Ein ungewöhnlicher Hilferuf aus dem Landkreis Ansbach hat am Mittwoch (22. Juni 2022) die Nürnberger Einsatzzentrale der Polizei erreicht: Ein 45-jähriger Mann war an einem Rastplatz an der A6 einfach von einem Bus stehengelassen worden, nachdem der Fahrer die Reisenden für eine Pinkelpause hatte aussteigen lassen. Das Fatale an der Situation: Das Gepäck und gesamte Bargeld des Mannes befanden sich noch im Bus.

Der 45-Jährige war mit einem Fernbusunternehmen auf der Reise von Prag nach Paris, als der Fahrer am Parkplatz "Rothensteig-Nord" für eine Pause anhielt. Einige Fahrgäste nutzen die Gelegenheit, um die Toilette zu benutzen, darunter auch der 45-Jährige. Als er jedoch zum Parkplatz zurückkam, fuhr der Bus gerade davon, dabei war der Mann bereits nach nur wenigen Minuten vom WC zurückgekommen. Der Busfahrer hatte die Reise einfach fortgesetzt, ohne vorher die Vollzähligkeit der Fahrgäste zu überprüfen.

Busfahrer lässt Fahrgast an A6 stehen: kein Guthaben für Hilferuf

Der Zurückgelassene rannte dem Bus noch hinterher und gestikulierte wild, um auf sich aufmerksamen zu machen - allerdings ohne Erfolg. Im Bus befanden sich jedoch noch sein Reisegepäck, Verpflegung sowie sein Bargeld. Zwar trug er seinen Reisepass und sein Handy bei sich, auf dem befand sich jedoch nicht mehr genug Guthaben für einen Anruf. Ein Passant half ihm daher, die Polizei zu verständigen.

Eine Streifenbesatzung der Polizei machte sich daraufhin auf den Weg zum Rastplatz, im Glauben, das Problem schnell beheben zu können, da das Reiseunternehmen in Deutschland ansässig ist. "Doch weit gefehlt: Die Causa gestaltete sich schwieriger als gedacht", meldet die Verkehrspolizeiinspektion Ansbach. Die Polizei informierte daher die Kollegen in Baden-Württemberg, nach dem Reisebus Ausschau zu halten.

Zudem nahmen die Beamten telefonisch Kontakt mit dem Unternehmen auf, wurden jedoch abgeblockt: Aus "Gründen des Datenschutzes" erhielten sie vonseiten des Kundenservice keine Auskunft darüber, wie der 45-Jährige sein Gepäck erhalten könne. Denn: "Es könne ja jeder behaupten, er sei von der Polizei", gibt die Inspektion das Gespräch wider.

Reiseunternehmen will gestrandetem Fahrgast nicht helfen

"Auch als der Reisende sein Glück versuchte, kam man nach einem rund zwanzigminütigen Telefonat zu keinem befriedigenden Ergebnis", heißt es in der Mitteilung. Dem 45-Jährigen wurde stattdessen gesagt, der Vorfall sei "sein Pech" und dass das Unternehmen "nichts weiter unternehmen" werde. Er solle den Verlust seines Gepäcks stattdessen bei der Polizei zur Anzeige bringen.

Polizei aus Heidelberg bei Gepäck-Rettung eingespannt

Online fanden die Polizisten aber anhand des Start- und Zielortes sowie des Reisedatums heraus, dass er nächste Halt in Heidelberg geplant war. Die Polizei vor Ort wurde daraufhin alarmiert sodass die Beamten das Gepäck aus dem Bus holen und zwischenzeitlich auf der Dienststelle verwahren konnten.

Um jedoch ohne Geld nach Heidelberg zu kommen, brachte die Ansbacher Polizei den 45-Jährigen zum Bahnhof in Schnelldorf und legte ihm die Kosten für ein 9-Euro-Ticket aus.

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Vorschaubild: © Marcel Kusch/dpa (Symbolbild)