Das Villnößtal reagiert auf immer mehr Besucher mit Zufahrtsbeschränkungen und Kontrollen. Hinter der Maßnahme steht wachsender Frust im Dorf.
Eigentlich wirkt St. Magdalena wie ein Ort aus dem Bilderbuch: eine kleine Kirche, saftige Wiesen, dahinter die schroffen Dolomiten. Doch im Villnößtal in Südtirol ist aus dieser Kulisse ein Magnet für Touristen geworden – und aus dem touristischen Erfolg ein ausgewachsener Streit über Overtourism.
Der berühmte Blick auf das Dorf und die Geislerspitzen lockt immer mehr Tagesgäste an, oft nur für ein schnelles Foto. Nun reagiert die Gemeinde mit Schranken, Verkehrslenkung und schärferen Maßnahmen, um das Fotomotiv zu schützen und den Druck auf St. Magdalena spürbar zu verringern. Wie rasant sich der Ort zum digitalen Sehnsuchtsziel entwickelt hat, haben wir kürzlich in einem Beitrag über den Insta-Hype in St. Magdalena beleuchtet.
Wenn Besucher zur Belastung werden: Hype-Dorf in Südtirol reagiert auf Massenandrang
Im Südtiroler Villnößtal ist aus einem weltberühmten Fotomotiv längst ein handfestes Problem geworden. Der Ortsteil St. Magdalena, berühmt für seine Kirche vor den Geislerspitzen, zieht seit Jahren Massen von Tagesgästen an. Jetzt reagiert die Gemeinde: Zwischen Mitte Mai und November sollen zwei Schranken die Zufahrt begrenzen, damit Touristen nicht mehr ungehindert mit Auto oder Reisebus bis in den kleinen Ort hineinfahren. Anwohner und Hotelgäste dürfen weiterhin passieren, wie t-online berichtet.
Im Zentrum des Konflikts steht nicht nur die Menge der Besucher, sondern der Eindruck, dass das Dorf für viele nur noch Kulisse ist. Wer vor allem wegen des berühmten Blicks auf die Kirche St. Magdalena anreist, muss den letzten Abschnitt künftig zu Fuß zurücklegen; zusätzlich sollen zwei Parkwächter den Verkehr lenken und Fahrzeuge zurückschicken, wenn keine Stellplätze mehr frei sind. Der Bürgermeister von Funes (der italienische Name der Gemeinde Villnöß), Peter Pernthaler, sagte wörtlich, dass man die Gruppen aus China und Japan satt habe, die das Tal überfluteten, überall parkten, nur kurz für ein paar Bilder anhielten und nichts außer ihrem Müll hinterließen. Diese Zuspitzung ist der eigentliche Kern hinter der Schlagzeile vom Dorf, für das Touristen zur Plage geworden seien, berichtet die Zeitung Corriere dell'Alto Adige.
Damit verschiebt sich der Blick auf das Geschehen deutlich. Es geht nicht bloß um einen hübschen Ort, der sich gegen zu viel Andrang wehrt, sondern um den Vorwurf eines rücksichtslosen Kurzbesuchertourismus, der Parkplätze blockiert, Verkehrschaos erzeugt und kaum wirtschaftlichen Mehrwert hinterlässt. Gerade dieser Gegensatz – maximale Ausbeute, minimale Aufenthaltsdauer – prägt die Debatte um Overtourism in Funes.
Die Maßnahmen in St. Magdalena
Die Gemeinde setzt deshalb auf eine vergleichsweise harte, aber gezielte Lösung. Anders als an stark regulierten Ausflugsorten mit Reservierungssystem soll in St. Magdalena keine Vorab-Buchung für die Zufahrt eingeführt werden. Stattdessen gilt: Wenn der Parkplatz im Ortszentrum voll ist, müssen Busse und Autos umkehren und weiter unten parken. Durchgelassen werden nur Bewohner und Personen, die in Hotels der Gegend gebucht haben. Hinzu kommen weitere Eingriffe. Die Parkgebühren im Dorf sollen steigen; bislang lag der Tagessatz laut der italienischen Regionalberichterstattung bei nur vier Euro und galt damit als viel zu niedrig, um den schnellen Selfie-Tourismus zu bremsen. Parallel dazu denkt die Gemeinde über stärkere Kontrollen und einen Ausbau der Busverbindungen nach. Die Maßnahmen im Überblick:
- Zwei Schranken sollen die Zufahrt nach St. Magdalena begrenzen.
- Die Regelung ist für den Zeitraum von Mitte Mai bis November vorgesehen.
- Anwohner und Hotelgäste dürfen weiterhin passieren.
- Bei vollen Parkplätzen müssen Tagesgäste umkehren oder weiter unten parken.
- Zusätzlich sind höhere Parktarife, mehr Kontrollen und ein stärkerer Busverkehr geplant.