Im Schatten der Bäume an der Edelruh blickt Jochen Vogel (CSU) über die Stadt. Seit Mai ist der ehemalige Mottener Bürgermeister derjenige, der nun für die Kurstadt die Weichen stellen möchte. "Ich fühle mich in Bad Brückenau sehr gut aufgenommen. Corona hat es ermöglicht, mich schon jetzt in viele Details einzuarbeiten", sagt er. Der Kontakt mit den Bürgern aber sei aus diesem Grund bisher noch etwas zu kurz gekommen.

Über strukturelle Veränderungen in der Verwaltung nachzudenken, dafür sei es noch zu früh. Mittelfristig sehe er aber im Bereich Social Media Handlungsbedarf. Die drei wichtigsten Themen für die Stadt sind für ihn die Generalsanierung der Therme Sinnflut, die Umgestaltung des Bahnhofgeländes mit einer besseren Einbettung des Bahn-Radwegs sowie die Sanierung des Rathauses. Denn wie es mit dem Rathaus weitergeht, habe auf andere Einrichtungen wie die Tourist-Info und die Bibliothek Auswirkungen.

Sanierung der Therme könnte 2022 beginnen

"Ich war in München und habe ein sehr positives Gespräch geführt", berichtet Vogel zum Stand der geplanten Generalsanierung der Therme Sinnflut. Nun müsse die Stadt weitere Zuarbeit für die Förderstellen leisten. Der Charakter des Bades als Anlaufstelle für Familien mit ergänzendem Wellness-Angebot solle erhalten bleiben. "Die Sinnflut ist ein Magnet für die ganze Region", begründet er.

Zwischen 20 und 25 Millionen Euro Investitionssumme stehen im Raum. Nach dem Besuch in München zeigt sich Vogel optimistisch: "Das ist stemmbar." Am Donnerstag möchte er in nicht-öffentlicher Sitzung mit den Stadträten über das Thema sprechen. Die Öffentlichkeit sei ausgeschlossen, weil es um Vertragsangelegenheiten gehe, erklärt er. Im Jahr 2021 könne der Umbau geplant und 2022 mit den Arbeiten begonnen werden, skizziert er den Zeitplan.

Auch um die Umgestaltung des Bahnhofsareals wird es in der nächsten Sitzung gehen. Dieser Punkt wird öffentlich beraten. Das Fachbüro stellt die Rahmenplanung vor, wie es schon für Anfang dieses Jahres angekündigt war. Manche Bürger munkeln, der versprochene zweite Workshop zur Bürgerbeteiligung werde gestrichen. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, reagiert der Bürgermeister fast ein wenig ungehalten. "Ich kann Corona nicht ausblenden", sagt er. Er wisse nicht, wie eine solche Bürgerwerkstatt mit Abstand und begrenzter Teilnehmerzahl machbar sein solle.

Der Spielplatz-Initiative, die mehrere Fraktionen des Stadtrats eingebracht haben, steht Vogel positiv gegenüber. Allerdings hält er die Idee, drei Spielplätze auf einmal aus der Rahmenplanung herauszulösen und so früher umzusetzen, für nicht umsetzbar. Die Initiative hatte vorgeschlagen, einen Spielplatz für die Kleinen an der Musikschule, einen weiteren direkt gegenüber auf dem Gelände des ehemaligen Minigolfplatzes und ein drittes Areal für die Jugend am Backhaus des Obst- und Gartenbauvereins hinter dem Georgi-Kurpark zu verwirklichen.

Keine Sorgen um Finanzen

Keine Sorgen macht sich der Bürgermeister um den Haushalt. Er setze darauf, dass die versprochenen Ausgleichszahlungen von Bund und Freistaat Bayern überwiesen werden. Weil wegen der Corona-Pandemie vielerorts Gewerbesteuer-Einnahmen wegbrechen, soll das Geld klamme Kassen in Städten und Gemeinden verhindern und Investitionen ankurbeln.

Die Zusammenarbeit im Stadtrat ist aus Sicht der Fraktionssprecher sehr gut angelaufen. Auch Vogel stellt den Räten ein gutes Zeugnis aus: "Ich habe das Gefühl, dass alle daran interessiert sind, Bad Brückenau weiter voranzubringen - ohne das an der Gruppierung festzumachen." In der Rhönallianz hat Vogel den Platz des Vorsitzenden übernommen, den bereits seine Vorgängerin Brigitte Meyerdierks (CSU) innehatte.

"Ich bin heilfroh, dass wir in der Rhönallianz soweit sind, dass alle acht Bürgermeister sagen: Ja, wir brauchen ein gemeinsames Klärschlammkonzept", berichtet er von der Arbeit der Allianz. Für die Stadt selbst wünscht er sich ein positiveres Selbstbild. "Was mich persönlich sehr freuen würde: Wenn wir eher die bunte Blume als den Dreck in der Ecke sehen", sagt Vogel.