Auch Franken wurde von einem besonders dramatischen Fall erschüttert: Im unterfränkischen Lohr am Main erschoss ein damals 14-Jähriger Anfang September 2023 einen Gleichaltrigen. Der Täter wurde im August 2024 zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Psychische Belastung und weitere Risikofaktoren
Das BKA weist darauf hin, dass die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren deutlich zunimmt. Diese Belastung kann zusammen mit weiteren Faktoren die Wahrscheinlichkeit für Gewaltstraftaten steigern.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören demnach:
- Wirtschaftliche Unsicherheiten
- Mit Gewalt verbundene Männlichkeitsnormen
- Familiäre Belastungen wie häusliche Gewalt
- Probleme im sozialen Umfeld und fehlende Unterstützung
Familiäre Schwierigkeiten, Vernachlässigung oder Gewalt werden immer wieder als Auslöser für Straftaten von Kindern und Jugendlichen genannt, so die Kriminalpolizei. Auch soziale Isolation und fehlende Perspektiven spielen eine Rolle.
Strafmündigkeit - und was Experten fordern
Das Strafgesetzbuch sieht vor, dass Kinder unter 14 Jahren grundsätzlich als schuldunfähig gelten. In den letzten Jahren wurde immer wieder diskutiert, das Alter für Strafmündigkeit zu senken – insbesondere nach besonders extremen Fällen, in denen Kinder als Täter oder Tatverdächtige auffielen.
Die Debatte wird in der Politik und Gesellschaft kontrovers geführt. Viele Experten warnen davor, dass eine Absenkung der Strafmündigkeit keine Lösung für die Ursachen jugendlicher Gewalt sei. Stattdessen wird gefordert, Prävention und Hilfsangebote weiter auszubauen, so die Kriminalpolizei. Die Zunahme der Gewalt unter Minderjährigen stellt Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Experten betonen:
- Präventionsprogramme an Schulen und in Jugendzentren müssen gestärkt werden.
- Früherkennung von psychischen Problemen und familiärer Gewalt ist entscheidend.
- Zusammenarbeit von Polizei, Jugendhilfe und Sozialarbeitern sollte intensiviert werden.
Öffentliche Debatte um Ursachen und mögliche Konsequenzen
Das BKA fordert eine stärkere Vernetzung und mehr Ressourcen für Präventionsarbeit, um Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Straftaten zu schützen. Besonders schwere Fälle werden in den Medien oft intensiv diskutiert und begleiten die öffentliche Debatte um Ursachen und mögliche Konsequenzen. Dabei wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Hintergründe kindlicher und jugendlicher Gewalt differenziert zu betrachten und emotionale Reaktionen nicht vorschnell in Gesetzesverschärfungen umzusetzen.
Viele Medien berichten zudem über die psychologischen Folgen für betroffene Familien und fordern mehr Unterstützung für Opfer und Angehörige. Die steigende Zahl minderjähriger Tatverdächtiger bei Mord und Totschlag ist ein besorgniserregender Trend.
Die Ursachen sind komplex und reichen von psychischer Belastung über familiäre Probleme bis zu gesellschaftlichen Faktoren. Die Debatte um eine Senkung der Strafmündigkeit bleibt umstritten, während Prävention und Hilfsangebote immer wichtiger werden, so das Bundeskriminalamt.