unkraut

Wie in Wernarz war auch in Römershag das übermäßig hoch- und alles zuwuchernde Unkraut im Friedhof gar Manchem/Mancher ein Dorn im Auge. "Das ist kein Gottes-, sondern ein Unkrautacker." Auch für eine zweite Wasserstelle machte man/Frau sich stark. Ein solcher Kübel samt Zuleitung sei schon in Planung, vermeldete der Bürgermeister vorausschauend Vollzug und kündigte fürs Frühjahr Ortsbegehungen in allen Friedhöfen an. Gleichwohl könne man nicht - wie etwa in der Stadt - überall Rollrasen verlegen. Außerdem habe man, nicht zuletzt Corona-bedingt, mit personellen Engpässen zu kämpfen.

Unkraut - wohl in erster Linie das drüsige oder indische Springkraut - ist auch ein Thema entlang der Sinn. Den Bachverlauf könne man allenfalls noch erahnen und das Plätschern sei kaum noch wahrzunehmen. Das Stadtoberhaupt will Druck auf das Wasserwirtschaftsamt aufbauen, den schönen Wildbach wie früher wieder mehr zu hegen und zu pflegen, damit auch Kinder den Sinnstrand-Abschnitt bei Römershag nutzen können.

Alte Birnen moniert

Vater Jürgen und Sohn Kevin Scheller bereitet die "katzenäugige" Straßenbeleuchtung im Stadtteil Sorgen. Das Leuchtmittel sei alt und ausgebrannt, jede Birne brenne unterschiedlich, fast jeder Laternenpfahl werfe ein anderes Licht. Jochen Vogel will die Anregungen mit zu den Stadtwerken nehmen - "auch aus Sicherheitsaspekten". "Generell ist unser Dorfbild nicht mehr so schön und optisch ansprechend wie früher", kritisierten Schellers weiter. Sei es das durch Schneeräumen lädierte Straßenpflaster, die nur behelfsmäßig zugeteerten Löcher in den Ortswegen oder die ungepflegten Grünstreifen und Mauern. Vogel will "von Straße zu Straße blicken" und sehen, was finanziell machbar ist, um die Ärgernisse zu beseitigen.

Thema Kinder und junge Erwachsene

Den breitesten Raum - und Anlass gebend für mitunter erhitzt vorgetragene Wortmeldungen - nahm das Thema "Kinder und junge Erwachsene" ein. Als Problempunkte und -Örtlichkeiten thematisiert wurden der Spielplatz am Forstweg (verdreckt durch Wildkirschen, fehlendes schattenspendendes Sonnensegel), nicht wirklich vorhandene Anlauf- und Treffpunkte sowie die stattdessen von den Heranwachsenden genutzten und oftmals zugemüllten "Ausweichquartiere" und Hütten am "Schutzheiligen" und im Alexanderweg, eine mutmaßliche Drogenproblematik mit suspekten Dealer-Treffs im Forstweg, am Skaterplatz und zwischen den Schulgebäuden sowie das Projekt "JaS" (Jugendsozialarbeit und Schule).

Wünsche wurden geäußert hinsichtlich einer Unterstützung der städtischen Sozialarbeiterin Ulrike Abersfelder durch drei bis vier männliche Kollegen, eine stärkere Einwirkung durch Erziehungsberechtigte und Lehrer sowie mehr Präsenz und Sanktionen der Polizei in diesem Zusammenhang. "Schutzwächter" Michael Vent formulierte es überspitzt: "Die Jugend braucht Anlaufpunkte, wo sie mal ihre Ventile öffnen, sich austoben, Blödsinn machen und gegebenenfalls auskotzen kann." Eine besorgte Mutter, Claudia Dorn, sagte es so: "Meine Jungs hängen nur noch an der Skateboard-Rampe rum. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich will nicht, dass die Jugend in Bad Brückenau in einer Schublade verschwindet. Wir sollten alle mehr für die Jugendarbeit sensibilisieren." Gerlinde Martin, leicht polemisch in Richtung Bürgermeister auf ein Vorzeigeprojekt im württembergischen Igersheim verweisend: "In Römershag und allgemein in ganz Brückenau wird sehr wenig für Kinder und Jugendliche getan."

Vogels Replik auf alle Vorwürfe und auf das aktuelle Projekt "Mehrgenerationenspielplatz" bei der Musikschule hinweisend: "Das klingt wie eine Ohrfeige für alle Vereine und die durch sie geleistete umfänglich große ehrenamtliche Arbeit." Gleichwohl versprach das Stadtoberhaupt: "Ich nehme mir das sehr zu Herzen. Es muss ein Mix aus Allem sein. Ich werde mit den Schulleitungen, der Polizei und dem Landrat sprechen. Die Stadt allein kann freilich nicht für alles als Lückenfüller auftreten."

Lkw-"Umbrücken" und Kot

Abschließend wurde noch das als extrem störend, weil laut scheppernd empfundene, mitunter bis tief in die Nacht andauernde und massiv den Schlaf störende Lkw-"Umbrücken" zwischen SV-Sportplatz und -Sportheim angesprochen (Vogel: "Mit der Herrichtung des dortigen Platzes ist das Problem demnächst gelöst."). Es wurde die Installation einer mobilen Toilette am Skaterplatz angeregt (eine angeekelte Hundehalterin, nachdem ihr Fiffi sich vor Ort unlängst in übelriechenden Hinterlassenschaften gewälzt hatte: "Da liegt mehr menschlicher Kot als Hundekacke."), Monika Wiesner verteidigte gegenüber Inge Lochner die von der als zu üppig bepflanzt empfundenen Blumenkübel, es wurden fehlende Mülltonnen am Rhönexpress-Radweg moniert, und Karl Knüttel outete sich als Ortsunkundiger, als er frühmorgens von auswärtigen Touristen nach Essensmöglichkeiten in der Kernstadt gefragt wurde.

Lob von den Stadträten

Schließlich lobten noch - auf Nachfrage von "Tante-Emma"-Ladenbetreiber Vent, was sie explizit am Bröggenäer Ortsteil störe bzw. man positiv hervorheben könne - die Römerhäger Stadträte Dieter Seban und David Fronczek, dass man hinsichtlich der städtischen Beiträge zum Ortsbild und des bis dato Geleisteten "gar nicht mal so schlecht aufgestellt" sei. Fronczek freilich äußerte den Eindruck, "dass die Römerhäger wieder mehr zusammenkommen sollten". Früher habe sich das Dorf mehr als Einheit gesehen, "mir fehlt ein wenig die einstige Identität".

Ratsmitglied Emanuel Fritschka zog, nachdem er - vor allem die Jugend - zu mehr Impfbereitschaft als die bisherigen rund 65 Prozent aufgefordert hatte, das Schlussfazit: "Wir sollten vor allem Bürgermeister Jochen Vogel und auch Kämmerin Julia Spahn Lob und Dank für die Zuschüsse aussprechen. Bei aller berechtigter Kritik wurde sehr viel Positives für Römershag getan und erreicht."