Mit «Romance» sind Geschichten gemeint, die recht plakativ von Liebesgefühlen handeln. Das Genre boomt auf Booktok und allgemein im Literaturbereich schon länger. Houmsi verweist in ihrem Podcast darauf, dass das Suchinteresse bei Google nach dem Begriff «Romance» Anfang des Jahres stark gestiegen sei.
Sie erwähnt die Filme «Hamnet», «Wuthering Heights» und «The Drama» sowie die Serie «Heated Rivalry», die sich alle um das Thema drehen. «Das ist so ein bisschen das, wonach sich viele gerade sehnen. Dieses Träumen nach der großen Liebe.» Das habe auch mit der aktuellen Krisenstimmung zu tun.
Im Dating wird diese Sehnsucht inzwischen als «Yearning» beschrieben. «Old-School-Romantik ist wieder in Mode», schrieb die «Vice» neulich. Das passt zur öffentlichen Inszenierung von Swifts und Kelces Beziehung samt Verlobungsfoto in einem Blumenmeer auf Instagram.
«Ich glaube auch, dass es da eine gewisse Identifizierbarkeit gibt, vor allem, wenn es um Liebe geht», sagt BBC-Moderatorin Sarel zum Reiz der Promi-Hochzeit. «Denn jeder - wirklich jeder - braucht Liebe, in welcher Form auch immer.»
Swift als große Liebes-Autorin
Hinzu kommt bei Swift eine besondere Dynamik. Seit Jahren verknüpft sie ihre Musik und ihr Image eng mit Liebesgeschichten. Entsprechend groß sei nun die Erwartung, diese Erzählung weiterzudenken, sagt Reiner - und «altern zu lassen». Viele Fans dürften eine Hochzeit als logischen nächsten Schritt empfinden, den Kapitelabschluss einer lange verfolgten Geschichte.
«Ich glaube, es wäre Taylor Swift genauso möglich, ihren Ehemann geheim zu halten, wenn sie es denn wollen würde», sagt Reiner. «Aber es ist natürlich eine tolle Story, die mit diesem Ehemann verknüpft ist, auch mit ihrem Kennenlernen, dieser offensichtlichen Traumhochzeit.» Die Verbindung von persönlicher Beziehung und öffentlicher Erzählung schaffe eine zusätzliche Ebene: neue Fragen und Geschichten - vom Freundinnenkreis bis zur Rolle der Brautjungfern.
Swift nutzt ihre Ehe also auch als Bühne für strategisches Storytelling. Es ist vermutlich kein Zufall, dass ihre aktuelle Single «Elizabeth Taylor» heißt. Die Schauspielerin gilt als überzeugte Romantikerin und war achtmal verheiratet, mit sieben Männern.
Reiner verweist auf den Podcast «Sentimental Garbage», in dem die Autorinnen Caroline O'Donoghue und Jen Cownie die Theorie diskutieren, Swifts aktuelles Album «The Life of a Showgirl» sei als eine Art Hochzeits-Soundtrack konzipiert. Es seien Lieder, die man nicht alleine höre, sondern auf der Tanzfläche einer Hochzeit - mit Kindern, der Oma oder Onkels, die man sonst selten sieht.
Promis als moderne Märchenfiguren
Eine Lesart von Swift, sagt Reiner, sei, dass sie schon lange nach «dem Richtigen» suche. Da passe die Erzählung von «Endlich gefunden». Promi-Hochzeiten sind in der Hinsicht vielleicht moderne Märchen. Swift hatte unter ihr Verlobungsfoto, das sie im August 2025 gepostet hatte, geschrieben: «Deine Englischlehrerin und dein Sportlehrer heiraten.»
«Man hatte so Ideen von "Märchenprinz hat endlich Prinzessin gefunden", oder vielmehr andersherum», sagt Reiner dazu. «Und das hat gerade bei Taylor Swift, die sich zwar als Star, aber auch als Girl von nebenan inszeniert, stark entlastende Funktionen: Wenn dieser dorky (dt. etwa: «schrullige»), jetzt erwachsen gewordene Teenager, der immer noch am liebsten liest und Zeit mit den Katzen verbringt und sich alleine am Klavier ausdrückt, wenn also unsere Englischlehrerin ihren Traumprinzen gefunden hat, dann können wir das alle auch.»
Die Popkultur ist 2026 von der Idee einer alles überstrahlenden Liebe wieder besonders fasziniert. Am Ende erzählen die Spekulationen über die Hochzeit von Taylor Swift und Travis Kelce wohl auch etwas darüber, was viele Menschen gerade suchen: Die Aussicht, dass auch in schlimmen Zeiten ein Happy End folgt.