Die Suche nach Rohstoffpartnerschaften
Auch um Deutschland unabhängiger von China bei der Versorgung mit den für die Zukunftstechnologien wichtigen sogenannten Seltenen Erden und kritischen Rohstoffen sowie bei der Energieversorgung zu machen, ist Wadephul auf der Suche nach neuen Partnern. Mauretanien, wo er am Montag war, bietet hier nach Einschätzung von Experten große Potenziale, auch bei erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff.
Der Energiebereich ist bisher auch Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zu Nigeria. Nigeria ist Afrikas größter Ölproduzent und lebt zu einem großen Teil durch Einnahmen aus dem Export von Rohöl. Seit 2008 gibt es eine vom Auswärtigen Amt geführte deutsch-nigerianische Energiepartnerschaft, 2022 wurde in Abuja ein deutsch-nigerianisches Wasserstoffbüro eröffnet.
Doch auch China ist schon da: Peking ist wichtiger bilateraler Handelspartner für Nigeria – mit wachsenden Investitionen etwa in den Bereichen Infrastruktur, Bergbau, Mobilfunk und Rüstung.
Südafrika, das der Minister am Donnerstag besuchen will, ist mit knapp 600 deutschen Firmen und als bei weitem bedeutendster Handelspartner in Afrika «zentraler Ankerpunkt» (Wadephul) für die deutsche Wirtschaft. Aber auch hier sieht er besonders bei der Energiewirtschaft und im Rohstoffbereich große Chancen für mehr Wirtschaftszusammenarbeit.
Neue Migrationsbewegungen verhindern
Wadephul verspricht deutsche Investitionen in mehr Sicherheit und gegen Extremismus und Terrorismus. Ohne Hintergedanken ist dieser Ansatz nicht. In Westafrika und der Sahel-Region herrscht nach verschiedenen Militärputschen eine Dauerkrise.
Mit einer verstärkten Sicherheitszusammenarbeit mit Mauretanien und auch mit Nigeria versucht Deutschland, neue größere Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa zu verhindern. Denn auch nach Nigeria schwappt die Sahel-Krise und der Terrorismus über.
Die Suche nach neuen politischen Partnern
Mauretanien, Nigeria und Südafrika gelten der Bundesregierung als wichtige Partner beim Einsatz für internationale Krisenlösung und in multilateralen Organisationen wie den Vereinten Nationen - anders als die USA, die sich zum Beispiel aus verschiedenen UN-Organisationen zurückgezogen haben.
Nigeria gilt dagegen als politische Führungsmacht, die sich in multilaterale und regionale Foren einbringt. Auch deshalb wollte Wadephul in der Hauptstadt Abuja das Sekretariat der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) besuchen. Aus Zeitgründen fiel das Gespräch dann jedoch aus, die Delegation eilte direkt zum Außenministerium, um Wadephuls Amtskollegin Bianca Odumegwu-Ojukwu zu treffen.
Südafrika gilt schon lange als deutscher Schlüsselpartner in Afrika. Man habe eine gemeinsame demokratische Wertebasis, sagt Wadephul. «Als entschiedener Verfechter des Multilateralismus und als einziges afrikanisches G20-Mitglied» habe das Land besonderes Gewicht.