Seite um Seite spuckt der Drucker Tabellen aus, die Michael Worschech auf seinen Schreibtisch legt. 6487 Einwohner mit Hauptwohnsitz zählt die Stadt Bad Brückenau, drei mehr als im Vorjahr. Der älteste Bürger wird heuer seinen 103. Geburtstag feiern, die jüngsten krabbeln noch auf dem Boden herum: 55 Kinder sind im vergangenen Jahr zur Welt gekommen, eines davon zuhause. "Der Nachwuchs in der Stadt ist gesichert", sagt Worschech, der im Rathaus für die Bereich Interne Dienste, Bürgerbüro und Kultur zuständig ist, erfreut. "Da war die Entscheidung für den Anbau an den Kindergarten absolut richtig."

In den Jahren 2014, 2013 und 2010 hatte sich die Zahl der Geburten auf ähnlichem Niveau bewegt. Doch Einbrüche dazwischen - 2011 wurden nur 33 Kinder geboren - weckten immer wieder Sorgen um den Fortbestand der Stadt. Tatsächlich ist die Einwohnerzahl seit dem Jahr 2010 um 269 Personen gesunken. Für das Gebiet der Rhönallianz (siehe unten) wurde ein Rückgang von insgesamt 629 Personen (inklusive Bad Brückenau) registriert. Das entspricht einem Bevölkerungsrückgang von 3,2 Prozent innerhalb von sechs Jahren.


Einfluss durch Asylbewerber

Berechnungen der Allianz gehen von einem Rückgang von durchschnittlich neun Prozent aus - wenn man die Jahre 2009 und 2021 zugrunde legt. So schlimm aber scheint es nicht zu kommen. Doch Allianzmanager Uwe Schmidt warnt: "Man muss diese Zahlen differenziert betrachten." Denn die Zuwanderung durch Asylbewerber und deren zum Teil hier geborene Kinder schlügen sich ebenfalls in der Statistik nieder - was nicht heiße, dass die Menschen langfristig in der Region blieben.

"Überalterung und damit verbunden das Problem der Leerstände in den Ortskernen ist davon unbeeinflusst", stellt Schmidt klar. In Bad Brückenau leben aktuell 634 Ausländer, davon sind 73 Asylbewerber aus Volkers. Die Flüchtlinge aus Wernarz tauchen noch in der Statistik auf, die Unterkunft wurde aber Ende vergangenen Jahres geschlossen.


Zuwachs gleicht Sterbefälle aus

"Dass unsere Einwohnerzahl stagniert, ist unterm Strich ein positiver Trend", sagt Michael Worschech. Er erklärt: Wenn 55 Kinder geboren werden, aber 167 Menschen sterben, bedeutet das eigentlich ein Minus von 112 Personen. In diesem Fall sind die Flüchtlinge jedenfalls nicht für die Entwicklung verantwortlich. Deren Zu- und Wegzüge dürften sich im vergangenen Jahr in etwa die Waage gehalten haben. Neue Arbeitsplätze durch das Haus Waldenfels, der Zuzug von den Bewohnern des Betreuten Wohnens des Dominikus-Ringeisen-Werks oder Rückkehrer in die Heimat - Worschech kann über die Gründe nur spekulieren. Und sich freuen.


Ein Blick auf die Gemeinden der Rhönallianz:

Geroda ist die kleinste Gemeinde im gesamten Landkreis. 831 Einwohner sind zwei weniger als im Vorjahr. 2010 zählte der Markt noch 927 Einwohner, also knapp 100 Leute mehr. Fünf Geburten stehen neun Sterbefällen gegenüber.

Motten hat mit 1772 Einwohnern exakt die Zahl aus dem Vorjahr gehalten. 19 Kinder, davon drei von Asylbewerbern, kamen zur Welt, 20 Menschen starben. Im Vergleich zum Jahr 2010 verzeichnet die Gemeinde einen Rückgang von 22 Personen.

Oberleichtersbach ist die einzige Gemeinde der Rhönallianz, die seit 2010 gewachsen ist, und zwar um 21 Personen. 2071 Einwohner zählt die Verwaltung, drei weniger als im Vorjahr. 21 Geburten und 14 Sterbefälle sind zu verzeichnen.

Riedenberg hat 17 Einwohner weniger als im Vorjahr, nämlich genau 988. Vier Kinder, darunter ein Flüchtlingskind, kamen zur Welt, neun Personen starben. Der Rückgang im Vergleich zu 2010 fällt mit 28 Einwohnern moderat aus.

Schondra beklagt den größten Verlust an Einwohnern im Landkreis: 37 weniger als noch im Vorjahr. Aktuell zählt der Markt 1684 Personen. 13 Kinder, darunter Flüchtlingskind, wurden geboren, 13 Sterbefälle gab es. Aber alles halb so schlimm: Im Vergleich zu 2010 sind es nur 58 Einwohner weniger.

Wildflecken hält mit 2958 die Einwohnerzahl ungefähr konstant. 21 Geburten stehen 35 Sterbefällen gegenüber. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist ein Rückgang von 115 Einwohnern eingetreten.

Zeitlofs zählt aktuell 2073 Einwohner, 15 weniger als im Vorjahr. 2010 lebten noch 2135 Menschen im Markt, also 62 weniger als heute.


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