Am Ende der Talkshow mit Caren Miosga am Sonntagabend dürfte so mancher Zuschauer überrascht gewesen sein. Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu Gast. Harten Nachfragen muss er sich jedoch kaum stellen.
In ihrer allerersten Talkshow im Ersten hatte Moderatorin Caren Miosga einen ganz besonderen Ehrengast: Friedrich Merz. Der war damals noch Oppositionsführer. Was die Stunde geschlagen hatte, wussten die Zuschauer spätestens, als die Moderatorin ihrem Gast als Geschenk eine Lampe überreichte. Geschenke gab es nach Folge eins der Talkshow nicht mehr. Eigentlich.
Am Sonntagabend ist wieder Friedrich Merz zu Gast. Jetzt ist er Bundeskanzler. Die Moderatorin stellt kaum kritische Fragen, sie gibt dem Kanzler lieber ein paar Stichworte, auf die er reagieren kann. Das ist schon fast wie ein Geschenk.
Ob er vor einem Jahr schon geahnt habe, dass Regieren so schwer sei, will die Moderatorin wissen. Merz, vom "Spiegel" zuletzt ungleich härter befragt, wirkt da fast überrascht. Er sagt "ja", weil das eben so sei in einer Demokratie und mit dem Koalitionspartner. Auch das lernen wir an diesem Abend: Die CDU ist in dieser Regierungskonstellation nicht schuld, und wenn, dann kaum. Er weiß: "Das Land kommt nicht zur Ruhe, wenn die Menschen das Gefühl haben, dass keine Ruhe und keine Konstanz in der Regierungsarbeit vorhanden sind. Und da tun wir uns noch schwer, obwohl wir viel schon hinbekommen haben."
Friedrich Merz: "Kompromisse sind keine Einbahnstraße"
Man brülle sich auch nicht an, wie das SPD-Chef Lars Klingbeil vor einigen Tagen behauptet hatte. Er habe ihm mittlerweile versichert, das sei ironisch gemeint gewesen, erzählt Merz, der ein gutes Verhältnis zu Klingbeil und seiner Partei-Co-Chefin und Sozialministerin Bärbel Baas habe. Die hatte am Freitag auf einer Mai-Kundgebung die Einsparungen im Sozialbereich "zynisch und menschenverachtend" genannt. Darauf angesprochen, gibt Merz den netten und gemütlichen "Onkel Fritz", und das macht er wirklich gut.
"Das ist eine Wortwahl, die ich nicht teile", sagt der Kanzler. "Wir wissen beide, Frau Baas und ich, auch Herr Klingbeil, wir drei wissen, dass wir in den nächsten Jahren unseren Sozialstaat zukunftsfähig machen müssen. So ist er heute nicht." Dafür sei unter anderem der demografische Wandel verantwortlich. "Deshalb appelliere ich auch an alle, jetzt etwas maßvoll in der Sprache zu bleiben, die Dinge anzugehen, die wir gemeinsam angehen müssen."
Er erwarte jetzt Mut von Bärbel Baas. Man müsse jetzt zu gemeinsamen Lösungen kommen, und die müsse man auch gemeinsam durch den Bundestag bringen, so wie die Gesundheitsreform, über die das Parlament im Sommer abstimmen solle. "Ich erwarte von der SPD die gleiche Kompromissbereitschaft, wie wir sie zeigen. Ich bin bisher sehr geduldig gewesen", sagt Merz. Die SPD müsse jedoch wissen: "Kompromisse sind keine Einbahnstraße."
"Vergesst die Hoffnung, dass es da irgendwas mit Minderheitsregierung gibt"
Anders als die schwarz-rote Koalition, könnte man den Eindruck bekommen. Denn innerhalb der CDU gärt es. Christian von Stetten von der Mittelstandsvereinigung der Partei prognostiziert gar, die Koalition werde es nicht bis zum Ende der Legislaturperiode schaffen. "Es gibt in der CDU einen größer werdenden Unmut, auch in der CSU, über Kompromisse, die wir miteinander machen", gibt Merz zu. Und er verlangt: "In dieser Koalition muss die Union vorkommen, und wir müssen auch Dinge hinbekommen, die unsere Handschrift haben. Und das ist vielleicht manchem in der Union bisher noch nicht gut gelungen. Die Einschätzung teile ich. Und darum gibt es jetzt ein paar Themen, wo wir wirklich Fortschritte erzielen müssen."