Schon die ersten angelegten Profile lassen demnach erkennen, dass in diesem Bauwerk zahlreiche massive Eichenbalken verbaut wurden. Der Expertin zufolge wirkt die Konstruktion technisch anspruchsvoll. Sie dürfte zudem eine repräsentative Funktion erfüllt haben. Darauf weise nicht zuletzt der Abschluss zur Mainseite hin, der mit einer Trockensteinmauer ausgeführt worden sei.
"Steinmauerwerk ist für die Eisenzeit ausgesprochen selten nachgewiesen", so Berg. "Wenn steinerne Konstruktionen dieser Zeit dokumentiert werden, handelt es sich meist um Bestandteile befestigter Anlagen, etwa von Pfostenschlitzmauern."
Bedeutung für die Forschung
Aus dem Bereich der heutigen Aschaffenburger Altstadt sind bereits einzelne Funde und Siedlungsbefunde aus der Frühlatènezeit bekannt. Dazu zählen unter anderem eine Tierkopffibel und ein goldener Fingerring. Vor diesem Hintergrund wird seit Längerem vermutet, dass sich dort ein eisenzeitlicher Zentralort befunden haben könnte.
Über die konkrete Siedlungsstruktur dieser Zeit ist bislang jedoch wenig bekannt. "Die nun entdeckte archäologische Struktur am Mainufer besitzt daher
ein außergewöhnlich hohes wissenschaftliches Potenzial", hält das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege fest.
Die weiteren archäologischen Untersuchungen erfolgen nach Angaben des BLfD in enger Abstimmung mit der Stadt Aschaffenburg. Wegen der besonderen Bedingungen in der bis zu acht bis zehn Meter tiefen Baugrube müssten die Arbeiten mit technischen, statischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen koordiniert werden.
Erstmeldung vom 15.05.2026: Rätselhafter Fund am Main: Altes Bauwerk in acht Metern Tiefe freigelegt
An der Willigisbrücke im unterfränkischen Aschaffenburg laufen bereits seit 2020 Baumaßnahmen zur Errichtung eines Regenüberlaufbeckens. Nun kamen bei den Arbeiten in etwa acht Metern Tiefe archäologische Befunde zum Vorschein. Das berichten das Bayerische Amt für Denkmalpflege (BLfD) und die Stadt Aschaffenburg jeweils in einer Pressemitteilung.
Der bislang ausgegrabene Bereich zeige "eine komplexe, mehrlagige Konstruktion aus Holz- und Steinlagen" heißt es in den entsprechenden Meldungen. Aktuell werden die Funde laut Aussagen des BLfD und der Stadt von Mitarbeitenden des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege untersucht.
Archäologischer Fund in Aschaffenburg: Historisches Uferbauwerk am Main freigelegt
Nach erster Einschätzung der zuständigen Experten könnte es sich bei dem Fund um ein Uferbauwerk handeln, das im Kontext der historischen Nutzung des Mains steht. Dazu kommt, dass das Bauwerk von beachtlicher Größe gewesen sein könnte: Seine Reste erstrecken sich auf eine Länge von fast 30 Metern, wird in den Meldungen erklärt.
Jetzt folgen Untersuchungen, die zunächst primär darauf abzielen, Fragen zu dem Aufbau und dem Alter der Anlage zu klären. Ein Vorteil für die Analyse sei die Tatsache, dass die Holzreste durch ihre Lage unterhalb des Mainpegels im nassen Erdreich besonders gut erhalten seien. Deswegen besteht bei den Wissenschaftlern des BLfD die Hoffnung, dass die historische Anlage mittels Dendrochronologie, einer Vorgehensweise zur jahrgenauen Altersbestimmung der Fälljahre von altem Holz, und weiteren naturwissenschaftlichen Methoden schon bald datiert werden kann.
Auch in Nürnberg erfreuten sich Archäologen erst kürzlich an einem besonderen Fund. Bei einer Baustelle am Obstmarkt wurden Gebäudereste aus dem Mittelalter zutage getragen. Weitere Nachrichten aus Aschaffenburg und der Region liest du in unserem Lokalressort.