Das macht ein Bier pro Tag auf Dauer mit dem Körper:
- Organe wie Leber, Magen, Darm und das Herz-Kreislauf-System werden geschädigt.
- Immunsystem wird geschwächt, was den Körper anfälliger für Krankheiten macht.
- Schlafstörungen nehmen zu.
- Alterungsprozess wird beschleunigt, da Alkohol Vitaminmangel verursachen kann.
- Lebenserwartung sinkt im Durchschnitt um ein halbes Jahr, wie unter anderem eine große internationale Studie der Universität Cambridge von 2018 gezeigt hat.
- Gehirn wird geschädigt – betrifft vor allem Kinder und Jugendliche, da bei ihnen noch wichtige Entwicklungsprozesse im Gehirn ablaufen, die durch den Alkohol gestört werden.
Alkohol kann durch seine zellschädigende Wirkung neben einer Fettleber auch Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Neurologische Erkrankungen wie Demenz werden ebenfalls begünstigt, sowie Übergewicht, Impotenz und psychische Krankheiten wie Depressionen.
Ein Bier schadet nicht? Experten revidieren ihre Alkohol-Empfehlung
Die wissenschaftliche Lage ist mitunter der Grund, wieso die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) seit 2025 keine offiziellen Grenzwerte mehr zum Alkoholkonsum angibt. Diese würden den falschen Eindruck vermitteln, Menschen könnten eine „sichere“ Menge an Alkohol konsumieren, ohne mögliche Schäden. Auch Initiativen wie „Alkohol? Kenn dein Limit“ vom Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit nehmen inzwischen Abstand von jeglichen Grenzwerten.
Zuvor wurden Werte zwischen 12 und 24 Gramm reinem Alkohol pro Tag als unbedenklich propagiert. Nun ist sich die Wissenschaft einig: Jede Menge an Alkohol ist schädlich, aber je mehr wir zu uns nehmen, desto größer sind die Schäden. Die beste Devise ist daher, so wenig Alkohol wie möglich zu trinken.
Wer sich trotz Gesundheitsrisiko gerne mal ein Feierabendbier gönnt, sollte das nicht zur Gewohnheit machen. Klinikleiter Thomas Hillemacher rät zu zwei bis drei „trinkfreien Tagen“ pro Woche. Dabei gelte natürlich: „Je mehr, desto besser.“
Weniger Alkohol im Alltag: Tipps für Gewohnheitstrinker
Anfangs kann es schwer sein, die Routine zu durchbrechen. Die Initiative „Alkohol? Kenn dein Limit“ gibt die folgenden Tipps, um den Alkoholkonsum im Alltag zu verringern:
- Wenig bis gar keinen Alkohol im Haus aufheben.
- Immer zuerst ein alkoholfreies Getränk trinken.
- Alkohol mit Wasser o. ä. verdünnen.
- Kleinere Gläser benutzen und in Gaststätten immer die kleinste Größe bestellen.
- Bewusst kleine Schlucke nehmen.
- Eigenes Verhalten trainieren, z. B. indem man eine Zeit festlegt, ab der man frühestens das nächste alkoholische Getränk zu sich nehmen darf.
Die erwähnten gesundheitlichen Probleme, die das tägliche Bier mit sich bringt, können noch verstärkt werden, wenn sich daraus eine Alkoholsucht entwickelt. Alkoholabhängigkeit ist nach Tabak die häufigste Suchterkrankung in Deutschland, obwohl sich die genaue Anzahl der Betroffenen schwer erfassen lässt.
Ein Bier pro Tag: Ist das schon eine Alkoholsucht?
Jüngsten Schätzungen der Epidemiologischen Sucht Survey (ESA) des Münchner Instituts für Therapieforschung (ITF) zufolge, liegt in Deutschland bei 1,7 Millionen Menschen (3 Prozent) im Alter von 18 bis 64 Jahren ein Alkoholmissbrauch vor. Weitere 2,16 Millionen (4 Prozent) leiden an einer Abhängigkeit. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die genannten Zahlen eine Unterschätzung darstellen, ordnet die DHS ein.
Wann liegt eine Alkoholsucht vor? Eine Abhängigkeit beginne oft unbemerkt, sagt Thomas Hillemacher. „Dabei geht es gar nicht um die Menge, sondern die Frage, wann jemand die Kontrolle verloren hat.“
Fachleute beurteilen Alkoholsucht nach sechs Kriterien:
- Suchtdruck: Man verspürt das starke Bedürfnis oder den Zwang, Alkohol zu trinken.
- Kontrollverlust: Man kann den Konsum nicht kontrollieren, etwa wenn es um das Beenden des Trinkens oder die Menge an Alkohol geht.
- Entzugssymptome: Körperlich Reaktion, wenn der Alkoholkonsum reduziert oder ganz gestoppt wird.
- Toleranzentwicklung: Man nimmt die Wirkung des Alkohols weniger wahr und trinkt meist mehr.
- Machtverlust: Der Alkoholkonsum wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Persönliche Beziehungen, Beruf und Hobbys werden für den Konsum vernachlässigt.
- Gesundheitsschäden: Trotz körperlicher und psychischer Schäden wird weiter Alkohol getrunken.
Statistiken zum Alkoholkonsum in Deutschland
Die DHS geht zudem anhand zweier Studien davon aus, dass jährlich rund 44.000 Todesfälle in Deutschland auf Alkohol zurückzuführen sind. Durchschnittlich werden pro Kopf der Bevölkerung jährlich 10,6 Liter reinen Alkohols konsumiert.
Als Mitglied der WHO hatte sich Deutschland eigentlich als Ziel gesetzt, den Pro-Kopf-Konsum bis 2030 um 20 Prozent zu senken. Die Organisation fürchtet jedoch, dass dieses Ziel verfehlt wird, da der Anteil zu langsam sinkt. Die Experten der DHS sehen dafür klar die Politik in der Verantwortung. Um den Alkoholkonsum zu reduzieren, brauche es eine bessere Regulierung von Verkauf und Ausschank sowie eine höhere Besteuerung von alkoholischen Getränken. Die Alkoholsteuer soll laut einem Beschluss der Bundesregierung ab 2027 erhöht werden.