Eva Sauer war lange Förderlehrerin, bis sie aus privaten Gründen ihre Arbeit aufgegeben hat und zuhause geblieben ist. Irgendwann dachte sie sich "du möchtest jetzt wieder etwas tun". Gerne mit Kindern. Die gelernte Köchin Stefanie Ziegler dagegen war eine Weile arbeitslos und hat sich nach einer neuen Perspektive umgesehen. Am besten etwas mit Kindern, immerhin hat sich die 31-Jährige schon immer in Jugendgruppen und im Kindergarten engagiert.


"Eine Bekannte hat mich darauf hingewiesen, dass im Mehrgenerationenhaus Tagesmütter ausgebildet werden", sagt Ziegler. Also bewarb sie sich für einen Kurs und erhielt eine Zusage. Eva Sauer wollte sich zur Familienbegleiterin fortbilden lassen und wurde ebenfalls für den entsprechenden Kurs zugelassen.

Das Mehrgenerationenhaus Bad Kissingen bildet seit sechs Jahren im Auftrag des Landkreises Tagespflegekräfte und seit zwei Jahren Familienbegleiterinnen aus. "Zum Jahreswechsel waren es 40 Tagespflegekräfte", informiert Siegbert Goll, Leiter des Jugendamtes. 71 Kinder wurden im Landkreis bisher gefördert. Zuletzt haben sich neben Stefanie Ziegler noch 14 weitere Tagesmütter qualifiziert. Eva Sauer ist eine von diesmal zwölf zertifizierten Familienbegleiterinnen.

15 Monate haben 26 Frauen und ein Mann für ihre Fortbildung gearbeitet. Sie haben gelernt, Referate gehalten, Gruppengespräche geführt und sich in Rollenspielen auf ihre späteren Einsätze vorbereitet. "Ich fand, dass es sich sehr lange hingezogen hat. Es war sehr anstrengend", sagt Eva Sauer. Dennoch hat es sich gelohnt. Beide Frauen fühlen sich gut auf ihre Aufgaben vorbereitet. Eva Sauer hat sogar während der laufenden Ausbildung als Familienbegleiterin angefangen, "weil Not am Mann war."

Als Begleiterin unterstützt sie Familien mit Problemen im Alltagskampf: Von der Kindererziehung bis zur Haushaltsführung, alle Bereiche werden abgedeckt. "Die meisten werden angesprochen, ob sie Hilfe möchten", sagt Sauer. Kindergärten, Hebammen, das Mehrgenerationenhaus und das Jugendamt vermitteln oftmals. "Meine Erfahrung ist, dass immer das Netzwerk Familie gefehlt hat. Es ist niemand da, bei dem man sein Herz ausschütten kann." Es trifft oft sozial Schwache, etwa Alleinerziehende ohne Arbeit, dafür mit finanziellen Problemen.

"Die qualifizierte Tagespflege und Familienbegleitung ist uns wichtig", betont Landrat Thomas Bold (CSU). Man könne mit der Förderung nicht früh genug anfangen. Zum einen mit der Familienbegleitung, die Familien mit Kindern bis sechs Jahre in Krisen beisteht. "Was in den ersten Lebensjahren schief läuft hat lebenslange Auswirkungen." Zum anderen geht es darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und den Frauen den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen.

"Eine flexible Kinderbetreuung ist wichtig", sagt Bold. Kitas und Kindergärten seien allein nicht in der Lage, das zu leisten. Tagesmütter werden von vielen Eltern gebraucht, weil sie die Kinder auch dann nehmen, wenn eine Kita geschlossen hat.

"Der Bedarf ist da", sagt Iris Hönig, Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses. Vor allem an Tagespflegekräften in der Rhön. Deshalb läuft bereits ein neuer Kurs, für den der Einstieg aber noch möglich ist. Der Bedarf an Familienbegleitern ist hingegen momentan gedeckt, es läuft kein neuer Kurs.

Stefanie Ziegler will sich nicht als Tagesmutter selbstständig machen. Die Bezahlung reiche nicht zum Leben. "Das war für mich fast ein Grund, während des Kurses aufzuhören", sagt sie. Mittlerweile hat sie wieder eine Stelle als Köchin gefunden und will nebenberuflich am Nachmittag Kinder betreuen. "Man macht das ja nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Kinder." Gerade Menschen mit geringem Einkommen, bei denen beide Elternteile arbeiten gehen, müssen sich die Betreuung leisten können. Da müsste der Staat finanziell mehr unterstützen, findet sie.