Ein Herzensprojekt, so nennt es Stadträtin Franziska Kaul (CSU). Die Grundlage: 15 Prozent der Bad Brückenauer Bevölkerung ist unter 18 Jahre. "Das sind immerhin fast 1000 Kinder und Jugendliche", rechnet die Referentin für Familie, Soziales und Jugend, vor. Gemeinsam mit ihren Kollegen Heike Greenberg-Kremser (PWG), Referentin für Schulen und Spielplätze, und Kindergartenreferent Florian Wildenauer (SPD) plant sie seit zwei Jahren einen Spielplatz als Besuchermagneten - für alle Generationen.

"Fakt ist, dass die vorhandenen Spielplätze seit etwa 30 Jahren nicht verändert wurden", bemängelt sie. Für eine Gesundheitsstadt sei der Zustand nicht vertretbar, meinen auch Greenberg-Kremser und Wildenauer. Ihr Vorhaben ist ambitioniert: Ein Spielplatz auf drei Flächen. Einen für die ganz Kleinen direkt neben der Musikschule, einen für die etwas größeren Kinder gegenüber auf dem Gelände der ehemaligen Minigolfplatzes, und einen für die großen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auf der großen Rasenfläche gegenüber des Backhauses am Kirkham-Weg zur Sinn hin.

Eigene Erfahrung

Auf dem großen Areal an der Sinn ist besonders viel Platz, um Spiel und Bewegung freien Lauf zu lassen: Eine Seilbahn, eine Kletterpyramide, ein Trampolin, eine Body-Weight Station und ein Ninja-Parcours sind vorgesehen. Für das Vorhaben haben sich die drei Stadträte Angebote von zwei zertifizierten Spielplatz-Anbietern eingeholt und individuell planen lassen. Für rund 200 000 Euro insgesamt seien alle drei Spiel-Zonen umsetzbar. "Es ist möglich, dass wir im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen", schätzt der Referent für Kindergärten, Wildenauer, ein.

Dass alle drei Stadträte Kinder haben, spielt ihnen hier in die Karten, findet Wildenauer. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, was Kinder in den unterschiedlichen Altersgruppen spielen möchten." Gesetzliche Vorschriften für öffentliche Spielplätze seien in den Plänen mit berücksichtigt. "Wir haben uns zwei Jahre intensiv in das Thema eingearbeitet", untermauert Kaul. Auch das Thema Inklusion spiele bei dem Konzept eine große Rolle.

Parcours für Jugendliche

Ebenfalls bei ihren Recherchen ist Kaul auf den Artikel 7 in der Bayerischen Bauordnung gestoßen. In Absatz 3 heißt es dort, dass bei der Errichtung von Gebäuden mit mehr als drei Wohnungen in unmittelbarer Nähe ein ausreichend großer Spielplatz anzulegen ist. Die Untere Bauaufsichtsbehörde ist für die Einhaltung der Satzung zuständig. "Die Kontrolle und Umsetzung liegt demnach im Landratsamt Bad Kissingen", bestätigt Leo Romeis, Fachbereichsleiter der Stadt Bad Brückenau. "Wir fordern die Einhaltung dieses Artikels nach der Bayerischen Bauordnung", sagt Kaul.

Auch in der Haushaltsberatung Ende Mai brachte das fraktionsübergreifende Team das Thema auf den Tisch: Romeis stellte damals klar: "Für den Spielplatz gibt es nur dann eine Förderung, wenn er im Rahmen des Architektenwettbewerbes für das Förderprogramm Stadtumbau West eingereicht wird."

Die Finanzierung sehen die drei Stadträte doch auch dann als machbar, wenn der Spielplatz nicht in diesem Rahmen gefördert werden sollte: "Wir haben im Haushalt 200000 Euro für den Spielplatz einplanen lassen."

Auch wegen der städtischen Einkommens-Einbußen durch Corona sehen sie keine Einschränkungen. Im Gegenteil: Die Lage des Spielplatzes nur 100 Meter vom Radweg entfernt könnte mehr Besucher in die Stadt locken. "Außerdem brauchen wir ein Alternativangebot, wenn die Therme Sinnflut über einen längeren Zetraum saniert wird", argumentiert Wildenauer.

Jugendsozialarbeiterin Ulrike Abersfelder ist vom Projekt überzeugt. "Wir haben mit den Jugendlichen gemeinsam über das Konzept diskutiert. Sie sind absolut begeistert, auch weil ihre Idee eines Ninja-Parcours berücksichtigt wurde." Abersfelder bestätigt das Fehlen von Freizeitangeboten für die Jugendlichen. "Es muss unbedingt was getan werden, das haben sie bereits in der Bürgermeisterkandidaten-Diskussion im Februar klar gemacht."