Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Grönland-Konflikt hat in der Nato für Entsetzen gesorgt. Jetzt ordnet Oberbefehlshaber Grynkewich eine verstärkte Bündnispräsenz in der Arktis an.
Die Nato erhöht ihre Militärpräsenz in der Arktis, um den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Grönland-Konflikts weiter zu entschärfen. Wie Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich ankündigte, hat die Allianz dazu ihren Einsatz namens «Arctic Sentry» (deutsch etwa: Wächter der Arktis) gestartet. Verbessert werden soll demnach die Überwachung der riesigen Eisinsel und die Abschreckung der Großmächte Russland und China. Ziel sei die Absicherung eines der strategisch bedeutendsten und zugleich klimatisch herausforderndsten Gebiete, erklärte der US-General.
Deutschland wird sich nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius im ersten Schritt mit vier Kampfjets vom Typ Eurofighter an dem neuen Nato-Einsatz beteiligen. Zudem sollten Kapazitäten zur Luftbetankung zur Verfügung gestellt werden, sagte der SPD-Politiker am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens in Brüssel. Dies könnten etwa Flugzeuge vom Typ A400M sein.
Die Arktis und der hohe Norden spielten für die Sicherheit Europas und Nordamerikas eine Rolle, sagte Pistorius. Vor allem die sogenannte Giuk-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien habe eine zentrale Bedeutung für die Schifffahrtswege in den Nordatlantik und darüber hinaus - auch für russische U-Boote.
Trump wollte Verkauf der Eisinsel erzwingen
Die verstärkte Bündnispräsenz im hohen Norden war von Alliierten wie Großbritannien angeregt worden, um den Streit um Grönland zu entschärfen. In diesem hatte US-Präsident Donald Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Insel an sein Land erzwingen wollen. Sein Vorgehen begründete er mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei. Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.
Zuletzt teilte Trump dann nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser sieht unter anderem vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewährleisten, insbesondere durch das der sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Angaben aus Nato-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht über bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Arktisinsel bekommen.
Ein Tor zum Nordatlantik
In der Nato wird dabei betont, dass der hohe Norden ein Tor zum Nordatlantik darstelle und wichtige Handels-, Transport- und Kommunikationsverbindungen zwischen Nordamerika und Europa beherberge, die geschützt werden müssten. Der Kreml betrachte die Arktis als zentral für seine Großmachtambitionen und zeige keine Anzeichen, seine militärischen und wirtschaftlichen Ambitionen dort zurückzufahren, heißt es in Bündniskreisen. Im Gegenteil habe Russland seine militärischen Aktivitäten dort sogar deutlich verstärkt, ein neues Arktis-Kommando eingerichtet sowie ehemalige sowjetische Militärstandorte in der Arktis wieder in Betrieb genommen – darunter Flugfelder und Tiefwasserhäfen.