Ungarns Regierungschef Viktor Orban stand bei Russland-Sanktionen jahrelang auf der Bremse. Nach seiner Abwahl könnten nun Tabus fallen.
Nach der Abwahl des in den vergangenen Jahren immer wieder blockierenden ungarischen Regierungschefs Viktor Orban droht Russland eine deutliche Verschärfung von EU-Sanktionen. Aus dem Kreis der Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten gebe es Druck, ein 21. Paket mit Strafmaßnahmen fertigzustellen, sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nach Beratungen bei einem EU-Gipfel in Zypern. Dies würde auch ein klares Signal an Russland senden, dass es nicht darauf hoffen kann, dass der EU bei der Unterstützung der Ukraine irgendwann der Atem ausgehe.
Den Angaben von Kallas zufolge sollen nun auch Sanktionen geprüft werden, die zuletzt wegen der ungarischen Haltung nicht mehr diskutiert wurden. Dazu könnten etwa Strafmaßnahmen gegen weitere russische Oligarchen und den Ukraine-Krieg befürwortende Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche zählen.
Die EU hatte erst am Donnerstag ein 20. Paket mit EU-Sanktionen beschlossen. Es zielt insbesondere darauf ab, Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl weiter zu reduzieren. Zudem werden weitere Finanzinstitute vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten und zusätzliche Handelsbeschränkungen erlassen. Das Paket hatte wegen eines Vetos von Orban mehr als zwei Monate nicht beschlossen werden können. Der Rechtspopulist pflegte trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine enge Kontakte nach Moskau.