"Meine Eltern hatten genau so ein Geschäft!" - Susanne Lenz aus Nordheim schwelgt in Jugenderinnerungen, als sie die Ladentheke aus den 1970er Jahren im Obergeschoss der Museumsscheune im Schloss Aschach betrachtet. "Mama hat es von der Oma übernommen und bis Mitte der 1990er Jahre geführt." Sie betrachtet die nostalgischen Verpackungen von Onko, Maggi, Bärenmarke und Ata im Einkaufswagen. "Beim Einräumen habe ich oft mitgeholfen", erinnert sie sich und deutet auf das Päckchen mit der Kaffeekanne im Kreis von "Kaiser's Kaffeegeschäft" und die Schachteln mit der Frisiercreme "Fit" für den Herrn und "Flott" für die Dame: "Die gibt es heute nicht mehr."

Maria, ihre Bekannte aus der Reha in Bad Kissingen, ergänzt: "Bei uns in Spaltersdorf war der Laden sonntags nach der Kirche geöffnet. Da gingen dann die Männer hin, angeblich um noch Vergessenes einzukaufen oder für Mutti eine Kleinigkeit mitzubringen. In Wirklichkeit aber standen sie im Nebenzimmer zusammen und genehmigten sich ein Gläschen Wermut", lacht sie.


Lebensqualität für das Dorf

Es ist ausgestorben, das kleine Geschäft, der Gemischtwarenladen im Dorf, wo es Sauerkraut aus dem Steinguttopf, losen Zucker, Mausefallen und Hosenträger gab. Für die Hausfrau wurde der Einkauf durch neueste Dorfnachrichten und für die Kinder durch das geschenkte Himbeerbonbon aus dem Glas zum Erlebnis. "Der Tante Emma Laden, an der Ecke, vis-a-vis, wenn an der Tür die Glocke bimmelt...", sang Udo Jürgens 1976 und hat eine Lebenswirklichkeit beschrieben, die es heute nicht mehr gibt.


Wanderaustellung

Die Wanderausstellung des Bezirks Unterfranken hält Einkaufen in der Nachkriegszeit fest, als im umgebauten Wohnzimmer der "Schumanns Thres" Salz mit der kleinen Schaufel aus dem Holzschubkasten in die braune Dreieckstüte gefüllt und auf der Bizerba-Waage abgewogen wurde. Gurken wurden einzeln mit der Holzzange aus dem "Stücht" gefischt und in gefettetes Papier gewickelt. Das Holzfass mit Heringen stand im Keller. Die Läden waren oft nur vormittags geöffnet. Nachmittags war man Bauer oder handelte mit Kohlen. Erst ab 5 Uhr nachmittags, wenn die Bauern vom Feld zurück waren, stand man wieder im Geschäft.

Viele Bilder aus Unterfranken - eine Ansicht aus Euerdorf ist auch dabei - zeigen den Ursprung der Geschäfte und ihre Menschen, aber auch die baulichen Veränderungen, als der Lader vergrößert, Schaufenster eingebaut und eine Reklameleuchtschrift angebracht wurde. Die Geschichten handeln von Kaufmannsfamilien, oft über drei Generationen hinweg, erzählen von erzwungenen Veränderungen und neuen Anfängen, von Mut, Fleiß, Beharrlichkeit und dem Erkennen von Chancen. Und von einem Stück Lebensqualität für das Dorf.


Marktmechanismen - ihre Folgen

Schon die 1960er Jahre brachten mit verpackten Waren und der dadurch möglichen Selbstbedienung erste einschneidende Veränderungen. Das Warenangebot wurde größer, Supermärkte entstanden. Der Kunde wollte mehr sehen, auswählen, vergleichen. Discounter und Verbrauchermärkte verdrängten den "Tante Emma-Laden" fast vollständig. Bestrebungen, Dorfläden wieder zum Leben zu erwecken, müssen sich heute verändertem Verbraucherverhalten stellen.

"Es ist schön, dass die Ausstellung die Nostalgie der letzten 50 Jahre festhält, aber nicht glorifiziert. Wer will heute wirklich noch so einkaufen?", fragt Hubert K. der in einer großen Handelskette arbeitet. "Es ist schade um den persönlichen Kontakt, aber ein Cappuccino nach dem Einkauf im kleinen Cafe des Supermarkts ist vielleicht auch ein Stück Lebensqualität."

Öffnungszeiten: Die Sonderausstellung "Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein" lädt noch bis zum 30. Oktober 2016 in der Museumsscheune im Schloss Aschach zu einem vergnüglichen Bummel im Tante-Emma-Laden ein. Es ist auch eine Reise zur erlebten Vergangenheit. Die Präsentation in der Museumsscheune ist immer Dienstag bis Samstag, von 15.30 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 12.30 bis 14 Uhr und 15.30 bis 17 Uhr geöffnet.