Neo-Broker Trade Republic: Darum ist er für Verbraucherzentralen ein "rotes Tuch"

Den Verbraucherzentralen gefällt das Geschäftsgebaren einiger Neo-Broker wie Trade Republic (TR) nicht. Es kommt zu Abmahnungen und Gerichtsverfahren. Aber warum ist der Broker ein "rotes Tuch" für die Verbraucherschützer? Wir haben uns umgehört.

Einen Neo-Broker zu beauftragen (beispielsweise TR, Scalable Capital, Finanzen.net Zero u.a.) ist nur für diejenigen sinnvoll, die in Wertpapiere wie Aktien, ETFs, Fonds oder Anleihen investieren. In Deutschland hatten 2025 immerhin 37,2 Millionen ein privates Wertpapierkonto, das zeigt eine Analyse von lemon.markets und Smartbroker auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Wer sein Geld in Wertpapieren anlegt, braucht ein Depot. Dafür verlangen die klassischen Filialbanken in der Regel hohe Gebühren, und zwar bis zu 800 Euro, wie die Stiftung Warentest an drei Modellen zeigt.

Trade Republic: Über 10 Millionen Kunden in 18 europäischen Ländern

Bei Online- und Neo-Brokern ist der Handel (Trade) mit Wertpapieren kostenlos oder für bis zu 1 Euro zu haben (Kauf oder Verkauf). Eines haben die Finanztechs also gemeinsam: Sie locken mit niedrigen Gebühren, und das erfolgreich. Über 10 Millionen Menschen in 18 europäischen Ländern sind nach eigenen Angaben allein Kunden von TR. Der Berliner Broker verfügt seit Neustem und offiziell sogar über eine Vollbanklizenz, vergeben von der Europäischen Zentralbank (EZB).

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Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass sich die Verbraucherschützer und die staatliche Finanzaufsicht (BaFin) genau für die Geschäftspolitik und die Methoden interessieren. Wir haben Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, nach seinen Erfahrungen mit TR befragt. Seine Bilanz fällt durchaus durchwachsen aus, wie eine Reihe von Abmahnungen und Gerichtsprozessen beweist.

Welche Kritik gibt es an Trade Republic?

"Wir mussten das Verhalten von TR mehrfach beanstanden", berichtet Finanzexperte Niels Nauhauser. Es gab zwei Verfahren, die  gingen bis vor das Landgericht II in Berlin. In der ersten Entscheidung (Urteil vom 6.7.2026,  Az.: 101 O 83/24) ging es um die Zinswerbung und endete mit einer Vertragsstrafe. TR verpflichtete sich zur Unterlassung der bemängelten irreführenden Werbeaussagen, übernahm die Verfahrenskosten und stimmte einer Vertragsstrafe von 5.500 Euro zu. Im zweiten Urteil (vom 28.7.2026, Az.: 91 O 14/25) ging es um Informationen zu Veränderungen von Zinssätzen und zur Einlagensicherung und endete nicht einem Vergleich. Den Verfahren gingen Abmahnungen voraus. Aktuell liegt eine neuerliche Abmahnung zur Kontoeröffnungspraxis von TR vor, berichtet der Finanzexperte. Ob es zum Prozess kommt, ist noch unklar. 

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"Darüber hinaus liegen uns 77 Anfragen und Beschwerden zu weiteren Sachverhalten vor, etwa zur Erreichbarkeit, zum Kundenservice und zu Depotabrechnungen", berichtet Nauhauser. Bei den Verbraucherschützern sind im Jahr 2025 350 Beschwerden bis Oktober eingegangen. Kritik gab es vor allem am Kundenservice. Auch die Stiftung Warentest übte Kritik am unzureichenden Support. Viele Kunden klagen über Standard-Textbausteine, fremdsprachige Antworten oder den Eindruck, dass auf Anfragen lediglich automatisiert durch eine KI reagiert wird. TR hat nach eigenen Angaben rund 1.000 Servicemitarbeiter aufgestockt, um das leidige Thema zu abzustellen.

Finanzexperte Nauhauser weist darauf hin, dass es nach Angaben von TR zwar jetzt einen rund um die Uhr erreichbaren Kundenservice per Telefon und Live-Chat gibt. "Allerdings erreichen uns weiterhin Beschwerden über die Erreichbarkeit des Kundenservice." Der Verbraucherschützer aus Baden-Württemberg bestätigt damit, dass die Kritik am Kundenservice trotz der Anstrengungen des Brokers nicht abreißt.

Wie sieht die Finanzaufsicht die Neo-Broker?

Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin) hatte bereits im August 2025 in einer Aufsichts­mitteilung gefordert, dass alle Neo-Broker Kunden über Einschränkungen und Alternativen beim Handel zu informieren und Anfragen zügig beant­worten. Wörtlich heißt es: "Die Banken und Broker sollen dafür sorgen, dass sie immer und auch in Zeiten hoher Auslastung störungsfrei Orders online annehmen können."

Auch gegenüber der Stiftung Warentest hat die Behörde bestätigt, dass sich 2025 "viele Privat­anleger bei der BaFin über (Neo-)Broker beschweren". Dass die staatliche Finanz­dienst­leistungs­aufsicht durchaus Instrumente im Köcher hat, um Neo-Broker zur Räson zu bringen, hat der Fall Digitalbank N26 gezeigt: Ein Sonderbeauftragter der BaFin kontrollierte lange Zeit die Geschäfte, es gab einen Deckel bei den Neukunden und eine hohe Geldstrafe von 9,2 Mio. Euro.

Und das erwartet der Verbraucherschützer Niels Nauhauser, von der BaFin, wie er auf Anfrage erklärte: Die BaFin soll im Fall von häufigen Beschwerden diesen "konsequent nachgehen und bei Verstößen ihre Instrumente nutzen. Sie ist auch dem Schutz der kollektiven Verbraucherinteressen verpflichtet." Die BaFin hat eine eigene Schlichtungsstelle (2025: 6.860 Beschwerden) geschaffen und ein Beschwerdeformular entwickelt, mit dem Verbraucher ihren Frust mit dem Wertpapierhandel ablassen können. Die meisten Beschwerden gab es zu verzögerten oder fehler­haften Depot­über­trägen und bei falscher Über­mitt­lung steuerlicher Einstands­werte. Betroffen waren „haupt­sächlich zwei Institute“ – deren Namen die Aufsichtsbehörde aber nicht nennt, wie die Stiftung Warentest enttäuscht berichtet.

Was kosten Depots im Vergleich?

Auf die Frage, ob TR besonders günstige Konditionen für Verbraucher anbietet, reagiert Nauhauser zurückhaltend. "Pauschal bestätigen kann ich das nicht. Ob Konditionen günstig sind, hängt davon ab, welche Leistungen jemand nutzt und wie sich der Preis zusammensetzt." Entscheidend sei, dass Leistungen und Preise transparent dargestellt werden.

Das zeigen auch die Testergebnisse zu Depots der Stiftung Warentest. Sie hat 23 Direkt­banken, Online- und Neo-Broker mit 26 Depot­angeboten untersucht, dazu acht Online-Depot­angebote bundes­weiter Filial­banken sowie acht Filialdepots. Zusätzlich im Test: die Konditionen für Sparpläne. Der Vergleich der Kosten zeigt: "Der teuerste Anbieter verlangt für Orders und Verwahrung über 800 Euro mehr im Jahr als die güns­tigsten." 

Besonders interessant sind die Ergebnisse zu den Neobrokern. Finanzen.net Zero, Smartbroker+, Tradegate.direct, Traders Place und Trading 212 berechneten für die Modelldepots der Stiftung Warentest keinen Euro. Auch Comdirect Pure, Joe Broker, Justtrade, N26, Scalable Capital Free und TR sind mit höchstens 12 Euro jährlich im Depotvergleich sehr günstig.

Was sagt Trade Republic zur Kritik der Verbraucherschützer?

TR antwortet auf unsere Anfrage zur Kritik der Verbraucherschützer aus Baden-Württemberg zwar, aber nur allgemein. "Transparenz, Verlässlichkeit und Fairness gegenüber unseren Kunden haben für TR höchste Priorität", erläutert die Pressesprecherin des Brokers.

Zum Vorwurf der Verbraucherzentrale, wichtige Informationen unklar darzulegen, verweist TR der auf den Anspruch des Unternehmens. Der sei es, "Produkte und Konditionen einfach, klar und verständlich zu kommunizieren." Das Erfordernis, die Zinsen zu aktivieren, sei in der Broker-App nachzulesen "und auf unserer Homepage deutlich und unmissverständlich dargestellt und ist seit Jahren bekannt." 

Auf die weiteren Fragen, ob TR es angemessen halte, dass die Verbraucherzentrale  einzelne Beschwerden zum Anlass nimmt, um Unterlassungsklagen auszusprechen und Prozesse bei Gerichten anzustrengen, gibt es keine Stellungnahme. Auch wie der Broker zu den Klagen und Abmahnungen der Verbraucherschützer steht und ob sich das Unternehmen ungerecht behandelt fühlt, gab es keine Antwort.

Fragen und Antworten (FAQ) zu Trade Republic

  • Ordergebühren: Pro ausgeführtem Trade (Kauf oder Verkauf von Aktien, ETFs, Derivaten) fällt in der Regel eine Fremdkostenpauschale von 1 Euro an. Wer allerdings gezielt an bestimmten Marktplätzen handeln möchte, zahlt 2 Euro je Order. TR kennt kein Mindestordervolumen und eignet sich daher auch für Einsteiger, die "mit kleinen Beträgen die Börsenwelt erkunden wollen", schreibt das Handelsblatt. Sparpläne: Die Verwaltung von ETF- und Aktiensparplänen ist meistens kostenlos. Kartenzahlungen & Abhebungen: Die Visa-Debitkarte ist grundgebührenfrei. Bargeldabhebungen über 100 Euro sind gebührenfrei; bei Beträgen unter 100 Euro fällt eine Gebühr von 1 Euro an.
  • Ist mein Geld bei TR sicher? Bei Guthaben gilt die Einlagensicherung und zwar bis zu 100.000 Euro über die angebundenen Partnerbanken (wobei je nach Partnerbank unterschiedliche nationale Sicherungssysteme greifen können). Partnerbanken von TR sind: Deutsche Bank AG (Deutschland); J.P. Morgan SE (Deutschland); Citibank Europe plc (Irland); HSBC Continental Europe S.A. (Frankreich); Crédit Agricole CIB (Frankreich); Natixis CIB (Frankreich); Société Générale SA (Frankreich) und SEB AB (Schweden). Das Guthaben wird in der Regel auf bis zu zwei dieser Partnerbanken gleichzeitig aufgeteilt. Die Verteilung auf die unterschiedlichen Sicherungsfonds ist für den Kunden nicht wählbar. Aber Achtung: Aktien, ETFs, Geldmarktfonds und Anleihen sind Sondervermögen und fallen nicht unter die Einlagensicherung.
  • Ist Trade Republic unschlagbar preiswert? Finanztip hat im September 2026 22 Depots bei unterschiedlichen Anbietern (Broker, Banken) analysiert. Das Ergebnis zeigt, dass TR nicht die Nummer Eins der Empfehlungen ist. Der Broker TR ist nur einer von insgesamt fünf Favoriten, die Finanztip kürte. Auch das Handelsblatt aus Düsseldorf kommt zu dem Ergebnis: Für Einsteiger sind neben TR auch Anbieter wie eToro, Scalable Capital oder Finanzen.net Zero eine gute Wahl.
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