Ihre Hoffnung: Durch so erlangte 220.000 zusätzliche kommunale Wohnungen könne die Stadt mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt bekommen, auf dem die Mieten seit Jahren sehr stark steigen. Eralp versprach auch einen Mietendeckel für kommunale Wohnungen und stärkeres Vorgehen gegen «Mietwucher».
CDU-Strategie fruchtet nicht
CDU-Mann Evers lehnte Enteignungen als Populismus ab und verwies auf aus seiner Sicht unbezahlbare Entschädigungszahlungen an die Konzerne in zweistelliger Milliardenhöhe. Er stellte die Linke im Wahlkampf in die extremistische Ecke und nannte sie «durch und durch radikal» - auch verbunden mit dem Vorwurf, die Partei tue nicht genug gegen Antisemitismus in ihren Reihen. Eine solche Partei dürfe nicht Berlin regieren.
«Wir haben für die Ausgangslage ein ganz ordentliches Ergebnis erzielt», sagte Evers. Neben dem negativen Bundestrend, der auch die SPD traf, meinte er wohl den spektakulären Personaltausch, den die Berliner CDU im Juli schon mitten im Wahlkampf vollzog. Rathaus- und Parteichef Kai Wegner trat damals nach großem Druck aus der Partei von seiner Spitzenkandidatur zurück. Grund waren immer neue Enthüllungen und Debatten über falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement bei einem Stromausfall im Januar.
Polarisierung im Wahlkampf
Die Polarisierung zwischen Linke und CDU im Wahlkampf könnte am Ende die anderen Parteien geschwächt haben. Allerdings fehlte es wohl auch an überzeugenden Konzepten. «Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin gibt es viel Unzufriedenheit und kein einziges politisches Angebot, das unterm Strich überzeugt», analysiert die Forschungsgruppe Wahlen. Die Linke sei «stärkste Partei bei einer Wahl ohne echten Sieger» geworden, die Spitzenkandidaten selten schwach und ohne große Bekanntheit.
Schwierige Regierungsbildung
Grüne auf dem Boden der Realität, SPD im Tal der Tränen - dennoch sind beide Parteien nun Königsmacher. Im Unterschied zu Linken und CDU haben sie zwei Koalitionsoptionen. Die Regierungsbildung wird schwierig. Ob am Ende über Rot-Grün-Rot verhandelt wird, hängt nach dem positiven Votum der Grünen dazu nun von der SPD ab. Deren Spitzenkandidat Steffen Krach betonte bisher klar, mit ihm werde es keine Enteignungen von Wohnungsunternehmen geben.
Allerdings ist nach der Wahlklatsche für die SPD offen, ob er sich als Parteichef im Amt halten kann und welche Konsequenzen die Partei noch zieht. Er sprach von einem «katastrophalen» Wahlergebnis - gut möglich, dass die von Flügeln geprägte Berliner SPD sich jetzt erst einmal selbst zerfleischt. Zumal über allem noch laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Krach schweben, die mit seiner früheren Tätigkeit als Regionspräsident zu tun haben. Er weist alle Vorwürfe zurück.
Clanmitglied auf Wahlparty
Doch die Linke kann ihren Weg ins Rathaus auch selbst noch stoppen. Andere Parteien, aber auch der Zentralrat der Juden werfen der Linken-Spitze vor, nicht genug gegen Antisemitismus in der Partei zu tun. In Sondierungs- oder Koalitionsgesprächen muss Eralp möglichen Regierungspartnern hier glaubwürdige Antworten anbieten. Am Wahlabend riefen einige auf der Linke-Wahlparty «Viva, Viva Palästina», als es in der TV-Übertragung um das Thema Antisemitismus ging.
Für Aufsehen sorgte auch, dass auf einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln ein führendes Clan-Mitglied auftauchte. Berlins Noch-Regierungschef Wegner sprach von einem verstörenden Signal: «Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören.»