Können sich die Deutschen keine Wochenendausflüge mehr leisten? Im ARD-Talk "Hart aber fair extra - Der Dialog" berichtet ein Dresdner Pensionsbetreiber von leeren Zimmern. Die Reaktionen von Ricarda Lang und Sigmar Gabriel geben wenig Anlass zum Optimismus.
Mal eben ein paar Tage in Dresden verbringen? Dafür scheinen viele Menschen inzwischen kein Geld mehr zu haben. "Diese Spontanurlauber am Sonnabend, Sonntag, die sind weg", schildert Thorsten Rogge. Der Betreiber einer Pension in der sächsischen Landeshauptstadt sitzt am Montagabend in einer Sonderausgabe des ARD-Talks "Hart aber fair" mit Politikern wie Ricarda Lang und Sigmar Gabriel an einem Tisch - und erzählt davon, dass inzwischen immer häufiger Zimmer leer bleiben.
"Die Wochenenden sind definitiv rückläufig", bilanziert er. "Das merken wir schon. Das ist eindeutig zu sehen an den Zahlen." Rogge erklärt: "Irgendwas läuft schief, dass die Leute das Geld dafür nicht haben oder nicht bereit sind, es auszugeben. Weil sie überlegen: Fahre ich jetzt übers Wochenende nach Dresden oder fahre ich lieber mal zur Tankstelle?"
Daran, erwidert Ricarda Lang, dürfte sich so schnell auch nichts ändern. "Jeder, der gerade verspricht, es wird einfach alles wieder gut, wir werden von allem mehr haben - der würde die Leute verar...en", findet die ehemalige Grünen-Parteivorsitzende wenig erbauliche Worte. Das deutsche Wirtschaftsmodell fuße seit Jahren auf billigem Gas aus Russland sowie "riesigen Exportmärkten in China", so Lang: "Das hat sich beides in Luft aufgelöst."
"Das halte ich für ein Versprechen, das schon gelogen ist, wenn es ausgesprochen wurde"
Auch Sigmar Gabriel zweifelt an einer schnellen Lösung. So sei es "ein Trugschluss, dass die Politik international steigenden Energiepreisen hinterhersubventionieren kann", mahnt der SPD-Mann. "Dieses Versprechen: Dem, was da in der Energiepolitik passiert - ausgelöst durch Kriege, durch viele andere Dinge -, können wir mit nationalen Mitteln finanziell dagegenhalten. Das halte ich für ein Versprechen, das schon gelogen ist, wenn es ausgesprochen wurde."
Der Ex-Vizekanzler betont: "Es gibt Grenzen der Handlungsfähigkeit jeder Regierung bei so exorbitanten Steigerungen, für die man national nichts kann." Er halte es für "falsch", das Geld "bei Schulen, bei Wissenschaft oder in der Rente zu holen". Er wisse, "dass das schwierig ist", räumt Gabriel ein. "Aber der Versuch, da hinterher zu zahlen, der kostet am Ende den Staat so viel Geld, dass er entweder noch mehr Schulden machen muss - oder er muss wirklich tief einschneiden in Bereiche, wo wir das nicht wollen."
Quelle: teleschau – der mediendienst