Kostenfalle Autoversicherung: Das sollten Besitzer von chinesischen Autos wissen

Warum China-Autos wie BYD, Leapmotor & Co. in der Vollkasko-Typklasse oft teuer eingestuft werden, was der GDV dazu sagt und was Sie vor dem Autokauf prüfen können.

Die Stiftung Warentest Finanzen hatte kürzlich Kfz-Versicherungen unter die Lupe genommen. Dabei stellten die Tester fest, dass chinesische Elektroautos in der Anschaffung zwar oft sehr günstig sind - aber in der Versicherung sehr teuer. Grund dafür sind die hohen Typklassen in der Vollkasko, wie Test-Redakteur Michael Sittig auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern erklärte.

Wie schnell sich ein Elektroauto angesichts der hohen Benzin- und Dieselpreise generell auszahlen kann, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Was ist die Typklasse und was bedeutet sie?

Mit den Typklassen stufen die Autoversicherer in Deutschland gewissermaßen das Schadensrisiko für ein bestimmtes Fahrzeugmodell ein.  

  • In der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) zufolge 16 Typklassen (10-25).
  • In der Vollkaskoversicherung unterscheiden die Statistiker des GDV 25 Typklassen (10-34). 
  • Je höher eine Typklasse ist, desto tendenziell teurer ist ein Auto in der jeweiligen Versicherung. 
  • Die Einstufung ist laut GDV zwar unverbindlich, aber die Versicherer orientieren sich in der Regel stark daran.

Wie erfolgt die Typklasseneinstufung?

Der GDV berechnet die Typklassen für rund 33.000 Automodelle einmal jährlich neu. "Dafür werden die Schadenbilanzen der vergangenen 3 Jahre betrachtet - für die aktuelle Typklassenstatistik die Jahre 2023 bis 2025", erklärt eine Sprecherin. Während es in der Kfz-Haftpflichtversicherung ausschließlich um Schäden Dritter geht, geht es ihr zufolge in der Kaskoversicherung um Schäden am eigenen Auto. Hier spielt es dann auch eine große Rolle, ob ein Auto teuer zu reparieren ist.

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Ein Extrembeispiel: 15 Modelle des italienischen Sportwagenherstellers Lamborghini sind in der Typklasse für Haftpflicht sehr niedrig (13) und in der Vollkasko sehr hoch (33) eingestuft. In der letzten Schadensbilanz verursachten die Fahrer der oft mehrere 100.000 Euro teuren Autos wohl wenig Fremdschäden. Ein Schaden am eigenen Wagen verursacht bei so einem Fahrzeug aber schnell hohe Kosten.

Warum sind so viele Elektroautos aus China in hohen Vollkasko-Typklassen eingestuft?

Viele E-Autos von chinesischen Herstellern sind von der Versicherungswirtschaft in der Vollkaskoversicherung in eine hohe und damit teure Typklasse eingestuft. 

"Die von Ihnen genannten chinesischen Fahrzeugmodelle basieren noch auf den sogenannten Ersteinstufungen", erklärt eine Sprecherin des Gesamtverbands der Versicherer.  Wenn für neue Modelle noch keine Schadenbilanzen berechnet werden können, wird unter anderem die Schadenerwartung von vergleichbaren Fahrzeugen herangezogen.

In der Vollkaskoversicherung werden zudem Informationen aus Crashtests genutzt, um den Reparaturaufwand für einen durchschnittlichen Unfall im Stadtverkehr ermitteln zu können. Auch die Ersatzteilbeschaffung kann eine Rolle spielen - die teure, teilweise lange dauernde Lieferung von Ersatzteilen aus China hatte die Stiftung Warentest unter anderem als Grund angegeben. 

Anders formuliert: BYD, Leapmotor & Co. müssen nicht unbedingt dauerhaft in einer hohen Typklasse eingestuft sein. Wenn die ersten konkreten Schadensbilanzen vorliegen, kann sich das auch deutlich ändern.

Was sollten Besitzer von Autos mit hohen Typklassen tun?

Besitzer von Autos mit hohen Typklassen sollten vor allem eins tun: vergleichen! Von den rund 50 Tarifmerkmalen bei der Kfz-Versicherung ist die Typklasse zwar ein sehr wichtiges, aber bei weitem nicht das einzige Kriterium. Entscheidender sind das Alter des Fahrers und der mit den Jahren erworbene Schadenfreiheitsrabatt durch unfallfreie Zeiten.

Weil es so viele Tarifmerkmale gibt, hat man zudem auch viele Möglichkeiten, bei der Versicherung zu sparen – ohne Abstriche bei der Leistung machen zu müssen. Je nach Versicherungsgesellschaft zahlt es sich beispielsweise im wahrsten Sinne des Wortes aus, ob das Auto nachts in einer abschließbaren Garage statt an der öffentlichen Straße abgestellt ist oder ob man seinen Versicherungsbeitrag einmal jährlich statt in mehreren Raten zahlt.

Wann kann man die Autoversicherung wechseln? Warum wird immer der 30. November als Stichtag genannt?

Das Versicherungsjahr endet in der Regel am 31. Dezember, daher muss die Kündigung einen Monat vor Vertragsende - also bis zum 30. November - dem Versicherer vorliegen. Erhöht der Versicherer den Beitrag, hat man gemäß den Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung zudem ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung dafür muss einen Monat nach Ereigniseintritt - also nach Erhalt des Schreibens zur Beitragserhöhung - erfolgen.

Vorschaubild: © Lars Penning/dpa