Seit Jahren ruft die katholische Hilfsorganisation Missio Ende Oktober dazu auf, den Blick in besonderer Weise auf die Kirche in Lateinamerika, Asien und Afrika zu lenken. Heuer steht am Weltmissionssonntag, 27. Oktober, in den katholischen Gottesdiensten die Lage in Ägypten im Vordergrund. Ein Land, in dem die Situation für Christen mittlerweile sehr schwierig geworden ist.

Im Rahmen der Aktion besuchte Botros Fahim, koptisch-katholischer Bischof des Bistums Minia, ungefähr 200 Kilometer südlich von Kairo gelegen, Deutschland. Unter anderem gastierte er in der Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach-Schondra.

Pfarrer Armin Haas feierte mit dem Gast aus Ägypten eine gemeinsame Eucharistiefeier. Bei der anschließenden Begegnung beschrieb Bischof Fahim die Situation der Christen in Ägypten aufgrund der politischen Verhältnisse als äußerst ernst. Bischof Botros Fahim blickt hoffnungsvoll auf die Zukunft Ägyptens. Er sehe viele junge Leute in seinem Land, die für Demokratie und Frieden kämpfen. Und auf die Frage, ob er keine Angst habe, heute als Bischof in Ägypten zu leben und zu arbeiten, antwortete er: "Ich habe keine Angst. Meine Hoffnung auf eine gute Zukunft kommt zum einen aus meinem christlichen Glauben, zum anderen aus meiner Zugehörigkeit zum ägyptischen Volk.

Demokratisches Bewusstsein

Er blickte zurück: Nach dem Sturz des Machthabers Mubarak 2012 seien bei Parlamentswahlen die Muslimbrüder mit Präsident Mursi durch zahlreiche soziale Wahlversprechen an die Macht gekommen. Die einjährige Regierungszeit von Präsident Mursi habe das Land an den Rand des wirtschaftlichen Niedergangs gebracht. Die zahlreichen Wahlversprechen konnten, so Bischof Fahim, nicht verwirklicht werden. So seien 22 Millionen Unterschriften gegen Mursi gesammelt worden. Vor allem die jungen Leute hätten ein neues demokratisches Bewusstsein. Die Antwort Mursis sei die systematische Verfolgung von politischen Gegnern gewesen; es habe bei den Demonstrationen zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. Am Ende stand die Absetzung Mursis.

Derzeit habe das Volk den Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi gebeten, zusammen mit allen gesellschaftlichen Gruppen eine Lösung aus der Krise zu suchen.

Die katholische Kirche, allen voran die koptisch-katholische Kirche, betreibe in Ägypten über 170 Schulen. 30 Prozent der Schüler seien Christen, die übrigen muslimischen Glaubens, so der Bischof. Die Kirche sehe im Kampf gegen den Analphabetismus eine der wichtigsten Aufgaben im Land. Gerade auch die Schulbildung für Mädchen und junge Frauen sei den Kirchen wichtig. Trotz des besonderen gesellschaftlichen Einsatzes der Kirchen für das Land werden die Christen seit der Machtübernahme durch die Muslimbrüder verfolgt, erklärte Bischof Botros Fahim. Allein 40 Schulen und Kirchen seien durch islamistische Fanatiker zerstört worden.
Christen würden diffamiert und von islamistischen Terroristen verletzt und getötet. Viele seien aus Angst vor Terror und Gewalt bereits ins benachbarte Ausland geflohen. Dennoch suche er den Kontakt mit den vielen Muslimen, die sich ein friedliches Miteinander aller Menschen guten Willens - unabhängig von der Religionszugehörigkeit - wünschen.