Das Bild der Beamten hierzulande ist von Klischees geprägt. Doch welche davon stimmen auch? "Tagesthemen"-Moderatorin Jessy Wellmer schaut sich für eine ARD-Dokumentation die Realität des Beamtentums in Deutschland an und will herausfinden, ob es noch zeitgemäß und modernisierbar ist.
Seit es sie gibt, sind sie Zielscheibe von harscher Kritik und beißendem Spott: Die deutschen Beamten fungieren oft als stereotypenreiche Sündenböcke und wortwörtliche Witzfiguren. Doch wie so oft bleibt die Frage nach dem Fünkchen Wahrheit, das in Vorurteilen zu stecken beliebt: Wo benötigt der Staat die Beamten noch? Welche ihrer Sonderrechte sind heutzutage überholt? Und wie könnte man das hiesige Beamtentum modernisieren? "Tagesthemen"-Moderatorin Jessy Wellmer geht in ihrer neuen Reportage "Deutschland, deine Beamten: Zeit für Reformen?" diesen und anderen Fragen nach.
Immer wieder stehen die Staatsdiener im Mittelpunkt kontroverser Debatten. Oft dann, wenn gerade Kürzungen in anderen Bereichen anstehen, so auch aktuell mit Blick auf die geplanten Renten-, Pflege- und Gesundheitsreformen. Der Film beleuchtet, ob es angesichts des Abbaus von Sozialleistungen fair ist, dass Beamte hohe Pensionen erhalten, meist privatversichert und von der Pflicht zur Sozialversicherung ausgenommen sind.
"Ohne Beamte würden Teile unseres Staates nicht funktionieren"
"Ohne Beamte würden Teile unseres Staates nicht funktionieren", zitiert das Erste Presenterin Jessy Wellmer: "Unser Anspruch ist es, einmal ganz sachlich zu schauen, in welchen Bereichen wir noch Beamte brauchen und welche Privilegien noch gerechtfertigt sind."
Um die Lage einzuordnen, trifft die 46-Jährige für ihren Film unterschiedlichste Menschen. So etwa Stephanie Thien, die für das Land Nordrhein-Westfalen als leitende Steuerfahnderin arbeitet und dafür den Beamtenstatus unbedingt benötigt. Jessy Wellmer begleitet auch zwei Gymnasiallehrerinnen, die in Chemnitz an derselben Schule tätig sind. Doch nur eine von ihnen ist verbeamtet und entsprechend finanziell besser abgesichert. Ist das gerecht? Und was bringt das Beamtendasein dem Schulsystem überhaupt?
Wie kann man das Beamtentum reformieren?
Wie man das Beamtensystem denn nun reformieren könnte, erfährt Jessy Wellmer einerseits in Interviews mit Politikerinnen und Politikern sowie mit Verantwortlichen wie Volker Geyer, dem Chef des DBB Beamtenbundes. Andererseits scheint auch ein Blick nach Österreich erhellend, schließlich haben unsere Nachbarn ihr System bereits vor über 20 Jahren einer grundlegenden Reform unterzogen.
Nicht zuletzt analysiert die Moderatorin mithilfe einer Umfrage von Infratest dimap die Meinungen, die in der Bevölkerung über Beamte kursieren. Damit kennt sich insbesondere Comedienne Tülin Sezgin aus, die einst selbst verbeamtet war und berichten kann, an welcher Stelle die Stereotype zutreffen und wo eher nicht. Dass der oder die einzelne Beamte nicht zwangsläufig voll umfassend verwöhnt ist, vermag der differenzierte ARD-Beitrag dann auch aufzuzeigen.
Der 45-minütige Film ist der erste Teil einer zweiteiligen Mini-Reihe zum Thema "Wie reformfähig ist Deutschland?". Im zweiten Teil betrachtet Wellmers "Tagesthemen"-Vorgängerin und Talkshow-Moderatorin Caren Miosga eine Woche später das große Thema Pflege: "Und wer fragt nach mir? Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung" ist die Doku betitelt, die das Erste am Montag, 26. Oktober, zur Primetime zeigt.