24 Stunden-Wartezeit bei App-Download kommt bald - wer davon betroffen ist

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Android-Handys werden bald bei der Installation bestimmter Apps komplizierter
Android-Handys werden bald bei der Installation bestimmter Apps komplizierter. Damit will der Google-Konzern Betrügern vermehrt das Handwerk legen.
Android-Handys werden bald bei der Installation bestimmter Apps komplizierter
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Apps aus fremden Quellen zu installieren, war auf Android bislang kinderleicht. Das wird sich ab Sommer 2026 ändern. Wie dich die 24-Stunden-Regel konkret betrifft.

Apps auf dem Android-Smartphone zu installieren, war bislang vergleichsweise unkompliziert - auch abseits des offiziellen Play Stores. Wer wollte, konnte Anwendungen aus beliebigen Quellen herunterladen und mit wenigen Klicks einrichten. Dieses sogenannte Sideloading galt lange als eines der Markenzeichen von Android und unterschied das Betriebssystem deutlich von der bei Apple.

Damit ist bald Schluss: Google baut sein Android-System im Sommer 2026 grundlegend um. Mit einem neuen Sicherheitsverfahren namens "Advanced Flow" will der Konzern die Installation von Apps aus fremden Quellen deutlich erschweren. Offiziell begründet Google den Schritt mit dem Schutz vor Betrugsmaschen, die weltweit Schäden in Milliardenhöhe verursachen, wie aus einem Blogbeitrag von Matthew Forsythe, Googles Direktor für Produktmanagement und App-Sicherheit, hervorgeht.

Neustart, Wartezeit, Biometrie: So funktioniert der neue Prozess

Wer künftig Apps von nicht verifizierten Entwicklern installieren möchte, muss einen mehrstufigen Prozess durchlaufen. Zunächst sei der Entwicklermodus in den Systemeinstellungen zu aktivieren, wie Google in seinem Entwickler-Blog beschreibt. Anschließend müssten Nutzer bestätigen, dass sie nicht von Dritten unter Druck gesetzt werden.

Danach erzwinge das System einen kompletten Neustart des Smartphones. Dieser Schritt soll aktive Fernzugriffe oder laufende Telefonate von Betrügern unterbrechen. Denn Kriminelle blieben häufig am Telefon, um ihre Opfer Schritt für Schritt durch die Installation schädlicher Software zu lotsen.

Die wohl größte Hürde folgt im Anschluss: Eine verpflichtende Wartezeit von 24 Stunden blockiert die Installation. Erst nach Ablauf dieser Frist könne der Nutzer die Freischaltung per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN endgültig bestätigen, heißt es im Blogbeitrag. Danach lasse sich die Installation von Apps nicht verifizierter Entwickler wahlweise für sieben Tage oder dauerhaft freischalten.

Warum Google die Android einschränkt

Laut einem Bericht der Global Anti-Scam Alliance (GASA) aus dem Jahr 2025 hätten 57 Prozent der befragten Erwachsenen weltweit im vergangenen Jahr einen Betrugsversuch erlebt . Die globalen Verluste durch solche Maschen beliefen sich demnach auf 442 Milliarden US‑Dollar. Betrüger nutzten dabei gezielt Angst und bauten Druck auf, um ihre Opfer zur Installation schädlicher Apps zu bewegen.

Genau hier setzt Google an: Der neue Prozess sei bewusst so gestaltet, dass er diesen Druck unterbreche, erläutert Forsythe im Blog. Google bezeichnet das Sideloading als etwas, das nur "Power-User" nutzen sollten.

Gleichzeitig betont der Konzern, dass Android weiterhin eine offene Plattform bleiben solle. Dan Jackson, Leiter der Politikkommunikation bei Google, erklärt laut The Verge, der "Advanced Flow" werde bereits im August verfügbar sein - also noch bevor die neuen Regeln verpflichtend werden. So hätten erfahrene Nutzer die Möglichkeit, den Prozess vorab zu durchlaufen und die eintägige Wartezeit rechtzeitig hinter sich zu bringen.

Ab September 2026 wird es ernst - zunächst in vier Ländern

Ab September 2026 müssen Apps in Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand von einem verifizierten Entwickler stammen, damit sie auf zertifizierten Android-Geräten installiert werden können. Die weltweite Einführung sei ab 2027 geplant, wie aus der offiziellen Entwicklerseite von Google hervorgeht. Entwickler müssten sich über die Android Developer Console oder die Play Console verifizieren, indem sie unter anderem ihren Namen, ihre Adresse und gegebenenfalls einen amtlichen Ausweis bereitstellten.

Für Studenten und Hobbyentwickler bietet Google kostenlose Konten mit eingeschränkter Reichweite an. Diese erlaubten die Verteilung von Apps an bis zu 20 Geräte, ohne dass eine Ausweispflicht oder Gebühren anfielen. Für größere Projekte ohne offizielle Verifizierung werde der Weg zum Nutzer jedoch deutlich steiniger. Fachleute raten grundsätzlich dazu, Apps nur aus offiziellen App-Stores zu laden, um Risiken durch Schadsoftware zu minimieren.

Nicht alle in der Entwicklerszene begrüßen die Neuerungen. Die Kampagne "Keep Android Open" warnte laut The Verge in einem offenen Brief, die verpflichtende Registrierung bedrohe "Innovation, Wettbewerb, Datenschutz und Nutzerfreiheit". Wer sein Smartphone grundsätzlich vor Fremdzugriffen schützen möchte, sollte zudem regelmäßig prüfen, ob unbekannte Spionage-Apps auf dem Handy installiert wurden. Auch ein altes, ungenutztes E-Mail-Konto kann ein unterschätztes Sicherheitsrisiko darstellen.

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