Jürgen Neubauer stammt aus Bad Brückenau. Nach Stationen in England und den USA lebt der freiberufliche Übersetzer und Autor nun schon seit 14 Jahren in Mexiko. Sein neues Buch beschäftigt sich mit dem ländlichen Mexiko. Am 1. September liest Neubauer in der Galerie Form und Farbe daraus vor.

Herr Neubauer, Sie leben seit 14 Jahren in Mexiko und waren davor unter anderem in London und den USA zuhause. Ist Bad Brückenau da immer noch Heimat? Heimat ist so ein belasteter Begriff. Aber wenn ich an Heimat denke, habe ich auch Bilder aus Bad Brückenau im Kopf. Bäume, Waldstücke, Wiesen ... Einer meiner Lieblingsorte hier ist die Pilsteralm. Irgendwann hört Heimat auf, ein konkreter Ort zu sein. Es wird vielmehr ein innerer Ort. Für mich ist Heimat eine ganze Reihe von Landschaften, die in meinem Leben eine Rolle gespielt haben.

Was hat Sie eigentlich nach Mexiko verschlagen? Die Liebe. Aber ich hatte schon immer so einen Wandertrieb. Früher oder später wäre ich wohl gegangen, wenn ich auch nicht weiß, wohin.

In Ihrem Buch "In Mexiko" beschreiben Sie eine mexikanische Kleinstadt. Sie sagten einmal, sie sei ungefähr so wie Bad Brückenau, aber doch ganz anders. Wie haben Sie das gemeint? Ich glaube, in einer Kleinstadt zu leben, ist überall auf der Welt ähnlich. Malinalco, ein kleiner Ort in den Bergen, in dem ich mehrere Jahre mit meiner Frau gelebt habe, ist für mich wie ein Brennglas. Jeder kennt jeden und man stößt schnell darauf, wie das Zusammenleben der Menschen funktioniert. Durch diese Erfahrung habe ich Mexiko als Land viel besser verstehen gelernt.