Auch die Europäische Zentralbank dürfte am Donnerstag bei ihrer Sitzung trotz der hohen Inflation die Zinsen nicht anheben. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,5 Prozent belassen wird.
Warum eine Zinspause plausibel erschien
Mitte September hatte die Fed erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins um einen Schritt, also 0,25 Prozentpunkte, angehoben. Warsh argumentierte, dass die Entscheidung eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed unterstützen werde.
Die Teuerungsrate lag zuletzt allerdings fast doppelt so hoch wie gewünscht: Die Verbraucherpreise hatten im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent zugelegt und sich damit dem höchsten Stand seit über drei Jahren angenähert. Angetrieben wurde die Preisentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft vor allem durch Kosten für Energie, nachdem sich wichtige Rohstoffe wie Erdöl in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs deutlich verteuert hatten. Auch der Boom rund um Künstliche Intelligenz und solide Konsumausgaben heizen die Inflation weiter an.
Zugleich verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum deutlich. «Weder Inflation noch Beschäftigung liefern den Notenbankern ein klares Signal», sagte DWS-Chefvolkswirt für die USA, Christian Scherrmann.
Die anstehenden US-Parlamentswahlen dürften zudem die Entscheidung der politisch neutralen Fed beeinflusst haben, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank: «Eine Zinsanhebung hätte als Signal gegen den US-Präsidenten Donald Trump verstanden werden können.» Darauf angesprochen verneinte Warsh einen etwaigen Einfluss: «Ich habe nichts davon gehört und glaube auch nicht, dass es Einfluss auf die Entscheidung hatte.»
Zinssenkung würde keinen Sinn ergeben
Eine Zinssenkung, wie sie Trump seit langem erfolglos verlangt, halten Experten dagegen für unrealistisch. Diese lässt sich nicht mit den aktuellen Wirtschaftsindikatoren begründen. Zuletzt forderte er etwa, der Leitzins solle «bei einem Prozent oder darunter liegen».
Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Bei höheren Zinsen verteuern sich Kredite für Verbraucher und Unternehmen. Menschen und Firmen geben wegen der höheren Kreditkosten zögerlicher Geld aus, das bremst die Wirtschaft. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Mit der Straffung der Geldpolitik im September hatte Warsh gleich zwei Lager von Kritikern besänftigt. So vermissten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai tatsächliche Schritte, um der von ihm priorisierten Preisstabilität nachzukommen. Zudem nahm Warsh jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln, die ihm eine zu große Nähe zu Trump nachgesagt hatten. Mit dem Zinsschritt nach oben sahen Experten die Glaubwürdigkeit der Fed gewahrt, die von Gesetzes wegen unabhängig von der Politik über den Zins entscheiden soll.