"Wir haben nicht mit der AfD geklatscht!": Fraktionschefs Spahn und Reichinnek zoffen sich bei "Maischberger"

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Maischberger 6.5.2026
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek und Union-Fraktionschef Jens Spahn trafen am Mittwochabend bei "Maischberger" aufeinander.
WDR / Oliver Ziebe
Maischberger 6.5.2026
Eine Zusammenarbeit mit der Linken sei für die Union nicht möglich, erklärt Fraktionschef Jens Spahn.
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Maischberger 6.5.2026
"Ich finde, dass die Abgeordneten genug verdienen", sagt Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek.
WDR / Oliver Ziebe
Maischberger 6.5.2026
Bei "Maischberger" zeigt sich, dass Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek (links) und Unions-Fraktionschef Jens Spahn in fast keinem Politikfeld einer Meinung sind.
WDR / Oliver Ziebe

Am Mittwochabend treffen sich zwei Fraktionschefs bei Sandra Maischberger in der ARD. Jens Spahn von der Union und Heidi Reichinnek von den Linken sollen die Regierungsarbeit bewerten. Einigkeit gibt es nur bei einem Thema.

Jens Spahn ist gerade erneut zum Fraktionschef der Union gewählt worden. Mit 86,5 Prozent der Stimmen erzielte er ein gutes Ergebnis und darf nun als "Star der Union" gelten. Bei Sandra Maischberger trifft Spahn am Mittwochabend bei "Maischberger" auf Heidi Reichinnek. Die Fraktionschefin der Linken ist schon seit einem Jahr ein Star. Immerhin hat die Politikerin die Linken bei den Bundestagswahlen überraschend stark gemacht. Beide diskutieren über das erste Jahr der Bundesregierung. Schon vorher waren keine besonderen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Aber einen gewissen Unterhaltungswert hatte die Diskussion schon.

Bei aller Uneinigkeit war klar zu erkennen: Die beiden Kontrahenten fanden den Streit okay, die Moderatorin hatte diesmal deutliche Schwierigkeiten. Immer wieder misslang ihr der Versuch zu verhindern, dass beide zu lange redeten. Und das war das Hauptproblem bei dieser Diskussion: Man kannte die Argumente, neues gab es nicht, und irgendwann wirkte das Ganze ein wenig ermüdend.

Reichinnek ist gegen eine Diätenerhöhung, Spahn dafür

Bis die Moderatorin mitten im schönsten Streit Fragen stellt, die beide Gäste mit "ja" oder "nein" beantworten sollten, ohne es freilich zu tun. Dabei spricht Sandra Maischberger eine Idee von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann aus der vergangenen Woche an. Da hatte er vorgeschlagen, die Diäten der Politiker in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Er wolle damit ein Signal an die Bürger aussenden. Auch die Linken sind gegen eine Diätenerhöhung, spenden das Geld seit einem Jahr an Vereine, die sie unterstützen.

Aber Jens Spahn ist mit der Forderung nicht einverstanden. "Es gibt einen begründeten Mechanismus bei der Bezahlung der Abgeordneten, nämlich der Lohn- und Rentenentwicklung zu folgen." Der habe dazu geführt, dass die Diäten steigen, aber auch schon mal gesunken seien. "Grundsätzlich sollten wir an diesem Mechanismus festhalten." Um es etwas kürzer zu sagen: Spahn will, dass er und seine Kollegen mehr Geld verdienen, trotz der aktuellen Krise und der Privilegien, die sie ohnehin schon haben und auf die Reichinnek auch hinweist.

"Ich finde, dass die Abgeordneten genug verdienen", sagt Reichinnek. "Abgeordnete müssen ein vernünftiges Gehalt haben, das möchte ich auch mal betonen. Aber irgendwann ist es dann auch mal gut." Das Publikum im Studio steht hinter Reichinnek, sie bekommt Applaus. Spahn nicht.

Spahn wirft Linken "Lifestyle-Antisemitismus" vor

Auch Spahns Haltung zum Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU kommt nur mäßig an. Auf einem Bundesparteitag hatte die Partei beschlossen, weder mit der AfD noch mit den Linken zusammenzuarbeiten noch zu koalieren. Was Spahn an den Linken kritisiert: "Wenn Judenhasser und Antisemiten in Verantwortung in der Fraktion und in der Partei sind, dann ist das ein Problem. Mit so einer Partei wollen und werden wir nicht zusammenarbeiten. Sozialismus im Programm, die Diktatur des Proletariats, das ist Sozialismus. Da, wo es auf der Welt bisher probiert wurde und wo man es probiert, hat es zu Armut, Umweltverschmutzung und meistens dazu geführt, dass Andersdenkende im Gefängnis oder tot waren. Das ist ein System, ein anderes System, das wir nicht wollen."

Zudem kritisiert Spahn die Einstellung zu Israel und Juden bei den Linken, die er "linken Lifestyle-Antisemitismus" nennt. "Palästinensersolidarität ist kein Antisemitismus", erklärt Reichinnek. "Sie haben Leute in Ihrer Fraktion und Ihrer Partei, die die Hamas zu Märtyrern erklären, die entsprechend da mitmarschieren", sagt Spahn. "Nennen Sie doch mal Namen", fordert Reichinnek. Das tut Spahn nicht. Aber er sagt: "Sie haben ein Problem in Ihrer Partei mit Judenhass. Und dadurch, dass Sie es leugnen, geht es nicht weg. Sie sollten das bearbeiten und vor allem los werden."

"Gleichfalls", pariert Reichinnek. Die Union öffne sich mehr und mehr der AfD, nicht nur in der Rhetorik, sondern auch in ihren Beschlüssen. "Und ich sehe da durchaus in der zweiten und dritten Reihe, aber teilweise auch in der ersten schon ein ganz klares Zerschlagen der Brandmauer. Ich finde das immer interessant, dass man uns an die Seite schiebt, obwohl wir nichts anderes wollen als soziale Gerechtigkeit." Die Linke fordere bezahlbare Mieten oder Steuerentlastungen für geringe und mittlere Einkommen, dass Krankenhäuser nicht schließen müssen und das der Bus fahre. In Deutschland sei es mit der sozialen Gerechtigkeit nicht gut bestellt.

Reichinnek empört sich über Spahn: "So etwas zu behaupten ist eine Frechheit"

Man müsse einmal beobachten, wer im Bundestag am meisten mit der AfD klatsche, fordert Spahn mit Blick auf die Linken. "So etwas zu behaupten ist eine Frechheit", entgegnet Reichinnek. "Wir haben noch nie mit der AfD geklatscht." Spahn: "Ich verstehe, dass Sie das aufregt." Reichinnek: "Ja, weil Sie lügen." Keiner bei den Linken sei daran interessiert, mit der Union zusammenzuarbeiten, erklärt Reichinnek. "Unsere politischen Positionen sind weit voneinander entfernt. Aber wir als Linke sagen klar: Wir sind bereit, mit allen demokratischen Parteien und Fraktionen ins Gespräch zu kommen, wenn es darum geht, etwas für die Menschen zu erreichen. Das haben wir auch schon bewiesen."

Diesmal ist es mit dem Gespräch nicht so weit her. Einigkeit gibt es nur bei der Erhöhung der Mütterrente. Bei Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik gibt es nichts, was die beiden Parteien einen würde. Das jedenfalls wird klar an diesem Abend. Nicht klar wird, wie eine mögliche Zusammenarbeit nach den drei Landtagswahlen im September aussehen könnte. Spahn will darüber jetzt noch nicht nachdenken. Schade eigentlich. Denn das hätte viele Zuschauer vor allem in Ostdeutschland sicher interessiert.

Quelle: teleschau – der mediendienst