Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Droht ein Mangel?
Die Kupferpreise steigen und steigen. Dieses Jahr sind Rekordhöhen erreicht worden. Inzwischen kostet eine Tonne des Metalls an der Londoner Metallbörse nach einem Ab und Auf ungefähr 13.000 Euro, was seit Jahresbeginn einem Plus um rund 15 Prozent entspricht. Die hohen Preise locken Kriminelle an, die das Metall aus Solarparks, Ladesäulen und leerstehenden Häusern stehlen.
Was zeichnet Kupfer aus?
Kupfer ist ein rotbraunes Industriemetall, das formbar ist, aber dennoch korrosionsbeständig. Unter den Metallen leitet einzig Silber besser als Kupfer Strom und Wärme. Das Edelmetall Silber ist allerdings zigfach teurer.
Wie wird Kupfer genutzt?
Kupfer elektrifiziert die Weltwirtschaft. Generatoren, in denen Kupferspulen verbaut sind, erzeugen Strom, und Kupferleitungen transportieren ihn. Kupferkomponenten sind in Elektroautos, Ladesäulen, Batterien, Stromnetzen, Windturbinen und Solarzellen verbaut. Der Bausektor braucht Kupfer, weil aus dem Metall Wasserrohre, Dachrinnen und Schindeln gefertigt werden.
Wie wird sich die Kupfernachfrage entwickeln?
Die Nachfrage wird übereinstimmenden Prognosen nach wachsen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA), einem Zusammenschluss von Industriestaaten, wurden vergangenes Jahr nahezu 28 Millionen Tonnen nachgefragt. Die IEA schätzt, dass die Nachfrage in einem mittleren Szenario bis 2040 um ein Viertel steigen wird. Der US-Finanzdienstleister S&P Global rechnet bis 2040 sogar mit einer Zunahme um die Hälfte.
Warum steigt die Nachfrage?
Unter anderem, weil mehr Elektroautos und -busse gekauft werden. In einem Elektroauto ist bis zu viermal so viel Kupfer verbaut wie in einem Verbrenner. Ein weiterer Grund ist der Ausbau der Stromnetze. Die IEA bezeichnete den Stromnetzausbau in China als Hauptursache für den gestiegenen Kupferbedarf. Die Stromnetze werden auch wegen des hohen Strombedarfs neuer Rechenzentren ausgebaut, in denen ebenfalls Kupfer verbaut wird.
Kann die Nachfrage gedeckt werden?
Nach Bewertung der IEA ist das nicht gesichert. Möglich sei eine 25-prozentige Versorgungslücke bis 2035. Womöglich kann die Produktion nicht mit der Nachfrage mithalten. Ein Grund: Bergbauunternehmen haben Gestein mit hohem Kupfergehalt zuerst abgebaut. Der durchschnittliche Erzgehalt in Minen ist seit 1991 um 40 Prozent gefallen, wie das Bergbauunternehmen BHP schätzt. Der Bau neuer Minen wird teurer und dauert mehrere Jahre.
Woher stammt Kupfererz?
Nach Zahlen der Internationalen Kupferstudiengruppe, einem Zusammenschluss kupferproduzierender Staaten, sind die wichtigsten Herkunftsländer Chile, die Demokratische Republik Kongo und Peru. China liegt auf Platz vier. Auf Chile entfällt annähernd ein Viertel des geförderten Erzes.