Manchmal klingt ein Tagesordnungspunkt ganz unscheinbar, doch dann springt unvermittelt die Katze aus dem Sack. Die Vorstellung der Entwurfsplanung für die Generalsanierung der Mittelschule war angesetzt. Vertreter des Architekturbüros Roth und Partner aus Kitzingen und des Ingenieurbüros Helfrich aus Bad Kissingen stellten den Stadträten die Details der umfangreichen Maßnahmen vor - zumindest den Räten, die zur Sitzung am Dienstagabend erschienen waren. Sieben Räte fehlten, ein weiterer verließ den Saal im Laufe der Sitzung.


Fassade wird wohl komplett neu

Als Knackpunkte stellten sich zwei Aspekte heraus: die Sanierung der Fassade und die Belüftung der Klassenzimmer und Fachräume. Die Fassade aus Naturschiefer könne wohl nicht erhalten werden, erklärte Heiner Roth. Während die obere Schieferfassade quasi neuwertig sei, gebe es im unteren Bereich Schäden. Auch der Sockelbereich aus Beton sei schadhaft. Da die Fenster ausgetauscht werden, geht Roth davon aus, dass 20 Prozent der Fassade durch die Bauarbeiten erneuert wird. Die Energiesparverordnung aber gebe vor, dass die gesamte Fassade saniert werden müsse, wenn zehn Prozent ohnehin gemacht würden.

Das stellte die Stadträte vor ein Dilemma: "Liegt die Entscheidung überhaupt noch bei uns?", fragte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Der Architekt machte deutlich, dass seiner Einschätzung nach die Fassadenerneuerung nicht vermeidbar sei. Das überzeugte Meyerdierks nicht, so dass sie auch Wilfried Helfrich um seine Meinung bat. "Ich kann es nicht einschätzen", sagte dieser. Beim Bau der Schule sei bewusst auf ein werthaltiges Material gesetzt worden. "Ich verstehe Ihren Zwiespalt", sagte Helfrich.


Unmut über engen Spielraum

"Warum werden wir überhaupt gefragt...", brummte Kurt Abersfelder (CSU) frustriert. "Mir tut es in der Seele weh, unsere schönen Naturschieferplatten einfach wegzuschmeißen und durch ein Kunstprodukt zu ersetzen", sagte Karlheinz Schmitt (CSU). Dritter Bürgermeister Dieter Seban (CSU) sprach von einer "Verschwendung von Steuergeldern" und Benjamin Wildenauer (SPD) nannte es "unglücklich", dass Roth nur ein Materialmuster, das ballbruchsicher und mit einem Graffitischutz versehen sein soll, zur Anschauung mitgebracht hatte.

Wildenauer fragte außerdem nach den Mehrkosten für die Fassadenerneuerung. Belastbare Zahlen dazu lagen aber noch nicht vor. Schlussendlich sprach sich der Stadtrat einstimmig dafür aus, bei den zuständigen Behörden um eine Ausnahmegenehmigung zu bitten, um die Naturschieferfassade erhalten zu können.

Ähnlich kontrovers ging es bei der Frage der Belüftung zu. Die Räte mussten entscheiden, ob - wie auch in der Grundschule - eine dezentrale Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut werden soll oder die Räume weiterhin von Hand gelüftet werden. Da die Mittelschule nach der Generalsanierung quasi dicht sei, bestehe die Gefahr von Schimmelbildung, erklärte Wilfried Helfrich.


Für und Wider bei der Lüftung

Stadtrat Karlheinz Schmitt (CSU) war nachdrücklich gegen eine Belüftungsanlage, da die Wartungskosten Einsparungen bei Weitem überstiegen. Erwin Miller (Freie Bürger) bezeichnete die Anlage dagegen als "zwingend nötig". Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass heutzutage weniger die Kostenersparnis für die Kommune als vielmehr die Einsparung von Energie auch mithilfe teurer Technik im Mittelpunkt stehe. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Schulleitung gegen eine Belüftungsanlage ausgesprochen hatte.

Aufschieben aber könne der Stadtrat die Entscheidung kaum, da die Fachbüros weiter planen müssten, machte Leo Romeis, Fachbereichsleiter Finanzen bei der Stadtverwaltung, klar. Bis Ende des Jahres will er den Förderantrag stellen, denn weil die Stadt auch in diesem Jahr Stabilisierungshilfe erhalten hat, kann das Projekt mit einer höheren Förderquote als üblich rechnen. Bei geschätzten Gesamtinvestitionskosten von etwa acht Millionen Euro macht das schon einen Unterschied.


Gesamtplanung abgesegnet

"Ich fühle mich ein bisschen unter Zugzwang gesetzt", sagte Zweiter Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG). "Ich möchte über eine Schulleitung hinweg nicht entscheiden." Am Ende tat der Stadtrat aber genau das: Mit 8:5 Stimmen sprach sich das Gremium für eine Belüftungsanlage aus. Ein Missverständnis aber räumte Helfrich noch aus: Auch wenn nun eine Belüftungsanlage gebaut werde, könnten weiterhin die Fenster jederzeit manuell geöffnet werden.

In einem weiteren Beschluss, der einstimmig fiel, segnete der Rat den Gesamtentwurf ab, so dass die Planungsbüros ihre Arbeit fortsetzen können.


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