Gemütlich Kaffeetrinken am Wochenende im heimischen Garten? Für Familie Walter (Namen geändert) kein Vergnügen. Denn dann verstehen sie wegen Lärms ihr eigenes Wort nicht mehr.

Die Walters wohnen direkt an der B286, zwischen dem Ortsausgang Römershag Richtung Autobahn und der Kreuzung der Bundesstraße mit dem Bahnradweg. Dort rumpeln täglich LKW vorbei. Vor allem die leeren Laster klappern, wenn sie die löchrige Piste und die leichte Kurve passieren, in der der frühere Bahnübergang liegt.

"Nach dem Ortsschild an der Brücke zum Gasthaus Breitenbach beschleunigen die Autos und Motorräder bis auf 70 oder 80 km/h, bevor sie vor dem Übergang wieder abbremsen müssen", hat Silvia Walter beobachtet. "Die Lärmbelästigung ist immens." Bei einer Autobahnsperrung seien Verkehr und Krach besonders schlimm.

Anwohner fordern Tempolimit

Deswegen fordern die Anlieger eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen Ortsausgang und Bahnradweg auf 50 oder 60 km/h - zumal die in der Gegenrichtung - von der A7 kommend - schon besteht. Von oben herab darf etwa 200 Meter vor dem Bahnübergang bis zum Ortseingang Römershag maximal 60 gefahren werden.

Die Gelegenheit scheint günstig. Denn das Staatliche Bauamt Schweinfurt kündigt auf Nachfrage die Sanierung der B286 östlich von Römershag auf 1,3 Kilometer Länge für die zweite Jahreshälfte 2021 an. Dabei soll auch die Kreuzung mit dem Bahnradweg entschärft werden.

Denn die Behörde hat diese Stelle als Gefahrenpunkt erkannt. "In der Vergangenheit kam es im Bereich der Radwegquerung vermehrt zu kritischen Situationen, Beinaheunfällen und einem Unfall wegen der Missachtung der Vorfahrt", schreibt Pressesprecherin Nina Löhner.

Kreuzung als Gefahrenstelle erkannt

Um ihn sicherer zu machen, werde der Verlauf des Radwegs im Kreuzungsbereich mit der Bundesstraße geringfügig verändert. "Die Radwegquerung soll hier baulich so angepasst werden, dass der Radweg möglichst in einem rechten Winkel auf die Bundesstraße trifft und dadurch gute Sichtbedingungen in beide Fahrtrichtungen gewährleistet und die Vorfahrtsregeln verdeutlicht werden. Die Kreuzung soll damit übersichtlicher und eindeutiger für die Radfahrer sein und das Unfallrisiko verringern."

Das bedeutet konkret: Der Radweg, der jetzt noch gerade noch geradlinig auf die Bundesstraße zuführt, wird vor der Kreuzung in Fahrtrichtung Riedenberg zunächst leicht nach rechts verschwenkt, ehe er in einer S-Kurve im 90-Grad-Winkel auf die B286 trifft und auf die ursprüngliche Bahntrasse zurückkehrt. "Die Kreuzung soll damit übersichtlicher und eindeutiger für die Radfahrer sein und das Unfallrisiko verringern."

Im Bereich des ehemaligen Bahnübergangs will das Staatliche Bauamt das Höhenprofil der Straße leicht verändern und so die Bodenwelle entschärfen, die sich durch den entgegen der Straße geneigten Bahndamm ergibt. Außerdem sollen die Bahngleise ausgebaut werden, die immer noch im Asphalt verankert sind.

Was ist sonst noch auf den 1,3 Kilometern Ausbaustrecke geplant? Nina Löhner schreibt: "Im Zuge der Maßnahme werden die Deck- und Binderschicht sowie teilweise auch die Tragschicht erneuert und die Straße, welche abschnittsweise Engstellen mit einer Breite von unter sechs Metern aufweist, verbreitert."

Neue Deckschicht soll Lärm mindern

Durch die Sanierung der Bundesstraße und die neue Deckschicht verspricht sich das Staatliche Bauamt bessere fahrdynamische und Oberflächen-Eigenschaften und damit mehr Verkehrssicherheit. Dazu betrage auch die Beseitigung der Engstellen bei. "Die Deckschichterneuerung soll sich darüber hinaus positiv auf die Lärmproblematik auswirken. Die neue, ebenmäßigere Asphaltdecke soll den Lärm verringern, der bislang durch das Überfahren von Schlaglöchern und Unebenheiten entstanden ist." Kosten soll das Projekt 533 000 Euro.

Den geplanten Ausbau der B286 begrüßt die Anliegerfamilie Walter zwar. Doch sie fürchtet, dass wegen der besseren Fahrbahn dann sogar mit 100 hoch zum Bahnradweg gefahren wird. Deswegen wäre Silvia Walter vor allem "mit der Geschwindigkeitsbegrenzung zufrieden. Unseres Schutzes und dem der Fahrradfahrer wegen. Dann wäre viel erreicht."

Allerdings scheint der Weg dorthin beschwerlich. Denn Einzelinteressen der Anlieger zählen wenig, so Silvia Walter. Und Römershags Ortssprecher Dieter Seban (CSU) berichtet auf Nachfrage, dass auch eine Versetzung des Ortsschilds an die Kreuzung mit dem Bahnradweg eher schwierig wird. Die Untere Verkehrsbehörde beim Landratsamt stimme dem nicht zu, weil die Bebauung mit Wohnhäusern dort nicht beiderseits der Straße vorhanden sei.

Das sei zumindest bei einem Termin vor Ort so kommuniziert worden. Daran nahm neben Seban, den Anliegern und Vertretern des Staatlichen Bauamtes auch Stadtrat David Fronczek (SPD) teil. Übrigens: Als die Bahnstrecke noch von der Sinntalbahn genutzt wurde, stand das Ortsschild schon einmal oben an der Strecke.

Lärmschutzwand aus eigener Tasche

Das Staatliche Bauamt macht indes klar, dass außer dem Ausbau der B286 "weitere Maßnahmen zur Lärmreduzierung nach jetzigem Stand nicht geplant" sind. Bei den Geschwindigkeitsbegrenzungen und dem Versetzen von Ortsschildern verweist Löhner grundsätzlich auf das Landratsamt. ". Inwiefern hier ein Anspruch besteht, wird im Rahmen eines gemeinsamen Termins zwischen der Unteren Straßenverkehrsbehörde, der Stadt, der Polizei und dem Staatlichen Bauamt geklärt."

Die Not der Anlieger ist indes so groß, dass sie sogar eine Lärmschutzwand aus eigener Tasche finanzieren würden. Keine Kleinigkeit bei einem Grundstück, dass fast 100 Meter an die Bundesstraße grenzt. Eine meterhohe Thujahecke und eine kleinere Holzwand zum Lärmschutz stehen schon. Über Höhe, Länge und ob die zusätzliche Wand aus Holz, Stein oder mit Erde gefüllt sein soll, haben die Walters noch nicht entschieden. Auch das sicher eine Kostenfrage.

Dieter Seban hofft indes auf den weiteren Ortstermin, den er am liebsten noch diese Woche hätte. Das Staatliche Bauamt führt vor dem voraussichtlichen Baustart im Spätsommer noch "verschiedene Abstimmungsgespräche mit der Stadt Bad Brückenau, dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt" und holt für den Bau nötige Genehmigungen ein.