Im Preisduell mit Aldi soll Lidl mit irreführenden Superlativen und ungenauen Rabattangaben geworben haben - nun schalten sich Verbraucherschützer ein.
Was darf Reklame, was nicht? Mit dieser Thematik befassen sich die Richter am Landgericht Heilbronn. Dort startet am Donnerstag, 19. Februar 2026, der Prozess zwischen dem Discounter Lidl und der Verbraucherzentrale Hamburg (Az. 21 O 77/25 KfH). Im Zentrum steht eine Kampagne des Lebensmittelhändlers, die im Mai 2025 für Aufsehen sorgte. Lidl hatte damals mit der "größten Preissenkung aller Zeiten" geworben. 500 Produkte sollten dauerhaft günstiger werden, hieß es.
Aus Sicht der Verbraucherschützer ist die Lidl-Reklame unwahr und irreführend. "Sie verspricht mehr, als sie tatsächlich bietet", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Kritisiert wird, dass für Kunden nicht erkennbar war, welche und wie viele Produkte reduziert wurden. Die Anzahl sei faktisch nicht nachvollziehbar gewesen, so Valet, weil Lidl keine überprüfbare Liste veröffentlicht habe. Die Verbraucherschützer haben den Discounter deshalb verklagt. Erst Anfang Februar hat Edeka für eine bestimmte Werbung vor Gericht eine Klatsche kassiert.
Mehr als 500 reduzierte Produkte bei Lidl? Vergleichs-App findet nur etwas mehr als die Hälfte
Sie sehen Verstöße gegen die Lebensmittelinformationsverordnung sowie das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Darin ist unter anderem festgelegt, dass Angaben zu Umfang und Ausmaß von Preisvorteilen nicht in die Irre führen dürfen. Das Gericht muss nun klären, ob der Discounter womöglich zu weit gegangen ist. Zum Prozessbeginn an diesem Donnerstag wird noch nicht mit einer Entscheidung gerechnet. Lidl teilte vorab lediglich mit, sich zu laufenden Verfahren nicht zu äußern.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Discounter die Vorwürfe zurückgewiesen. "Aus Wettbewerbsgründen möchten wir keine detaillierte Liste der Artikel veröffentlichen", sagte ein Sprecher damals. Die Zahl 500 beziehe sich auf die in Deutschland reduzierten Einzelartikel. Die Aktion umfasse sowohl bundesweite als auch regionale Preisanpassungen. Verbraucherschützer kritisieren, dass diese Angaben nur in einer Fußnote zu finden waren. Außerdem seien weniger Artikel reduziert worden als angekündigt.
Auch von anderer Seite wurde Lidl vorgeworfen, es in seiner Reklame nicht so genau genommen zu haben. Die Vergleichsapp Smhaggle konnte im Juni 2025 statt der versprochenen 500 lediglich etwa 270 reduzierte Produkte identifizieren, Handelsprofessor Stephan Rüschen kam auf etwa 300 Einzelartikel. In der Lidl-Reklame war mal von 500 Produkten die Rede, mal von Einzelartikeln.
Experte sieht schlechte Chancen für Lidl - "wie soll Otto-Normalverbraucher das herausfinden?"
Unklar blieb, worauf sich diese Zahl bezog und ob etwa jede Geschmacksrichtung eines Joghurts einzeln gezählt wurde. Der Ökonom Justus Haucap von der Universität Düsseldorf schätzt die Chancen für Lidl im Verfahren nicht allzu gut ein. "Zahlreiche Experten konnten nicht nachvollziehen, für welche der angeblich über 500 Produkte der Preis gesenkt worden sein soll. Wie soll dann erst der sogenannte Otto Normalverbraucher das herausfinden?"
Dass einige der beworbenen Preissenkungen offenbar nur für regional verfügbare Produkte gelten, könne vom Gericht als irreführend eingestuft werden, sagt der Professor für Wettbewerbsökonomie. Anfang des Jahres stellte Smhaggle in einer Auswertung für das "Handelsblatt" fest, dass die Preissenkungen von Lidl teilweise nicht von Dauer waren. Demnach ist mehr als ein Viertel der im Mai 2025 reduzierten Produkte inzwischen wieder teurer geworden.